spielerweekly schmeißt dann mal den Griffel hin für 14 Tage! Auf ein spannendes 2016 mit vielen modischen News. Happy Holidays!!!
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Maschen-Mania, Strick total – ohne Masche geht nichts im kommenden Herbst/Winter 2016. Die Ästhetik des Selbstgemachten liegt seit einigen Saisons in der Luft. Doch jetzt wird Strick zum ultimativen Aushängeschild, dafür sprechen gleich viele unschlagbare Argumente: Er ist lässig, unkompliziert, superbequem – und: Je hochwertiger, desto luxuriöser.
Die Formenvielfalt ist unendlich. Und damit meldet sich auch der Rolli wieder zurück (https://spielerweekly.com/2015/11/10/der-rolli-zieht-wieder-an/). Nicht nur er: Auch Strickkleider und -röcke erleben ein Comeback. Besonders Mutige setzen sogar auf die Culotte in Strick.
Dass die Masche zur nächsten Herbst-/Wintersaison so essentiell wird, überrascht nicht. Schon die internationalen Designerkollektionen haben für diesen Herbst Strick ohne Ende gezeigt. Man denke nur an die Erfolgsstory Cape und Poncho. Es passt einfach perfekt in unsere Zeit. Wir achten auf gesunde Ernährung, Natur und Umweltschutz, und vor diesem Hintergrund überrascht nicht, dass wir es auch in der Mode mit einer starken Rückbesinnung auf Ursprünglichkeit, Authentizität und Cocooning zu tun haben.
In diesen Kontext baut sich jetzt das Strickkleid auf – oder der Strickrock, der mit Pullover zum modernen Zweiteiler wird. Die neuen Proportionen mit schwingendem Saum und Details wie voluminösen Ärmeln oder aufgesetzten Taschen sorgen dafür, dass es nicht altbacken wirkt – genauso wie federleichte Garne und verschiedene Strukturen es ebenfalls neu aussehen lassen.

Einkäufer des Premium-Segments arbeiten schon wieder hochtourig an der Order für Herbst 2016. Der größte Umbruch besteht in dem Silhouettenwandel, der schon in diesem Herbst greift – und jetzt nochmal ein gutes Stück weitergedreht wird. Nachdem mehr als zehn Jahre die Skinny modisch den Ton angegeben hat, gibt es jetzt eine Verschiebung zu mehr Weite. Mehr Weite beschränkt sich ja nicht nur auf Hosen – auf die Culottes, Bundfaltenhosen, Herrenhosen, Flared, etc. Wir haben auch sehr viel Volumen obenherum. Die neuen Hüllenmäntel, die lässigen Capes, die langen Westen und Chasubles.
Es gibt quasi ein Vier-Stufen-Modell: Für modische Einsteiger setzt die lange Weste zur Skinny neue Akzente. Fortgeschrittene trauen sich schon an ein taillenbetontes Oberteil zur Bundfaltenhose ran. Modisch Versierte tragen oben schmal zur Flared, und Fashion-Profis kombinieren weit mit weit.
Das heißt: Es gibt Culottes, Flared, weite, fließende Hosen, Bundfalten. Und bei den Oberteilen Rollkragenpullover, Jacken mit Taillenbetonung, Longwesten, Capes, gerade geschnittene Wollmäntel und Hüllenmäntel. Es gibt also die H-Silhouette, die O-Silhouette, die X-Silhouette und die Y-Silhouette. Die große modische Freiheit bleibt uns also erhalten.
Die Herausforderung wird darin bestehen, die einzelnen Looks für die unterschiedlichen Zielgruppen umzusetzen. Und vor lauter Begeisterung über den Erfolg der Culotte, die in diesem Herbst vor allem deshalb so gut gelaufen ist, weil sie im Vorfeld viel zu wenig eingekauft wurde, im richtigen Maß die neue Hosenform einzukaufen. Genauso wie die anderen Hosenformen auch. “Es gibt viel zu viele Hosen in den Pre-Collections. Kaum jemand macht noch schöne Kleider oder einen Rock”, so eine Einkäuferin, “dabei werden die Kollektionen im Mai ausgeliefert, da sollten die Lieferanten eigentlich wissen, dass wir auch Ready-to-wear-Teile brauchen.”
