Wir packen unseren Koffer für Berlin und lassen zu Hause…

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Foto: up-stick-sticker

 

1…das schlechte Wetter. Es ist nicht das erste Mal, dass das Wetter dem Modehandel die Umsätze verhagelt hat. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass die weltweite Klimaveränderung auch ihre Spuren in der Modebranche hinterlässt – und Taten folgen lassen. Also noch mehr in Richtung Ganzjahresware denken, und vielleicht sollten Handel und Industrie mal gemeinsam ihre Rythmen überdenken anstatt sich gegenseitig mit Schuldzuweisungen zu überhäufen, wer was falsch gemacht hat. Das Wetter lässt sich davon nicht beeindrucken – und die Kunden auch nicht.

2. …den Blick zurück. Ok, Veloursleder mit Fransen hat die Frauen in diesem Frühjahr genauso wenig vom Hocker gerissen wie die Schlaghose. Aber wollen wir jetzt wirklich jeden Trend im Keim ersticken – und wieder ausschließlich auf die gute alte Skinny setzen? Weite Hosen waren kein Stückzahlenbringer. Trotzdem wäre es fatal, jetzt im Umkehrschluss den Silhouettenwandel für beendet zu erklären. Nein, so ein Wandel braucht Zeit. Die Frauen müssen sich daran gewöhnen. Bei der Skinny erfolgte auch anfangs ein Aufschrei, wer diese Röhre überhaupt tragen kann. Nicht anders war es beim Thema Schuhform von rund auf spitz. Auch die Industrie hat aus den Erfahrungen der letzten Monate gelernt und unter anderem Hosenformen entwickelt, die mit moderatem Bein trotzdem eine neue Optik versprechen. Facebook und Google wären heute nicht da, wo sie sind, wenn sie immer zurück geguckt hätten. Der Erfolg des Blousons in dieser Saison hat gezeigt, dass es neue Themen gibt, wo plötzlich die Post abgeht, wenn man sie modisch dann hat. Nur wer modisch etwas wagt, hat auch die Chance, etwas zu gewinnen!

3…das Gejammer über die fehlende Frequenz.  Damit muss sich der stationäre Handel schon lange herumschlagen. Ist auch ein Problem, zugegeben, das Gejammer hilft bloß keinem weiter. Das schafft allenfalls schlechte Laune. Stattdessen geht es darum zu überlegen, wie man die Kunden in die Läden locken kann, vielleicht mit Lieferanten gemeinsam über Aktionen und Special Events nachzudenken. Neulich meinte eine Einzelhändlerin: “Wenn die Kunden nicht zu mir kommen, gehe ich zu ihnen.” Mit einer befreundeten Hotelbesitzerin plant sie gemeinsame “Pop-up-Shops”. Auch eine Möglichkeit.

Power-Vorträge, Promis und Party

61. Cheftagung der KATAG AG in Bielefeld am 07.06.2015
Volker Greiner / Emirates, Barbara Schöneberger und Angelika Schindler- Obenhaus, Vorstand Katag Produkt 61. Cheftagung der KATAG AG in Bielefeld am 07.06.2015 Foto: BrauerPhotos / G.Nitschke fuer KATAG AG

 

 

Einen kleinen Weltwirtschaftsgipfel veranstalte sein Freund Daniel Terberger mittlerweile jedes Jahr in Bielefeld, sagte Dr. Alfred Oetker, der zu den Rednern der Katag-Cheftagung 2016 zählte, genauso wie FDP-Vorsitzender Christian Lindner, Auma Obama, die Halbschwester von Barack Obama und Vorsitzende der Auma Obama Foundation Sauti Kuu und Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut. Barbara Schöneberger moderierte souverän durch den Tag,  und abends trafen sich Einzelhändler und Lieferanten – insgesamt rund 500 Gäste – zum Feiern im GlückundSeligkeit, einer ehemaligen Kirche in Bielefeld. Da wurde getanzt, gesungen und gegrillt – und der plötzliche Regen einfach weggelacht.

 

Ein bisschen Spaß muss sein

 

Der Sommer hat noch nicht richtig begonnen, vor allem in Süddeutschland, und schon steht der Einkauf für Frühjahr/Sommer 2017 wieder vor der Tür: Die Order läuft an,  Premium-Labels verkaufen seit einigen Wochen ihre Pre-Kollektionen.

Modisch kann man so viel schon sagen: Was letzten Winter begonnen hat, setzt sich fort. Wir gehen auf eine expressive Phase zu. “Ein bisschen Spaß muss sein”, könnte das Motto lauten, wenn schon die Geschäfte draußen keinen machen, soll es wenigstens die Mode tun…

Jede Menge Muster, Farbe und neue Proportionen sollen die Frauen endlich mal wieder verführen.

Dass die Mode nach den vielen Jahren, in denen Brunello Cucinelli und Céline die stilistischen Vorbilder waren, jetzt eine dekorative Ära einläutet, kommt nicht von ungefähr. Es ist eine alte Regel, dass in schwierigen Zeiten die Mode sich immer von ihrer schillernden, bunten Seite zeigt. Wenn man die News der letzten Monate nimmt  – man denke nur an den IS-Terror mit den Anschlägen in Istanbul, Paris und Brüssel, das Flüchtlingsdrama, das Europa in zwei Läger teilt, die Unruhe im Mittleren und Nahen Osten, die Unsicherheit, wie es mit der Türkei politisch weitergeht – wir sitzen auf einem Pulverfass.

Nachvollziehbar, dass da eine Sehnsucht nach Entspannung, Heiterkeit, Ablenkung besteht – und damit geht auch der Spaß in der Mode einher.

Es wird also farbenfroher, reicher, dekorativer – und damit vielseitiger. Es gibt eine wahre Musterexplosion, von grafisch über Streifen bis floral, es gibt neue Farbkombinationen, viele kräftige Farben von hellen Rottönen bis Koralle, Fuchsia, Gelb und Grünabstufungen. Es gibt aufwendige Brokate und Jacquards, neue Formen und Details bei Strick – und es besteht die Möglichkeit, unterschiedliche Modebilder für unterschiedliche Zielgruppen zu schaffen.

 

 

 

Urlaub für die Füße

Sommer, Sonne, Strand – und Espadrilles an den Füßen. Die schönste Jahreszeit kann kommen. Denn dank der Tatsache, dass Espadrilles jetzt stadttauglich sind, kann der Urlaub postwendend einsetzen und startet direkt an den Füßen.

Keine Schuhabteilung oder Vertikaler, die die Sommerlatschen nicht anbieten – das Angebot reicht von den Klassikern in Stoff bis zum Patchworkmodell mit Leder, in Uni oder gestreift, mit floralem oder grafischem Muster – das Angebot ist schier unendlich.

Ursprünglich gab es die Schuhe in Schwarz und Weiß. Der schwarze Espadrilles, ursprünglich aus dem Süden Spaniens, wurde im Alltag getragen, die Weißen waren den Sonntagen vorbehalten. In Spanien heißen die Espadrilles übrigens Alpargatas oder Espardenyes. Ursprünglich wurde für die Herstellung nämlich das Espartogras (hier Steppengras genannt) verwendet.

Zierten die Espadrilles Anfang der 70er Jahre noch prominente Füße von Grace Kelly und Sophia Loren, wurden sie in den 80er Jahren zum Massen-Touristenartikel und großen Megatrend. Anfang der 90er gerieten die klassischen Sommerschuhe in Vergessenheit. Schuld waren die millionenfachen Billigimporte aus Asien.

Das könnte sich jetzt wieder ändern. Espadrilles sind mit aller Kraft zurück!  Neben den Espadrilles wurde übrigens auch die Creme Brulée in Katalonien erfunden. Die Menschen dort wissen eben, was gut ist. (Foto: & Stories)

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Back to Basic

Zara ShirtEs hat lange ein Schattendasein gefristet, war ein unauffälliger, aber zuverlässiger Begleiter für alle, die sich keinen Kopf um ihr Outfit machen wollen, für Studentinnen, die sich morgens im Halbschlaf das nächstbeste Teil überziehen, um pünktlich an der Uni zu erscheinen oder für Mütter, die sich ihre Seidenblusen nicht von ihren spuckenden Babys ruinieren lassen wollen.

Jetzt klettert das Basic-Shirt aus den hinteren Reihen nach vorne – und hat beste Chancen, einen Hauptplatz auf dem modischen Treppchen zu gewinnen. Das simple weiße T-Shirt oder grau meliert macht plötzlich dem Star – der Bluse – Konkurrenz.

