Frankfurt und Fashion? Passt das zusammen?

Diese Nachricht hat gesessen. Sonntagabend zum Wochenausklang die Hammer-News auf dem TW-Ticker: Nach 20 Jahren zieht die Premium von Berlin nach Frankfurt. „Wir wollen zusammen etwas Neues, Überraschendes und Großes schaffen“, sagt Anita Tillmann gegenüber der TW. „Jetzt ist der Moment, den nächsten Schritt zu tun. Und Frankfurt ist dafür ideal. Coole Stadt, bestens angebunden, wirtschaftlich sehr stark, international wie kaum eine andere.“

Da hat Anita Tillmann recht. Frankfurt ist international, ökonomisch erfolgreich und liegt im Herzen Deutschlands. Man kann nahezu von überall mit dem Auto oder der Bahn anreisen – und muss nicht in den Flieger steigen. In Zeiten von Covid-19 und Nachhaltigkeit ist letzteres sicher ein schlagkräftiges Argument. Auch die anderen Argumente kann ich als langjährige Frankfurterin nur unterstreichen. Aber Mode und Frankfurt? Das passt nicht wirklich zusammen.

Die FAZ schreibt heute morgen, dass die Stadt Frankfurt und das Land Hessen die Messe mit großer Begeisterung willkommen heißen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Berlin Fashion Week für den Standort Berlin eine wirtschaftliche Zusatzleistung von bis zu 120 Millionen Euro pro Saison bedeutet hat. Dieses Geld nimmt jede Kommune mit Freuden.

Dass Detlev Braun, Chef der Messe Frankfurt, sich in der FAZ damit rühmt, dass Frankfurt bislang keine Expertise als Mode-, sehr wohl aber als Textilstandort habe – die Messe Frankfurt ist Marktführer mit Messen und Events für die Textilindustrie, darunter die Heimtextil, Techtextil, Teprocess, Texworld und Intertextile, bringt das Problem auf den Punkt: Frankfurt ist Bank- und Finanzzentrum, nicht aber Modemetropole.

Wenn Anita Tillmann erklärt, es gehe darum, die Modemesse zu einem europäischem Format zu machen, das sich nicht mit deutschen Städten messen soll, sondern mit Mailand und Paris, muss man sich allerdings schon fragen, warum das in der Main-Metropole möglich sein soll, was in 20 Jahren in Berlin nicht möglich war. Denn die Erfahrung der letzten zwei Jahrzehnte hat gezeigt, wie schwer es ist, heute noch einen zusätzlichen Messe- und Modestandort im internationalen Reigen zu etablieren.

Bei allem Verständnis für Konzentration und Neuanfang: Wenn es in Deutschland überhaupt eine Stadt hätte schaffen können, im internationalen Modereigen ernst genommen zu werden, wäre es Berlin gewesen. Berlin ist die einzige Stadt in unserem Land, die den Hauch einer Metropole versprüht und ansatzweise mit Städten wie New York, Paris oder Mailand mithalten kann. Allein wegen den coolen Locations war Berlin immer eine Reise wert. Nicht zu vergessen die Atmosphäre der Stadt, die Bars und Restaurants, das Borchardt als Branchentreff und auch ein Store Check im KaDeWe, Soho-House oder bei Andreas Murkudis haben doch bis zuletzt Einkäufer in die Hauptstadt gezogen, wenn zuletzt auch nicht mehr in dem Maße wie die Jahre davor.

Dass Frankfurt es schaffen soll, den Eisernen Steg zum schönsten Laufsteg Europas und die Zeil zur längsten Modemeile zu machen, ist genauso fragwürdig wie die Tatsache, dass neben den Messen ein Store-Rundgang bei P & C oder ein Restaurant-Besuch im Opern-Café statt Borchardt dieselben Magneten bilden könnten.

Am glaubwürdigsten wird der Standort Frankfurt sicher für alle Themen rund um Nachhaltigkeit und Digitalisierung sein. Was von der Fashion Week, ohnehin stark angeschlagen, bleiben wird, wird sich zeigen.  

Unter dem Aspekt der Bündelung von Kräften hätte als Berlin-Alternative noch eher Düsseldorf Sinn gemacht. Dort haben die meisten Modelabels ganzjährig ihre Showrooms, dort müssen Einzelhändler sowieso zweimal im Jahr hin zum Ordern. Damit wäre Düsseldorf zumindest als Branchentreff für die deutsche Mode nachvollziehbar gewesen.

Published by spielerweekly

Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.

3 thoughts on “Frankfurt und Fashion? Passt das zusammen?

  1. liebe frau spieler,

    ich hoffe ihnen und der familie geht es den umstaenden entsprechend gut.

    ihre sicht der dinge teilen wir absolut!
    auch im hinblick auf standort „duesseldorf“.

    vielen dank.

    herzlichst

    Avischeh Rosenthal

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