Digitale Nähe zum Kunden

Zurzeit ist in der Modebranche wie in vielen anderen Branchen absoluter Ausnahmezustand. Täglich sind es mehr als zehn Millionen unverkaufter Bekleidungsstücke, wie BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangel in der TW erklärt. Doch auch online läuft das Business not as usual weiter. Selbst die Ecommerce-Plattformen berichten von zweistelligen Umsatzeinbußen. Netaporter und MrPorter stellen ihren Betrieb vorübergehend ein. In Zeiten von Corona haben die meisten Menschen andere Sorgen als sich ein neues Kleid oder einen Pullover zu kaufen.

Doch der Warendruck ist enorm, und umso beeindruckender ist die Aktivität und der Einfaltsreichtum vieler kleiner Einzelhändler, die über Instagram mit ihren Kunden kommunizieren. Spazio und Hayashi in Frankfurt, Lemoni in München, Abseits und Bungalow in Stuttgart, Mainglück in Würzburg machen regelmäßig Live-Verkaufsshows, wo einem die Inhaber persönlich die Ware und den Look erklären, per Chat können Fragen gestellt und die Ware per Email oder Telefon bestellt werden.

Nicole Mohrmann vom gleichnamigen Geschäft in München spielt selbst Kundin und Model und lässt sich von ihrer Mitarbeiterin Looks empfehlen und zusammenstellen. Frauke Ortner von Ortner in Dortmund kommuniziert sehr persönlich mit ihren Kundinnen und nimmt sie neben virtuellen Shopping-Touren durch den Laden auch in ihr persönliches Fitnessprogramm mit, zum Beispiel Online-Skiing. Eusterhus in Gütersloh nimmt es mit Humor und zeigt eine Story “im Moment drehen wir uns bisschen im Kreis, aber es wird besser.” Schnitzler in Münster macht mit seinen Kunden eine virtuelle Coffee Time und gratuliert jedem guten Kunden über Social Media zum Geburtstag, und dazwischen streut das Unternehmen Looks ein. Oberrauch Zitt hat postet jeden Tag ein nettes Motto, zum Beispiel “heute ist Frühling. Ich zieh mir ein Blumenkleid an und tanz fünf Minuten durch die Wohnung” oder “Heute kleide ich mich ganz in Grün, die Farbe der Hoffnung” und ruft Kunden auf, ein Foto mit einem grünen Look zu posten. Steffi Sobisch von dem Interior-Geschäft Curtis & Curtis stellt jeden Tag eine Produktgruppe heute, heute Vasen, morgen Spiegel, die per Nachricht bestellt werden können. Sagmeister in Bregenz zeigt schöne Erinnerungen wie Verkaufs-Events und Veranstaltungen mit Kunden.

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten, mit der Krise umzugehen. Doch neben schlichtem Verkaufen, was sicher nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann, ist die Kommunikation mit dem Kunden. Wer jetzt empathisch und perspektisch Social Media betreibt, wird von seinen Kunden belohnt. Denn dass der persönliche Kontakt, das Miteinander, die Begegnung nach dieser Krise extrem an Bedeutung gewinnen wird, für diese Erkenntnis muss man kein Pyschologe sein. Insofern wird stationärer Handel in der Zukunft sicher wieder Aufwind erfahren, er muss nur schaffen durchzuhalten.

Published by spielerweekly

Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.

2 thoughts on “Digitale Nähe zum Kunden

  1. Toller Artikel! Gerade gelesen! Irgendwie emotional- neben dem Fakt! ❤️ Grüße Heike

    +49 162 2012555

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