Vetements setzt politisches Zeichen

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Mit seinen Oversized-Hoodies, Mega-Sweats und Designer-Kooperationen ist der aktuelle Hype um Vetements nicht für jeden nachvollziehbar. Doch selbst seine schärfsten Kritiker müssen anerkennen, dass Vetements-Designer Demna Gvasalia neben Alessandro Michele von Gucci derzeit wie kein anderer die Mode beeinflusst.

Mit der jüngsten Show während der Haute Couture in Paris hat Vetements ein Signal gesetzt und demonstriert, dass Gvasalia etwas zu sagen hat. In seiner neuesten Kollektion arbeitet er mit Stereotypen und Klischees – und beweist, dass Mode immer ein Spiegel der Gesellschaft und politischen Entwicklung ist. Gvasalia schickt ältere Damen im Pelzmantel über den Laufsteg, Banker im Business-Outfit, junge Frauen im Streetwear-Grunge-Look aus den Vororten, Rapper in der Sport-Klamotte. Zusammen mit der Einladung zur Show gab der Designer eine Liste an Klassifizierungen heraus, darauf unter anderem: “Police Woman”, “Social Worker”, “Punk” oder “Broker”: ein Spiegel der Gesellschaft mit den unterschiedlichsten sozialen Gruppen und Schichten. Die aber keineswegs miteinander harmonieren.

Im Gegenteil! Die Models überholten sich gegenseitig, die Jüngeren zogen an den Schwächeren vorbei – quasi als Ausdruck unserer Ellbogengesellschaft und dem Wissen, dass sich jeder selbst der nächste ist.

In Anspielung an die Wahl in Frankreich im Mai ist das Vetements-Logo mit der französischen Nationalflagge auf Hoodies zu sehen. Frankreich ist nur Teil seiner Botschaft, es geht um die Zukunft Europas, um die Globalisierung und die Entwicklung der USA unter Trump, der permanent im Wechselbad der Gefühle zwischen Narzissmus und Aggression badet. In Anspielung an all diese Themen erhielt jeder Show-Gast als Einladung einen Ausweis einer fremden Nation, aufgeklebt auf einer Art offiziellem Dokument. Frei nach dem Motto: Vor dem Gesetz sind wir alle gleich.

Möglicherweise geht es Vetements auch um einen Appell für mehr Toleranz. Dazu würde passen, dass die Looks nicht nur Anti Fashion-Streetwear für Rihanna oder Kanye West sind, sondern auch Mode für die Oma, den spießigen Onkel oder die Grufti-Schwester bieten.

Ob diese Kollektion sich dann auch an so unterschiedliche Zielgruppen verkauft, ist offen. In puncto Zeitgeist jedoch kann das Signal nicht passender sein: nämlich zu zeigen, dass Mode heute viele Facetten hat und auch anders anders inszeniert wird. Das ist heute realistischer und tonangebener denn je – und schon allein deswegen hat diese Kollektion neue Signale gesetzt.

 

 

 


 

 

 

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