So viele Fragen an das neue “Normal”

Wie wird die erste Woche des Re-Starts in Bayern? Zumindest für die Geschäfte bis 800 m², die seit gestern wieder geöffnet haben? Werden die Leute in den ersten beiden Tagen wie in den anderen Bundesländern und Österreich aus der Quarantäne fliehen und shoppen gehen? Was werden sie kaufen? T-Shirts und Sweats, weil ein Ende vom Homeoffice noch in weiter Ferne liegt? Oder vielleicht lieber ein Sommerkleid, weil einem der Sinn nach einem unbeschwerten Sommer steht, auch wenn wir davon so weit entfernt sind wie Lufthansa von einem regulären Flugverkehr? Wird im Mai noch irgendjemand Cashmere-Pullover kaufen? Müssen die Läden oberhalb der 800 Quadratmeter-Grenze tatsächlich noch bis zum 20. Mai warten, bis sie ihre Türen wieder öffnen dürfen? Wie viele Geschäfte werden das überleben? Gibt das Minus von 33 Prozent einen Vorgeschmack auf das neue „Normal“? Wie lange können die Cafés und Restaurants noch durchhalten? Sind die vielen To Go-Angebote, die es in den Städten jetzt immer häufiger zu sehen gibt, nicht ein Tropfen auf den heißen Stein? Wie attraktiv sind die Innenstädte, wenn nur jedes fünfte Geschäft geöffnet hat? Wie viel Spaß macht ein Einkaufsbummel, wenn man mit Maske in der Schlange vor den Läden auf Einlass wartet und nicht mal das Gespräch mit den anderen Mitwartenden Spaß macht, weil die Maske deutlich macht, dass wir uns nicht in einem schlechten Science Fiction-Film befinden, der nach 90 Minuten zu Ende ist? Was passiert, wenn die Menschen realisieren, dass sie am Monatsende deutlich weniger Geld auf dem Konto wegen Kurzarbeit oder Verdienstausfall haben? Wie viele werden sich Mode überhaupt noch leisten können? Und diejenigen, die wirtschaftlich nicht betroffen sind, werden sie noch Klamotten kaufen, wenn man weder in Urlaub fahren noch ausgehen kann? Oder kaufen sie gerade deshalb etwas Schönes, um sich etwas Gutes zu tun? Wer braucht in diesem Jahr noch ein neues Anlasskleid, wenn es keine Hochzeiten, Parties, Filmfestspiele oder Familienfeiern mehr gibt? Warum einen neuen Anzug kaufen, wenn es weder Anlässe noch Büro-Meetings gibt? Werden die Menschen weniger, dafür bewusster konsumieren? Werden sie mehr in Qualität investieren? Wird Nachhaltigkeit durch Corona nochmal einen Push bekommen? Was passiert mit dem Luxusmarkt? Werden gehypte Labels wie Gucci, Balenciaga oder Supreme als Marketing-leere Luftblasen auffliegen? Werden dafür Marken wie Hermès und Bottega Veneta profitieren? Was wird wichtiger, Marke oder Produkt? Werden die Menschen in Klassiker investieren? Oder wollen sie lieber ein fröhliches Sommerkleid anstelle Ugly Sneaker? Warum gibt es nicht mehr deutsche Modeunternehmen wie Mey und Eterna, die Masken produzieren und damit einen Beitrag für das Wohl der Gesellschaft leisten? Wie schaffen die Kollektionen in der nächsten Orderrunde den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Ablenkung? Wie geht es weiter mit Social Media? Warum erscheinen die Posts vieler Influencer #takemeback2019 mit Champagner auf der Party in Ibiza plötzlich bizarr und sinnentleert? Was wird aus den Zeitschriften, wenn keiner mehr eine Anzeige schalten kann oder will? Wird Corona die Sehnsucht nach Vintage und Tauschbörsen beflügeln? Oder wird es eine Do it yourself-Bewegung geben, wie Trendforscherin Li Edelkoort vermutet? Heißt das, dass die Menschen sich ihre Kleider dann wieder selber nähen? Werden dann Nähkurse wie Pilze aus dem Boden schießen? Wie geht es weiter mit den Modenschauen, wenn es Paris, Mailand, London und New York in diesem Herbst nicht geben wird? Wie werden die großen Luxusmarken ihre umsatzstarken Cruise-Kollektionen künftig präsentieren, wenn keine Reisen mehr nach Shanghai, Tokio und Singapur möglich sind? Werden wir womöglich feststellen, dass es auch ohne so viel „Show“ geht? Was machen Zara, Mango und H & M, wenn das Prinzip Fast Fashion in Frage gestellt wird? Wie wird die deutsche Modeindustrie ihre Kollektionen entwerfen, wenn es keine Info-Reisen und Store-Checks mehr gibt? Bedeutet die Initiative „buy local“, dass wir mit der Globalisierung am Ende sind? Wie können große Eigenmarkenkollektionen in Fernost realisiert werden, wenn keine Fernflüge zu den Designbüros nach Hongkong möglich sind? Ist die Diskussion um spätere, entzerrte Lieferrhythmen in der Modebranche nicht eine romantische Sehnsucht nach der heilen Konsumwelt der 80er Jahre? Ist es nicht längst so, dass andere Player das Tempo im Markt bestimmen? Glauben wir wirklich, dass ein vom Staat regulierter Schlussverkauf die Probleme unserer Branche löst? Ist das nicht genauso utopisch wie die Ansage, erst im Juli die Ware reduzieren zu wollen, wenn die Läger drücken und wochenlang kein Umsatz geflossen ist? Müssen wir uns im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und einem bewussteren Konsum nicht eingestehen, dass Weniger das neue Mehr ist? Dass es seit Jahren zu viel Ware auf zu vielen Kanälen gibt? Dass der Markt viele Labels schlichtweg nicht braucht? Bedeutet das im Umkehrschluss aber nicht auch, dass wir bereit sein müssen, auf Umsatz zu verzichten, wenn wir von einem bewussteren Konsum sprechen? Wird Angela Merkel nach der Krise noch vier Jahre länger im Amt bleiben? Oder doch Markus Söder der neue Kanzlerkandidat? Hat Armin Laschet nach seinem unsouveränen Auftritt bei Anne Will sich aus dem Rennen geschossen? Wird nach Corona das solidarische Wir-Gefühl bleiben? Oder kippt die Stimmung mit jedem Tag mehr, der den Ernst der wirtschaftlichen Lage deutlich macht? Wird noch ein einziger Angestellter nach Corona im Homeoffice bleiben wollen? Und last but not least: Wird Covid 19 als ein positiver Effekt Donald Trump zu Fall bringen?

Published by spielerweekly

Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.

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