Paris, was kommt, was bleibt?

Auch die Fashion Week Paris war keine Offenbarung in Sachen Trends. Dass es bunt und dekorativ bleibt – hat mittlerweile sogar der größte Modemuffel verstanden, und das ist vermutlich auch gut so, weil dieser Trend nach dem jahrelangen Einfluss von Céline wichtige neue Impulse für den gesamten Markt sendet, den dieser so dringend braucht angesichts der weltweiten Konjunkturmüdigkeit.

Auch die internationalen Designermarken stehen unter Druck, was bei den einen zu blindem Aktionismus führt und bei den anderen zum Totalstillstand. Nur so lässt es sich erklären, dass Phoebe Philo bei Céline zum zweiten Mal in Folge versucht, ihren minimalistischen Entwürfen mit Raffungen, Drapierungen oder Knoten einen Hauch Dekoration über schnittechnische Details zu verleihen – was ihrer Handschrift leider die selbstverständliche Klarheit raubt, die sie über Jahre hinweg so bravourös entwickelt hat.

Nicht weniger Maßstäbe hat Clare Weight Keller für Chloé in der Vergangenheit gesetzt. Wie kein anderes Label hat die französische Marke den Seventies- und Romantik-Trend ausgelöst – mit ihren schwingenden Flatterkleidern, bestickten Blusen und weiten Hosen. Doch leider hat man in dieser Show einen Déjà-Vu – die Kollektion greift Altbekanntes auf, ohne es weiter zu entwickeln.

Die Herausforderung, seine Handschrift zu wahren und weiterzuentwickeln, ohne sich verlieren, ist ein Spagat, den jede Marke jede Saison aufs Neue hinlegen muss.

Eine Erfahrung, die Anthony Vaccarello bei Saint Laurent auch noch machen muss, denn seine Entwürfe, vorwiegend Jeans und Leder, sind noch weit von der Raffinesse entfernt, die dieses große Traditionshaus birgt.

Nach einer neuen Identität sucht auch Lanvin seit dem Weggang von Alber Elbaz. Das ist Bouchra Jarrar noch nicht ganz gelungen, sie hat der Kollektion etwas mehr Modernität und Leichtigkeit verschafft, dabei aber gleichzeitig an Relevanz genommen. Doch in der Regel dauert es ein paar Saisons, bis der Designer die typische Handschrift einer Marke erfasst und ihr einen persönlichen Stempel verleihen kann.

Herangetastet hat sich auch Maria Grazia Chiuri an Dior, die davor mit Pierpaolo Piccoli die Marke Valentino großartig ins Hier und Jetzt geführt hat. Ihr Debüt bei Dior mit starken Anleihen an Ballett und Fechten war passabel, aber noch ausbaufähig. Ihr Ex-Kollege Piccoli bei Valentino hat indes einen guten Job gemacht und bewiesen, dass er es auch alleine kann.

Nicht anders Nadège Vanhee-Cybulski, die in ihrer vierten Kollektion für Hermès beweist, wie zeitgemäßer Luxus aussehen kann. Ihre Maxi-Lederröcke mit hoher Taille sowie weichfallenden Lederkleider mit schwingendem Saum dürften nicht nur der typischen Hermès-Kundin gefallen – genauso die Hosen und Jacken mit subtilen Smok-Effekten.

Oder man macht es wie der Belgier Dries van Noten. Er schafft seit Jahren den Spagat zwischen maskulinen und dekorativen Elementen. Mal gibt er mehr, mal weniger den Ton an. Genau das macht ihn unverwechselbar. Das muss man allerdings erst mal schaffen.

Fotos: Martin Veit

 

 

 

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