“Die Kunden haben sicher keine Lust, etwas zu kaufen, was anstrengend ist”

Rieke Common von Maison Common wollte gerade zu einem amerikanischen Kunden nach New York fliegen, als ihr Flug wegen Corona gecancelt wurde. Wie sie in der aktuellen Herausforderung eine Kollektion entwirft und warum es in der nächsten Saison noch wichtiger wird, auf den Punkt zu sein.

Aktuell arbeiten Sie wie alle Kreativen an der Frühjahrskollektion 2021. Wie erstellt man eine Kollektion ohne Info-Reisen, Store-Checks, Fittings?

Rieke Common: Man muss sich schöne Gedanken machen! Im Kopf und auf dem Papier steht die Kollektion. Jetzt fehlen nur noch die Rohmaterialien. Wir telefonieren und mailen täglich mit unseren Lieferanten in Frankreich und Italien, die alle zu Hause sind. Ich habe ihre Privatadressen und schicke fleißig Arbeit, die sie dann hoffentlich gleich in Angriff nehmen, wenn sie wieder dürfen! 

Wenn die Kollektion dann wirklich fertig ist, müssen wir sie von oben bis untern fotografieren. Fotos, Videos, etc sind jetzt wichtig. Zur Not zieht die ganze Firma die Teile an! Wir sehen ja alle top aus…

Der Umfang der Kollektion hat sich natürlich auch reduziert. Liegt aber auch schlicht weg daran, dass für mehr gar keine Zeit bleibt. Außerdem  können wir uns vorstellen, dass die Kunden nach so einem Sommer keine große Lust haben, überhaupt etwas zu kaufen, was „anstrengend” ist. Also muss die Kollektion auf den Punkt sein. 

Haben Sie schon darüber nachgedacht, was Sie machen, wenn im Sommer keine Messen stattfinden dürfen?

Es gibt ja FaceTime, Skype und WhatsApp. Da fällt uns schon etwas ein, wie wir unsere Kunden erreichen können. Wir haben das Glück, dass wir eigene Showrooms in München und Düsseldorf haben. Sollte es also Beschränkungen geben, dann können wir wie beim Arzt Termine machen. Masken gibt es gratis dazu.

Sie waren gerade dabei, den amerikanischen Markt auszubauen. Wie geht es für Sie dort jetzt weiter?

Das wird sich zeigen. Im Moment wissen wir auch nicht mehr. Die großen Department Stores sind angeschlagen, das waren sie aber auch schon vor Corona. Ob sie die Krise überleben? Wäre sehr schade wenn nicht, da wir fünf Jahre daran gearbeitet haben, um aufgenommen zu werden. Auf der anderen Seite haben wir bewiesen, dass wir es können. Dann machen wir es eben noch einmal.  

Li Edelkoort ruft das Jahrhundert des Handwerks aus. Könnte davon eine Marke wie Maison Common profitieren?

Wenn Li Edelkoort das sagt, dann glauben wir mal fest daran. Wir würden uns freuen und ja, wir würden davon profitieren. 

Auf der anderen Seite steht zu befürchten, dass die Menschen sich durch die drohende Wirtschaftskrise nicht mehr so viel leisten können. Was bedeutet das für den Luxusmodemarkt und damit auch für Sie?

Ich habe das Gefühl, dass die großen Topmarken es gar nicht so stark spüren werden, weil sie ihre gigantischen Umsätze in China machen. Die Chinesen schütteln sich einmal, und dann geht das da drüben lustig weiter. 

Bei uns und in den USA sieht das schon ganz anders aus. Da werden wir noch besser und einfallsreicher sein müssen, um die Kunden zu locken. bzw  wieder Spaß an der Sache zu vermitteln. Wir müssen ganz eng mit unseren Handelspartnern zusammen arbeiten, weil wir alle im selben Boot sitzen. Und wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere Kunde auch keine Lust mehr auf die großen Marken, die immer wieder die Budget erhöhen oder sie Teile kaufen lassen müssen, die sie eigentlich gar nicht verkaufen können. Vielleicht verschiebt sich da etwas? Und dann kommen wir ins Spiel.

Was stresst Sie zurzeit am meisten?

Die Produktionsstoffe für die Winterkollektion an Land zu ziehen.



Published by spielerweekly

Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.

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