Wer sich in diesen Tagen auf den Social Media-Kanälen umschaut, entdeckt auf einmal überall das “olle” Normalo-Shirt. Zur Jeans, zur lässigen weiten Hose oder zum schwingenden Rock. Modezeitschriften wie die ELLE oder Harper’s Bazaar zeigen die Variante weißes Shirt als Unterzieher unterm Slipdress als neuen Trend. In einem der letzten Zara Newsletter propagiert der spanische Filialist den Hosenanzug mit einem weißen Shirt, das ihm die nötige Portion Lässigkeit verleiht.

Damit hat das T-Shirt die besten Chancen, wieder die Rolle zu übernehmen, die ihr von Haus aus gebührt: nämlich vom ursprünglich einfachen Arbeiterunterhemd zum globalen Outfit des 20. bzw. 21. Jahrhunderts aufzusteigen.

 

 

Von wegen kalte Schulter zeigen

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Die Schulter ist das neue Dekolletee. So könnte man den Trend des Sommers beschreiben. Ob bei Zara oder & Stories, Mango oder Cos – die Vertikalen spielen das Thema rauf und runter. Von der schulterfreien Carmenbluse bis zum bauchfreien Top mit Schultereinblick, vom Kleid, das von der Schulter bis zum Ellbogen Einblick gewährt, bis zum kleinen, feinen Schlitz, der nur ein bisschen Haut zeigt – die Bandbreiten sind unendlich.

Dieser Trend war lange nicht mehr da, und er hat einen entscheidenen Vorteil: Er steht fast jeder Frau. Denn je nach Umsetzung kann sie entscheiden, wie viel Einblick sie zulassen möchte. Eine Schulter ist alterslos – im Unterschied zu Hals, Dekolletee und Oberarmen.

Insofern ist diese Modethema sehr viel demokratischer als manch anderes – und hat dadurch gute Chancen, im nächsten Sommer breiter gespielt zu werden.

Fotos: Zara

 

Mit Mode wieder verführen

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Der März ist der dritte Monat in Folge, in dem der deutsche Modehandel Minus schreibt – quer durch alle Preisstufen und Geschäftstypen. Schon ploppen die ersten Newsletter mit Midseason Sale,  Flash Sale oder anderen mehr oder weniger intelligenten Rabattaktionen auf.

“Ist Mode out?” fragt die TW in einem Artikel über das Verbraucherverhalten ihrer jüngsten Ausgabe. Die Konsumstimmung ist so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr, und doch profitiert die Mode am wenigsten davon. Die Prioritäten haben sich verschoben. Hinzu kommt, dass man Mode zu kleinen Preisen bekommt.

„Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Mode in direkter Konkurrenz steht mit Reisen, Wellness, Essen und elektronischen Geräten”, sagt die Einkaufsleiterin eines namhaften Modehauses letzte Woche bei einem gemeinsamen Termin. Dass dem so ist, ist eine Tatsache, der man ins Auge sehen muss. Genauso wie der Tatsache, dass die Warendauerbeschallung auf allen Kanälen dazu führt, dass die Menschen lieber in der Stadt ein Eis essen gehen und warten, bis es demnächst die ersten Sommerkleider reduziert zu kaufen gibt.

Die bösen Kunden? Nein, die sind nur intelligent und haben in den letzten Jahren das System durchschaut, dass die ersten Rabattaktionen dann losgehen, wenn das Frühjahr oder der Winter beginnt. “Ich kaufe mir schon lange nichts mehr regulär. was soll ich mir im November ein Kleid kaufen, das ich erst im Juni anziehen kann”, erzählt mir neulich eine Freundin beim Kaffee.

Dass die Rhythmen nicht mehr stimmen, ist eine Binsenweisheit, die die Branche seit Jahren lamentiert – und trotzdem wagt keiner den ersten Schritt, etwas zu verändern. Vielleicht ist die Ankündigung von Christopher Bailey von Burberry ein erster Versuch, einen Stein ins Rollen zu bringen.