Natürlich ist die Hose unbestritten Thema Nummer eins. Aber es gibt auch neue Rockthemen. Und es gibt unzählige neue Silhouetten, die eigentlich prädestiniert dafür einen spielerischen Umgang sind. Und die endlich mal dafür sorgen könnten, dass nicht in jeder Abteilung derselbe Einheitsbrei zu finden ist.
Die erste deutsche L’Officiel Femme ist auf dem Markt – und macht auf jeden Fall Hoffnung auf ein neues Luxusheft mit Format, das in der ersten Ausgabe mit intelligenten Texten und einer ästhetischen Bildsprache überzeugt…und einen Modetrend aufgreift, den ich schon im Frühjahr nach den Schauen thematisiert habe habe…
https://spielerweekly.com/2015/03/25/die-top-ten-vom-Laufsteg/
Die Idee, Kleid über Hose zu tragen, hat einen ziemlich langen Dornröschenschlaf hinter sich. Doch in Verbindung mit den weiten, fließenden Hosen könnte eine neue Outfitidee wiederkehren, die ganz unterschiedlichen Frauen entgegenkommt. Denn die schlanke, lang gezogene Silhouette ist ein echter Figurschmeichler, der auch ein paar Kilos zu viel mühelos kaschiert. Insofern könnte das Thema durchaus kommerzielle Chancen haben. Gerade im Sommer mit flachen Sandalen oder Sneaker ist das ein lässiger und zugleich angezogener Look.
Mehr als 50 Businessfrauen folgten der ersten Einladung zu einem Networking Lunch des Wäscheanbieters Triumph. Markenbotschafterin Nazan Eckes moderierte die Veranstaltung. Absolutes Highlight war der Vortrag der Extremsportlerin und Abenteurerin Janice Jakait. Sie erzählte von ihrer Atlantiküberquerung im Ruderboot. In drei Monaten schaffte sie es von Portugal nach Barbados. Allein dafür hat sich der Lunch schon gelohnt.
Ein alter Bekannter meldet sich nach langer Abstinenz zurück, so lange, dass man sich fast in Erinnerung rufen muss, ihn einmal gekannt zu haben: Der Rollkragenpullover ist wieder da. Passend zum 70er Jahre-Trend scheint er zu Höherem berufen zu sein, und dank seines vielseitigen Styling-Potenzials hat er auch Umsatz-Potenzial – oh là là!
Derzeit sieht man ihn vor allem als Long-Version bei Vertikalen wie Zara, Cos und Topshop, mehr Kleid als Pullover. Doch im Zusammenhang mit dem Silhouettenwandel könnten ihm gleich mehrere Schlüsselpositionen zuteil werden. Als Klassiker, schmal geschnitten, wird er für die neuen, weiten Hosen und Midi-Röcke zum interessanten Sparringpartner, weil damit neue Proportionen ins Spiel kommen. Volumen im Unterteil braucht oben eine schmale Silhouette, das ist eine einfache Rechenformel.
Und weil vermutlich nicht alle Frauen nächsten Winter ihre Skinny bedingungslos gegen Marlene, Flared oder Culotte umtauschen, sorgt ein lässiger Pullover mit halsfernem Rollkragen obenherum auch schon für einen sanften Neuigkeitswert.
Von den internationalen Designern wird der Rolli jedenfalls als anpassungsfähiger Begleiter in verschiedensten Looks inszeniert. Clean, schlank, oversized, sportiv oder geschmückt – mit Rippenstruktur, Zöpfen oder glatt, halsfern oder körpernah – ist er quasi Allroundtalent, der sich übrigens auch als dankbarer Begleiter für die neuen Mäntel mit tiefem Revers entpuppen könnte.

Die Saison Frühjahr/Sommer 2016 ist gelaufen – zumindest, was die modischen Signale von den internationalen Catwalks angeht. Fazit: Multiple Choice ist weiterhin der Code unser Zeit. Der Eklektizismus der letzten Saisons setzt sich fort. Der Reiz besteht unverändert in dem Miteinander von Kontrasten. Chloé verbindet Sports-Einflüsse mit Romantik, Isabel Marant setzt ihrem Bohemian-Look eine Prise Techno entgegen. Raf Simons bringt in seiner letzten und einer seiner stärksten Kollektionen für Dior weibliche Sinnlichkeit und artisanales Handwerk zusammen. Und Allessandro Michele setzt mit seinem luxuriösen Flohmarkt-Chic nicht nur neue Maßstäbe für Gucci, sondern hinterlässt damit ein wichtiges Signal, das dieses Mal aus Mailand kommt. Seine Herangehensweise, Geschlechter zu negieren und tradierte Rollenmuster in einen neuen Kontext zu schaffen, könnte Spuren hinterlassen. Es gibt jedenfalls viele gute Kollektionen mit starken Botschaften.
Trend “Sports meets Bohemian”. Clare Weight Keller hat sich für Chloé wieder einmal selbst übertroffen. Nachdem sie mit ihrem Bohemian-Chic den 70er Jahre-Trend maßgeblich ausgelöst hat, sendet sie für nächstes Frühjahr ganz neue Signale, indem sie zarte Blusen zu Turnhosen kombiniert, Trainingsjacken zu schwingenden, geblümten Maxi-Röcken, Multicolor-Strick zu bunten Pluderhosen aus leichtem Chiffon. Damit liegt die Britin modisch wieder ganz weit vorne… doch auch Kollektionen wie Paco Rabanne, Louis Vuitton oder Akris bringen das Thema Sport in einen neuen Kontext.
Trend “Romantic Stories”. Frauen haben in der Regel ein Faible für romantische Geschichten. Doch wenn es in der Mode zu viel der Rüsche und Transparenz wird, setzt sich gerne der Pragmatismus der Deutschen durch. Das ist dann doch zu viel der Romantik, die soll sich lieber in Herzblattgeschichten wiederfinden. Diesem Wunsch haben die Kreativen in dieser Saison Rechnung getragen. Wir haben eine Fülle an Transparenz, Chiffon und Spitze für wäschige Kleider, luftige Tops oder Jäckchen, die dank einer schlichten Linienführung doch immer geradlinig bleiben – und damit nicht ins “Verzopfte” abdriften…und wenn Rüschen oder Volants ins Spiel kommen, dann immer bitte wohl dosiert…gerade so, wie es unserer deutschen Vorstellung von Romantik angemessen ist.
Trend “Multikulti”. Aktueller denn je im Hinblick auf die Völkerwanderung in Europa. Leder, Flechtkunstwerke, Makramee, Stickereien, Ethno-Dessins und Batikprints, satte Erdtöne in Kombination mit Weiß. Aufgenähte Perlen und Federn. Das ist Handwerk pur.
Trend ” Zurück in die Zukunft”. Genug an Blick in die Vergangenheit, die Seventies-Welle hat uns Flared, Maxikleider und Mäntel mit breitem Revers zurückgebracht. Jetzt heißt es Blick nach vorne…in die nahe Zukunft mit Future-Anklängen, die sich vor allem in der Wahl der Materialien ausdrücken. Metallics, High Tech-Oberflächen, irisierende Farbeffekte und jede Menge Beschichtungen und Glanz weisen alle Wege Richtung Future.
