“Die Leichtigkeit in der Mode und unserem Leben sollte nicht ganz verschwinden”

Ina Eusterhus betreibt zusammen mit ihrem Mann Michael Menke in zweiter Generation das Modegeschäft Eusterhus in Gütersloh. Wie sie zurzeit im Austausch mit ihren Kunden stehen, sich auf die Zeit nach dem Shutdown vorbereiten und warum zu viel Ernsthaftigkeit der Mode nicht gut tun würde.

Ihr Mann hält zurzeit auf Instagram den Kontakt zu Ihren Kunden, immer mit einem Augenzwinkern. Wie ist die Resonanz Ihrer Kunden? Dient dieses Tool vor allem dazu, mit Ihren Kunden im Dialog zu sein, oder verkaufen Sie tatsächlich auf diesem Weg?

Der Kontakt und die Ansprache über Instagram und Facebook wird von unseren Kunden sehr positiv aufgenommen. Die Bilder und kleineren Videos sollen Ideen und Anregungen liefern. Bei Interesse melden sich unsere Kunden dann – und so kommt es auch zum Verkauf. Auf Wunsch liefern wir die Pakete nach Hause. Es ist im Moment extrem wichtig, den Kontakt zu unseren Kunden zu halten.

Nachdem Österreich die Lockerungen ab dem 14. April bekannt gegeben hat, hofft auch Deutschland, dass zumindest die kleineren Geschäfte wieder aufmachen dürfen. Haben Sie schon Ideen, wie Sie nach dem Lockdown weitermachen werden?

Wir freuen uns schon jetzt auf den Tag, wenn wir wieder öffnen dürfen, auch wenn wir bis jetzt nicht wissen, wie die Bedingungen aussehen werden. Die Anforderungen, in zwei Teams zu arbeiten, können wir erfüllen. Auch um Masken für unsere Mitarbeiter haben wir uns gekümmert. Abstand halten und Desinfektion gehören schon längst zur Routine.

Die Sorge ist groß, dass der Handel im Mai sich Rabattschlachten liefern wird. Sind Reduzierungen nicht unvermeidbar, wenn die Ware raus muss, weil die nächsten Lieferungen schon ins Haus stehen?

Auf dem Markt herrscht ein gewisser Warendruck, das ist Fakt. Viele unserer Lieferanten haben aber die Liefertermine der Pre-Kollektionen schon vier bis sechs Wochen nach hinten geschoben, was ich für sinnvoll halte. Aufgrund des letzten warmen Sommers gibt es viele sommerliche Themen wie Shorts, T-Shirts und Kleider. Diese Ware sollte man regulär verkaufen. Schließlich steht der Sommer erst vor der Tür. Die Frage ist: Helfen die ewigen Reduzierungen wirklich, um Liquidität zu schaffen? Auf Dauer bestimmt nicht.

Durch Corona steht eine Wirtschaftskrise zu befürchten und damit die Sorge, dass das Geld bei den Menschen für Mode noch weniger locker sitzt als davor. Planen Sie für die nächste Orderrunde Sortimentsveränderungen hinsichtlich Preisen, Lieferterminen, Brands?

Natürlich stellen wir uns die Frage, wie sich die Konsumenten bzw. das Einkaufsverhalten durch die Wirtschaftskrise verändern. Wir möchten weiterhin anspruchsvolle und wertige Produkte anbieten, wo das Preis-Leistungsverhältnis passt. Was wir genau verändern müssen, lernen wir vermutlich in den ersten Wochen nach der Wiedereröffnung. Sicher kann man aber sagen: Die Liefertermine sollten schon etwas besser zu den Jahreszeiten passen. Den dicken Winterparka im Juli brauchen wir nicht.

In wenigen Wochen steht die Order der Pre-Kollektionen der Premium- und Designerkollektionen ins Haus. Werden Sie diese in dieser Saison überhaupt kaufen?

Die Frage ist, ob die Firmen diese Kollektionen überhaupt verkaufen werden. Dorothee Schumacher zum Beispiel fasst die Pre- und Main-Collection zu einem Termin zusammen. Das ist eine gute Entscheidung. Vermutlich werden Mitbewerber es ähnlich machen.

Armani, Li Edelkoort, Matthias Horx, sie alle prognostizieren eine Entschleunigung und neue Ernsthaftigkeit. Wird sich das auch in der Mode niederschlagen?

Es wird sich vieles verändern. Wir werden achtsamer mit unserem Leben und den Ressourcen umgehen. Vielleicht wird der Modezirkus nicht mehr um die ganze Welt jetten. Etwas Entschleunigung würde uns gut tun, zu viel Ernsthaftigkeit allerdings nicht. Mode sollte immer auch Freude und Emotionen bieten. Die Leichtigkeit in der Mode und auch in unserem Leben sollte nicht ganz verschwinden.

Gibt es etwas, das Sie aus der Corona-Krise mitnehmen?

Für uns als Einzelhändler ist diese Krise eine Prüfung. Wirtschaftlich gesehen ist es ein Verlust. Auf der anderen Seite habe ich viel Mitmenschlichkeit, Aufmunterung und Empathie erfahren, von meiner Familie, meinen Freunden, von unserem Team, unseren Kunden und Geschäftspartnern. Viele Menschen lernt man neu kennen – der Blickwinkel ist ein anderer geworden.

Published by spielerweekly

Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: