Paris in Aufruhr

Preview - Dior_S19_732
Dior. Foto: Studio Martin Veit

Die Schauen sind schon lange an Exaltiertheit nicht mehr zu toppen. Gesehen und gesehen werden, alles für das schnelle Foto, Selbstoptimierung und -inszenierung allerorten. Dass bei einer Show 80 Prozent der Zuschauer mehr mit ihrem Handy als mit der Show beschäftigt sind, bemerkt schon keiner mehr. Geschweige denn, dass es irgendjemand moniert.

Doch in dieser Saison hat es tatsächlich einer geschafft, Paris in Aufruhr zu versetzen. Schon im Vorfeld wurde über nichts anderes spekuliert als darüber, was Hedi Slimane aus Celine machen wird. Die Tatsache, dass er in seiner ersten Amtshandlung den Akzent bei Céline auf dem “e” wegnehmen hat lassen, gab schon eine Vorahnung, dass hier einer keinen Stein auf dem anderen lassen wird.

Das Ganze war groß aufgezogen: Die Einladungen zur Show kamen in leinengebundenen Büchern. Vor der Show gab es Moët-Champagner aus der Flasche mit eigens kreierten Celine-Etiketten, und in der Halle wurde vor der goldenen Kuppel des Invalidendoms ein Zelt aufgebaut, und zu Beginn der Schau von den Musikern der Nationalgarde getrommelt.

Das Celine-Spektakel hat sicher mehr gekostet als jede Show der langjährigen Celine-Designerin Phoebe Philo. Diese dürfte sich bei Slimanes Premiere nicht nur gefragt haben, was ihre bisherigen Kundinnen künftig anziehen sollen, sondern auch, wie viel Hedi Slimanes Interpretation der Marke noch mit Celine zu tun hat.

Antwort: Nichts. Der lässige Chic, den Philo so perfekt beherrschte und der eine erwachsene Kundin ansprach, die gut angezogen, aber nicht verkleidet sein wollte, ist dem für Slimane typischen Rock Style Glamour gewichen, der die Generation der Millennials begeistert und den Umsatz bei Saint Laurent verdreifachen ließ.

In der Hoffnung, dass die Minikleider mit Pailletten und betonter Schulter jetzt bei Celine ebenfalls den Umsatz in die Höhe schießen lassen, durfte Slimane auch gleich noch eine Männerkollektion für die Marke präsentieren, auch diese unverwechselbar in Slim-Fit geschnitten.

Am Ende bleiben viele Fragen: Ist das kreativ, wenn man exakt dieselben Entwürfe zeigt wie vor ein paar Saisons bei Saint Laurent? Wenn einem so gar keine Weiterentwicklung des eigenen Stils für den neuen Arbeitgeber einfällt? Ist es Arroganz, Unvermögen oder Hybris? Oder beides? Was denkt sich LVMH? Warum bekommt Slimane dann nicht gleich eine eigene Kollektion namens Slimane?

Michele Alessandro hat für Gucci auch die Welt auf den Kopf gestellt, aber mit einer neuen Idee, die auch hätte schief gehen können. Bei Slimanes Kollektion für Celine indes ist es nur ein müder Abklatsch seiner bisherigen, wenn auch zweifellos großartigen Arbeit für Saint Laurent.

Es wird sich zeigen, ob die Strategie von LMVH aufgeht. Im Moment sieht es eher aus wie ein verzweifelter Versuch, es dem Konkurrenten Kering nachzumachen und ein Hype-Label aufzubauen, denn in diesem Punkt hat Kering mit den Erfolgen von Gucci, Balenciaga und Saint Laurent in Sachen Coolness im Moment die Nase ganz klar vorn.

Modisch geht es wieder etwas ruhiger zu. Nach dem Eklektizismus der vergangenen Saisons gibt es eine Tendenz zu mehr monochromen Outfits. Der Trend zu Tailoring spielt in dem Zusammenhang eine wichtige Rolle, aber immer mit einem Augenzwinkern interpretiert. Und Sport bleibt ein Thema und sorgt weiterhin für Lässigkeit.

Fotos: Studio Martin Veit

 

 

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