Trend “Flower meet Stripes”. Auf Boho folgt Blüte. Vor allem abstrahierte Blumendessins konkurrieren mit Streifen aller Arten – und vermischen sich zu einer neuen Verbindung an Musterungen. Das Spektrum reicht von ornamental bis grafisch und wird im Extremfall miteinander zu neuen Konstellationen zusammengefügt. Garantiert mustergültig!
Trend “Flohmarkt-Chic”. Schräge Muster und Farben, transparente, aber hochgeschlossene Blusen, gemusterte Pullover zu bunten Maxiröcken – was auf den ersten Blick aussieht, als ob eine Theologie-Studentin in der Kleiderkiste ihrer Großmutter gestöbert hätte, ist ein bewusstes Spiel mit Unstimmigkeiten und Gegensätzen. Tradiertes wird in einen neuen Kontext gebracht – als Symbol für ein selbstbewusstes Frauenbild.
Talbot Runhof, Hogan, Stone Island bei Lodenfrey – in dieser Woche war Party-Fashion-Hopping in München angesagt. Talbot Runhof feierte mit über 300 Gästen die offizielle Eröffnung des neuen Flagship-Stores in der Theatinerstraße im historischen Preysing-Palais. Hogan lud am Tag darauf in den Store in der Residenzstraße ein, und Lodenfrey feierte mit Stone Island die Lancierung eines exklusiven Stone Island-Lodenfrey-Jackenmodells. Und im Luitpoldblock feierten Aesop, Schwittenberg und Aspesi/Murkudis ihre neuen Locations.
Die Meßlatte war hoch. Mit Gucci weht ein neuer Wind aus Mailand. Fazit: In Paris zeigen viele Häuser sehr starke Kollektionen. Doch die Modesignale sendet nach langer Zeit wieder Milano und nicht die Stadt an der Seine.
Wenn die ganze Fashion-Meute in Paris in Gucci unterwegs ist, ist das ein Indiz. Wer die Fell-Puschen des italienischen Labels nicht wie zahlreiche Moderedakteurinnen in die Redaktion geliefert bekommen hat und damit flanieren konnte, hat keine Chance, an die begehrten Latschen zu kommen. Die Gucci Fell-Puschen sind in allen Pariser Filialen ausverkauft. “Sie können sich gerne auf die Warteliste setzen lassen”, sagt eine Verkäuferin mitfühlend zu einer zierlichen Japanerin, “aber für die Fashion Week wird das nicht mehr klappen.”
Nach dem Hype von Céline zu Dior zu Valentino zu Saint Laurent ist es erstmals nach dieser Fashion Week so, dass man sagen muss: In dieser Saison gibt es keine Aufregung um eine in Paris gezeigte Show. Aber es gibt sehr viele gute Kollektionen und Entwicklungen.
Hedi Slimane zeigt für Saint Laurent das üblich Rockig-Lässige – mit Jeans in allen Variationen, die er zu Gummistiefeln kombiniert. Deutsche Frauen werden sich freuen, immerhin haben sie damit von höchster Stelle die Legitimation, dass der Trend Jeans in die Stiefel tragen doch nicht nur noch in der tiefsten Provinz angesagt ist. Slimane hält an seinen Prinzipien für das Haus Laurent fest – er spielt mit Smokingelementen, langen Abendkleidern, Lederjacken und Glitzerkleider. Das kann er auch, die Umsatzentwicklung der Pariser Traditionsmarke – in drei Jahren hat Saint Laurent den Erlös verdoppelt – macht ihn über jede Kritik erhaben.
Phoebe Philo präsentiert für Céline eine weichere Seite, mit Spitze und Transparenz, schwingenden Rocksäumen, Empire-Taillen, Kelch- oder Puffärmeln und immer wieder mit dem Spiel von Weite – für einen starken und zugleich sinnlichen Look.