So wie Albert Eickhoffs frühes Saisontiming seinerzeit eine ganze Branche beeinflusst hat. Doch sein “Vermächtnis”, Ware extrem früh zu verkaufen und extrem früh zu reduzieren, hat sich durch die permanente Verfügbarkeit von Mode durch das Internet und die vielen Outlet-Kanäle überholt. TK Maxx hat es damals nicht gegeben, wo die Menschen mit Plastikkörben voll mit Ware von Marni, Michael Kors oder MCM  an der Kasse geduldig Schlange stehen. Genauso wenig wie theoutnet.com und die großen Outlet-Tempel von Prada, Gucci und Co.

Was von dem Prinzip Albert Eickhoff bleibt, ist die unbändige Lust, die Kundin zu hofieren und zu umgarnen. Ihr das Gefühl zu geben, alles für sie zu tun. Heute noch mehr als früher, das ist nicht nur im Einzelhandel so.

Wer das verinnerlicht, macht immer noch gute Geschäfte. Modehaus Sagmeister in Bregenz ist ein Beispiel. Susanne Sagmeister organisiert für ihre Kundinnen  Events mit Dorothee Schumacher und Talbot Runhof, macht einen Pop-up Shop mit Gabriele Frantzen und mit Antonia Zander die Aktion „Personalize your own Cape“.

Um heute die Frauen zu verführen, bedarf es mehr als schöne Ware. Der Händler muss Verkäufer, Entertainer und Animateur sein. Und seine Kunden überraschen. Le Bon Marché in Paris lebt es vor. Das Luxus-Kaufhaus auf der Rive Gauche verkauft zwischen 2000 Euro-Kleidern und 700 Euro-Schuhen individuelle Kosmetik-Produkte für kleines Geld, obwohl das Erdgeschoss voll mit Beauty ist, und nebenbei können sich die Frauen auf dem Designer-Floor auch noch die Nägel machen lassen oder einen Kaffee trinken.

Es geht immer mehr in Richtung Concept Store. Man muss die Menschen anders abholen, neue Reize schaffen. In schwierigen Zeiten am Personal auf der Fläche zu sparen, ist sicher keine Lösung.

 

 

Gib Gas, ich will Spaß…

Die Glamour tut es, die ELLE, die Instyle, die Jolie. Kein Tag vergeht, an dem nicht ein Online-Portal auf seinen Social Media-Kanälen Fotos mit den bunten Patches postet. Mit Krönchen, Lippen, Herzen, Smileys, Ausrufezeichen oder den eigenen Initialen lassen sich derzeit Taschen, Handy-Hüllen, Sneaker, Jeans oder Laptops verzieren – und machen daraus im Handumdrehen ein ganz persönliches Lieblingsstück.

Wurden diese Patch-Aufklebmotive früher zum Flicken von zerrissenen Jeans oder aufgeriebenen Ellbogen-Partien benutzt, geht es heute um: Fun, Fun, Fun. Der Song der Beach Boys drückt aus, was dieser Trend vor allem macht, nämlich großen Spaß. Heute der Smiley auf der Tasche, morgen der Kussmund. Je nach Tageslaune können Accessoires, Schuhe oder Kleidungsstücke eine andere Botschaft liefern.

Alessandro Michele von Gucci ist sicher mitverantwortlich für diesen Trend. Der legendären Gucci-Tasche “Dionysus” hat er durch aufgenähte Pflanzen- und Tiermotive einen neuen Charakter verliehen. Auch Labels wie Isabel Marant oder Phillip Lam haben in ihren aktuellen Sommerkollektionen Patch-Varianten gezeigt.

Top Shop in London hat schon reagiert und für diese “Patches” eine separate Präsentationsfläche geschaffen. Bei Asos kann man sich die Aufnäher im Set für 15 Euro bestellen. Für alle, die modisch noch schnell auf den Zug aufspringen möchten: Bei Anya Hindmarch kann man die Patches ab 40 Euro ordern. Upstickstickers bietet für sofort verschiedene Motive ab fünf Euro.

 

Olàlà Paris, was passiert denn da…

 

Prèt-a-Porter Paris Herbst/Winter 16/17Céline
Prèt-a-Porter Paris Herbst/Winter 16/17 Céline

Bis zu 40 Prozent weniger Touristen seit den Terroranschlägen in Paris, bis zu zweistelligen Umsatzrückgängen bei den Hotels, in der Gastronomie und den großen Department Stores und Luxus Monobrand Shops, weniger asiatische Einkäufer und dann auch noch eine fiese Mischung zwischen Regen und Schnee an der Seine: Paris hatte dieses Mal nicht die besten Rahmenbedingungen.

