“Ich arbeite mit jeder einzelnen Kundin an ihrem roten Faden”

Sabine Yousefy ist durch und durch passionierte Einzelhändlerin. Nach Stationen bei Theresa und Sarajo führte die Münchnerin elf Jahre ihr eigenes Geschäft mit Designermode gegenüber dem Hotel Bayerischer Hof. Vor zwei Jahren trennte sie sich davon. Seitdem veranstaltet Sabine Yousefy regelmäßig Yousefy Privé. Was dahinter steckt, warum sie nicht mehr klassisch stationären Einzelhandel betreiben möchte und was sie in ihrem Job antreibt, verrät sie im Interview mit spielerweekly.

Was genau steckt hinter der Idee Yousefy Privé?

Sabine Yousefy: Wir sortieren uns derzeit und arbeiten an einem neuen Konzept. Dieser Privé ist ein Zwischenschritt, damit ich den Kontakt zu meinen Kundinnen nicht verliere und weiterhin Mode verkaufen kann. Im nächsten Jahr starten wir neu durch, aber mehr möchte ich noch nicht verraten.

Wie kam es zu der Idee?

Wir hatten direkt nach der Ladenschließung unseren ersten Privé gehabt, allerdings dauerte der nur einen Tag, und da war dermaßen viel los, dass daraus die Idee entstand, regelmäßig eine Location zu finden, wo sich unsere Kundinnen mehrere Tage mit uns treffen können. Hinzu kommt, dass ich mit Armano aus Mailand, einem der besten Friseure Europas zusammenarbeite, das habe ich schon in meinem Laden gemacht. Er hat einen Riesen-Fan-Kreis, der immer größer wird, und da liegt es in der Natur der Sache, dass die Damen regelmäßig zum Haare schneiden kommen möchten. Deshalb veranstalten wir etwa alle zwei Monate einen Privé. Armano arbeitet so, wie ich in der Mode arbeite. Aus jedem das Beste rauszuholen, ist unsere Philosophie.

Du hast vor knapp zwei Jahren den Laden geschlossen und Dich vom stationären Handel verabschiedet. Gab es dafür einen Grund?

Ich wache jeden Morgen auf und danke dem lieben Gott, dass ich den Laden nicht mehr habe. Natürlich bin ich glücklich und dankbar, was ich in all den Jahren als Einzelhändlerin erleben durfte, aber der Druck wurde irgendwann einfach zu groß. Wir haben ja auch ein ziemlich großes Rad gedreht, mitten in der Innenstadt, mit den Quadratmetern und der hohen Miete. Jetzt in der Corona-Zeit hätte ich diese Belastung nicht haben wollen. Selbst wenn der Vermieter die Miete stundet, was bringt es? Wie soll man das jemals wieder zurückzahlen? Das schafft kein Einzelhändler und auch kein Gastronom. Die Rahmenbedingungen sind einfach schwierig geworden. Die Frequenz hat schon vor Corona kontinuierlich abgenommen, die Parkplätze sind teuer in den Städten, das Angebot ist durch die Mono-Shops und Vertikalen vergleichbar geworden. Der Anreiz, in die Innenstadt zu fahren, hat stark nachgelassen.  

Muss man heute die Kunden anders abholen, ein Stück mehr entertainen?   

Wir arbeiten im Yousefy Privé nicht anders als früher. Ich habe mein Verhalten nicht verändert. Das Persönliche stand bei mir schon immer im Vordergrund.

Findet der Privé jedes Mal an einem anderen Ort statt?

Das war tatsächlich am Anfang die Idee. Mir schwebte vor, ähnlich wie Browns aus London mit seinem „Nomad“-Konzept von einer Location zur nächsten zu ziehen. Aber gerade jetzt, wo alles noch schnelllebiger ist, habe ich gemerkt, dass es mir guttut, eine Heimat zu haben, und ich glaube, meinen Kundinnen gefällt das auch.

Woher bekommst Du die Ware?

Wir haben aufgrund meiner langjährigen persönlichen Kontakte mit verschiedenen Designern sehr gute Kooperationen. Gewisse Highlights, die ich unbedingt haben möchte, ordere ich, ganz klassisch.

Das heißt, Du bist auch noch regelmäßig auf Einkaufstour?

Ich schaue mir nach wie vor alles an. Ich fahre jetzt auch nach Mailand und Paris. Es ist mir wichtig, informiert zu sein. Hinzu kommt, dass ich stärker denn je nach besonderen Dingen suche. Ich habe keine Lust mehr, Marken aufzubauen, die dann auf einmal fünf, sechs Mal in der Stadt hängen.

Wenn wir schon vom Ordern sprechen. Wohin geht die modische Reise für Dich? Geht es in Richtung Investment-Pieces oder Spaßteile mit Farbe und Drucken?

Intuitiv habe ich zum ersten Mal in meinem Leben für den Herbst Uni und monochrom eingekauft, Camel, Dunkelblau, und das war vor Corona. Ich liebe ja Farbe und Muster, aber mein Gefühl sagt mir, dass es ein bisschen ruhiger wird.  Alle haben quietschbunte Kleider im Schrank, und bestimmte Kleider bleiben hängen, weil im Moment einfach der Anlass fehlt. Ich glaube an eine Form von unangestrengter Mode. (lacht…) Wenn du willst, verlasse ich gerade ein bisschen meinen Pfad von Iris Apfel, immer mehr und mehr miteinander zu kombinieren.

Was macht Dir an Deinem Job am meisten Spaß?

Meine Passion ist das Interesse an Menschen und das Verschönern von ihnen. Ich arbeite mit jeder einzelnen Person an ihrem roten Faden, unabhängig von Trends. Was andere machen, hat mich noch nie interessiert.

Published by spielerweekly

Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.

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