Valentino ist eine einzige Reise nach Afrika – und ein Bekenntnis zu den Flüchtlingen, die seit Wochen nach Europa kommen. Was die Designer Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli da zeigen, ist reinste Couture: Lederkleider, in breite Streifen geschlitzt und mit goldenen Nieten bestückt. Opulente Stickereien, Rüschen, Batikprints, aufgenähte Perlen und Federn. Das ist Handwerk pur.
Für Dior will Raf Simons Präzision, Reinheit und Einfachheit finden, die sich in dem Zusammenspiel von Feminität und Fragilität ausdrückt – so umschreibt der Belgier die kurzen A-Linien seiner Kollektion. Am deutlichsten verkörpert wird dies in den mädchenhaften Faltenröcken. Das allerdings sind nie gewöhnliche Faltenröcke, sondern Blazer, die als Kleider getragen werden und die unten in Falten mit runden Säumen enden. Dazu kombiniert er dekonstruierte Norwegerpullover. Blazer sind so lang und oversized, dass sie auch als Kleid fungieren könnten, aber er lässt Shorts unter ihnen hervorblitzen. Das ist vielleicht eine der besten Kollektionen, die Raf Simons für Dior entworfen hat. Mit Sicherheit ist er der richtige Mann am richtigen Ort.
Auch Hermès hat mit Nadège Vanhee-Cybulski eine gute Wahl getroffen. War die Premiere der Französin noch ein Herantasten an die Handschrift von Hermès, hat sie in ihrer zweiten Kollektion ihr Gespür für luxuröse Materialien in Kombination mit entspannten Looks gezeigt. Die Französin wählt Twill, der auch Nappa sein könnte. Leinen-Baumwolle-Gemisch, das wie Rohseide aussieht. Die Hermès typischen Seidencarrées schneidet sie in Streifen und verarbeitet sie zu knielangen Faltenröcken. Sie interpretiert eine Sportlichkeit – mit grafischen Mustern, klaren Farben und trifft damit den unaufgeregten, aber extra-luxuriösen Zeitgeist des Hauses Hermès auf den Punkt.
Den Zeitgeist einer modernen, urbanen Frau trifft Clare Weight Keller für Chloé schon seit einigen Saisons. Mit ihrem Bohemian-Hippie-Look hat sie eine Welle an Nachahmungen ausgelöst. Bei H & M und Zara hängen die Kopien der aktuellen Herbstkollektion 1:1. Dieses Mal geht Keller einen Schritt weiter – inspiriert von den 90er Jahren, kommt zu dem Mädchenhaft-Bohemian eine sportliche Komponente hinzu. Die Unbeschwertheit, Leichtigkeit in der Kollektion bleibt mit geblümten Maxi- und flatternden Spitzenkleidern. Sie wird durch Pullover zu Pluderhosen in Regenbogenfarben, Trainingsjacken zu bodenlangen Röcken oder Spitzentops zu Trainingshosen jedoch weitergedreht in Richtung Sportivität – und dadurch kommt eine neue Spannung ins Spiel, die anderen Marken nicht gelungen ist und mit der Chloé sicher wieder Maßstäbe setzen wird. Insofern war Chloé für mich die beste Kollektion der Paris Fashion Week.
Denn klar: Chanel war eben Chanel. Mit einer gigantischen, beeindruckenden Show im Grand Palais hält Karl Lagerfeld die Begehrlichkeit der Marke hoch – und wenn man sieht, wie sich Frauen in der Chanel-Boutique in der Rue Cambon mit ihrer 4000-Euro-Tasche in die Schlange einreihen wie beim Discounter, macht Chanel alles richtig.
Alles richtig hat auch Talbot Runhof in dieser Saison gemacht. Den Weg, den das Münchner Designduo schon letztes Mal eingeschlagen hat, haben sie weiterverfolgt – und noch konsequenter umgesetzt. Im Zusammenspiel mit neuen Längen und Proportionen zeigen sie, dass sie mehr zu bieten haben als Seidenstretch-Abendkleider, mit denen alles angefangen hat – und es wäre ihnen zu wünschen, dass die Einkäufer diese Entwicklung auch entsprechend honorieren.