Dann noch die Diskussionen um den Sinn und Unsinn von Modenschauen, wer Christopher Baileys Beispiel, die Mode direkt nach der Show zu verkaufen, folgen wird. Unstimmigkeiten über Lieferrhythmen, Timing, weniger Kollektionen, nicht mehr so viel Stress für die Designer, ob Hedi Slimane bei Saint Laurent und Phoebe Philo bei Céline das Handtuch werfen, und dann auch kein Markt, der so richtig boomt und andere rezessive auffangen kann.

All diese Unwägbarkeiten und Diskussionspunkte haben zu  einer Verunsicherung beigetragen, die überall in Paris – ob in den Showrooms oder Schauen – zu spüren war.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Mode, von der selbst Leitbildmarken nicht verschont geblieben sind. Clare Weight Keller, die bei Chloé Wegbereiterin für den 70er Jahre-Hype in der Branche war und auch für diesen Sommer eine extrem starke Kollektion mit sportiven und romantischen Elementen präsentierte, hat dieses Mal überraschend auf Nummer Sicher gesetzt. Eine schöne, aber gehabte Kollektion. Jetzt noch einen Poncho über den Laufsteg zu schicken, nachdem er von jedem kommerziellen Anbieter rauf und runter kopiert wurde, zeigt, wie sehr auch im Hause Chloé Verkäuflichkeit im Fokus steht.

Phoebe Philo hat für Céline dieses Mal mit Volumen in allen Varianten gespielt. “Die Welt ist in Bewegung”, erklärt die Designerin backstage, und dieses Gefühl wolle sie durch die Beschaffenheit ihrer Entwürfe transportieren, indem sie mit Bewegungen spielt, das Innenleben nach außen kehrt, einem Oversized-Mantel noch einen großen Schulterwurf überstülpt. So weit, so gut. Und doch wird man irgendwie das Gefühl nicht los, dass die Silhouetten nicht rund sind, nicht miteinander harmonisieren, irgendwie nicht stimmig sind. Anders als in der Vorsaison, in der ihre minimalistischen Entwürfen durch den spielerischen Umgang mit Spitze eine weichere und doch typische Céline-Handschrift transportieren. Allerdings zeigt die Britin mit Mandarine-Lavendelblau und Schwarz eine der besten Farbkombinationen in dieser Saison, deren Kraft erst richtig im Showroom deutlich wird. Wie viele starke Einzelteile übrigens auch.

Nach Hedi Slimanes minikleinen Saint Laurent-Präsentation in Paris – die große Party fand in L.A. statt – mit Haute Couture-Modellen im schrägen Eighties-Look kann man eigentlich nur davon ausgehen, dass es seine letzte für das Traditionshaus war oder er zumindest aber der Stadt an der Seine mit Prêt-à-Porter  den Rücken kehren will.

Von Glück reden kann Lanvin, dass die Nachfolge für Alber Elbaz gefunden ist. Die letzte Kollektion hat gezeigt, dass dringend eine neue Vision für die Marke entwickelt werden muss.

Am Ende des Schauen-Marathons versöhnt dann Nicolas Ghesquière bei Louis Vuitton. Wie er meisterhaft Sportswear-Elemente zu einem luxuriösen, zeitgemäßen Chic zusammenfügt, zeigt wieder einmal sein außerordentliches kreatives Talent. Wie Ghesquière Louis Vuitton jede Saison ein Stückchen mehr und besser in eine neue Ära führt, ist seinem vorherigen Arbeitgeber Balenciaga bis heute nicht gelungen.

Und last but not least Miuccia Prada, die ein starkes Schlusslicht setzt. Die Italienerin interpretiert bei Miu Miu das Thema Denim rauf und runter, ob als klassische Jacke mit Rückenparts aus Samt, Jeanshemden mit zartem Spitzenkragen oder Frack, die durch hochgeschoppte Ärmel und umgeschlagene, mit Knöpfen befestigte Rocklängen eine lässige Attitüde bekommen. Argyle-Muster werden durch die Kombination mit anderen starken Mustern wie Blumenprints gebrochen, wodurch ein eklektischer, wilder Mix entsteht.

Alle Fotos: Studio Martin Veit