Die richtige Entscheidung hat auch die Kering Group für Balenciaga getroffen. Nach drei Jahren gibt Alexander Wang den Kreativposten auf. Sein Vorgänger Nicolas Ghesquière hat es 15 Jahre ausgehalten – und einen deutlich besseren Job gemacht. Wang ist es nie gelungen, das Potenzial der französischen Traditionsmarke zu erfassen. Vielleicht schafft es sein Nachfolger Demna Gvasalia, aus Balenciaga wieder ein “Hot Ticket” zu machen. Die Marke Vêtements, die Gvasalia zusammen mit seinem Bruder seit 2014 steuert, wird in Frankreich als Aufsteigerlabel gehandelt. Dann hätte Paris Mailand nächste Saison wieder etwas entgegenzusetzen.
Alessandro Michele begeistert bei Gucci mit seinem luxuriösen Flohmarkt-Chic. Miuccia Prada beschäftigt sich wie so häufig mit ihrer Lieblingsfrage, was gängige Schönheitsideale sind. Tomas Maier überrascht bei Bottega Veneta mit einem neuen Gesicht. Gemeinsam ist ihnen eines: Sie setzen Tradiertes in einen neuen Kontext – und schaffen damit ein Selbstverständnis von Mode, das neue Maßstäbe vorgeben könnte, frei von den gängigen weiblichen Idealen.
Was Michele vergangene Saison eingeläutet hat, setzt er in seiner zweiten Kollektion für Gucci fort. Mit seiner Ästhetik, ein bunter Seventies-Bazaar-Chic mit Midi-Faltenröcken zu hochgeschlossenen Schluppenblusen, geschnürten Ballerinas mit bunten Fellrändern und XL-Brillengestellen spielt er immer wieder mit Kontrasten und Unstimmigkeiten, egalisiert Geschlechter und protestiert damit gegen Diktate und Konventionen jeglicher Art.
Damit liegt Michele durchaus auf einer Wellenlänge mit Miuccia Prada, die sich jede Saison aufs Neue mit gängigen Schönheitsidealen auf intellektuelle Weise auseinandersetzt. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema Kostüm und Mantel, aber es wäre nicht Miuccia Prada, wenn nicht klassische Elemente mit dem Unerwarteten eine neue Symbiose eingehen würden. In dieser Saison etwa Plastiknetze, die wie zufällig über die Schultern eines Blazers oder Kostüm gelegt sind – oder Schmuckstickereien aus Plastik als Dekoelement zu traditionellen Stoffen wie Glencheck oder Tweed.
Eine große Sehnsucht nach freier Natur, Trekking und Open Air hat offensichtlich auch Tomas Maier zu neuen Höhenflügen angetrieben. Er eröffnet die Show mit Trainingsanzügen in braun gemustertem Camouflage und Leo-Kapuze, mit Zipper-Jacken, Cropped Pants und geschnürten Hot Pants. Dazu tragen die Models flache Slipper, Sandalen und Clogs. Ein für Bottega Veneta unerwartetes jugendliches, vielleicht auf den ersten Blick sogar verstörerisches Bild. Doch auch Maier schafft eine neue Ästhetik, indem er kurze Streifen-Pullover zu gemusterten Midi-Röcken kombiniert oder kleine Leo-Jäckchen zu Cropped Pants in Blau.
So unterschiedlich die drei Kollektionen sind, so klar sind ihre Signale. Mailand präsentiert ein starkes, selbstbewusstes Frauenbild und schlägt damit eine neue Richtung ein – ganz anders als Kollektionen wie Chloé, Céline, Stella McCartney, Valentino oder Saint Laurent, die in Paris eine Leitbildrolle haben. Vor diesem Hintergrund ist es besonders spannend, was in den nächsten Tagen in der Modemetropole an der Seine zu sehen ist.