Mehr als schöner Schein. spielerweekly berichtet über Mode, Trends, Kreative und Sortimente aus der Sicht all derer, die Mode nicht nur als Entertainment sehen, sondern damit ihr Geld verdienen möchten.
Seit Jahren frage ich mich, warum es so wenig Angebot für modische Schuhe in VK-Preislagen zwischen 150 und 300 Euro gibt. Gerade diese Preislage hat doch sehr viel Potenzial. In München gibt es jetzt dafür eine Adresse – und darüber hinaus noch viel mehr: Konen hat gestern abend seine 900 m² große Accessoires-Welt eröffnet. Schuhe, Taschen, Tücher, Schmuck, Sonnenbrillen, Beauty-Artikel wie Nagellack und Handcreme und andere Geschenkartikel. In dieser Abteilung, die ehemals der Kindermode gewidmet war, bleibt das Erbe in guten Händen. “Wir wollten eine richtige Mädchen-Fläche schaffen”, sagt Gabriele Castegnaro, geschäftsführende Gesellschafterin von Konen.
Das ist dem Modehaus gelungen: Das Angebot bei Schuhen reicht von der modischen Eigenmarke, zum Beispiel ein spitzer Ballerina für 119 Euro VK – bis zu See by Chloé, Hugo, Steffen Schraut, Ted Baker und Kennel und Schmenger. Der Reiz für alle Produktsparten liegt im Mix von bekannten und unbekannten Labels und in der Tatsache, dass es modische Artikel zu bezahlbaren Preisen sind.
Dass Konen es ernst meint, hier wirklich eine Accessoires-Abteilung mit einem hohen Anspruch an Trend aufzuziehen, wird auch beim Ladenbau deutlich. Kupferfarbene Vorhänge statt stereotypen Rückwänden, Tische in Form von Blüten aus gebürstetem Metall, Holzfigurinen als Dekopuppen. Für das Interior ist das Architekturbüro Archibrand verantwortlich, das auch das Münchner Restaurant Koi gestaltet hat.
Nach New York und London ist nun auch Mailand zu Ende gegangen. Doch auch der dritte Schauenplatz bot keine große Überraschung. Viel Dekoration, Jacquards, Materialmix, Farbe, Muster – die “Guccisierung” läuft zur Hochform auf, was abzusehen war und auch als Signal sicher gut für den Markt ist. Gekoppelt mit Layering, neuen Lagen und Proportionen entsteht daraus ein Look, der für Frühjahr/Sommer 2016 bereits eingeläutet wurde und jetzt in verfeinerten Abstufungen und satteren Farbtönen weiterentwickelt werden kann.
Eine Weiterentwicklung hat auch Alessandro Michele für Gucci präsentiert und damit alle Skeptiker eines Besseren belehrt, die immer an seinem kreativen Potenzial herumgemeckert haben.Seine Kollektion mit dem Titel “Rhizomatic Scores” thematisiert die Komplexität, sich in der heutigen Welt zurechtzufinden und die Gefahr, sich darin zu verlieren. Seine Handschrift wie gewohnt: exzentrisch, bunt, schräg. Und doch zeigt er neben opulent gerüschten Blusen, schräg gemusterten Minikleidern und poppigen Pullovern zu Maxiröcken eine neue Facette. Auf einmal poppen da akzentuierte Blazer, taillierte Mäntel und konfektionierte Kleider auf, die eine ganz klare Sprache sprechen, wenn man sich die überdimensionierten Nerd-Brillen und die strähnigen Haare mal wegdenkt.
Milano Collezioni Herbst/Winter 16/17 Gucci by Alessandro Michele
Miuccia Prada setzt ebenfalls auf ein vielschichtiges Frauenbild. Auch wenn man es von der Italienerin nicht anders gewohnt ist – ihre Geschichte ist die Geschichte der Frauen, immer wieder zerstört sie Ästhetik, um sie neu und überraschend zusammenzusetzen, ist es ihr dieses Mal besonders gut gelungen. Thema ihrer Herbstkollektion: “Eine Collage der Frau”, die all die Gesichter, Facetten und Lebensphasen darstellen soll. So kombiniert sie Jacquardkleider mit Rautenstrumpfhosen, über Military-Mäntel schnürt sie Corsagen, Glencheck steht Spitze gegenüber, Stepp gegenüber Seide, Pelz gegenüber Flanell und Satin. Das Korsett wird für Miuccia Prada zum “Symbol der Feminität, von sexy bis Porno, aber aus freien Stücken entschieden”.
Auch Marni überzeugt mit einer weicheren, weniger von der Architektur inspirierten Handschrift. In dieser Saison geht es Consuelo Castiglioni um runde Proportionen für eine neue Form von moderner Romantik. Diese koppelt sie mit sportiven Elementen, etwa indem sie zu kurzen Capes und Pullovern mit runden Kanten und runden Ärmeln schmale Steghosen mit betonter Taille kombiniert. Es muss ja nicht gleich die Steghose sein, aber das ist eine moderne Hose und eine neue Optik, die möglicherweise eine Alternative zu den vielen weiten Hosen sein könnte.
London Fashion Week Herbst/Winter 2016/2017 Burberry Prorsum by Christopher BaileyLondon Fashion Week Herbst/Winter 2016/2017 Burberry Prorsum by Christopher Bailey
Eigentlich wollte ich mich zu der Diskussion um den veränderten Schauenzyklus von Burberry nicht äußern, da es nichts gibt, was in der Presse nicht schon kommentiert, analysiert oder bewertet wurde. Aber nachdem in London weder die Entscheidung von Sarah Burton, nach 15 Jahren Paris die Alexander McQueen-Show wieder in London zu zeigen noch der von den Briten heiß diskutierte “Brexit”, der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, die Diskussion um “See now, buy now-Kollektionen” toppen konnte, zeigt es doch, wie sehr die Entscheidung Christopher Baileys die Branche bewegt: Der Burberry-Chef kündigte vor einigen Tagen an, dass ab kommenden Herbst die Kollektionsteile direkt nach der Show in den Verkauf gehen.
Doch die meisten Menschen tun sich mit Veränderungen schwer, und so auch leider unsere Branche. Ausgerechnet Francois-Henri Pinault, als Kering-Chef u.a. verantwortlich für Gucci, Bottega Veneta und Saint Laurent, warf Bailey vor wenigen Tagen vor, er entmystifiziere mit seiner neuen Strategie die Welt der Designerprodukte. Nur wer lange warten müsse, verspüre ein großes Verlangen auf die Produkte.
Das mag vom Grundtenor richtig sein.Doch Hand aufs Herz: Wie viele Must-have-Produkte gibt es heute tatsächlich noch, die sechs Monate Begehrlichkeit überstehen, wenn man mal von den Taschen von Chanel, Hermès, Chloé und jetzt auch wieder Gucci absieht? Durch die Welt von Instagram, Twitter und Facebook gieren die Verbraucher nach der sofortigen Befriedigung ihrer Wünsche, und wenn sie sie sich nicht schnell erfüllen können, ändert sich das Objekt der Begierde im Zweifel in einem halben Jahr noch viele Male.
Nicht nur Burberry, auch Moschino und Loewe haben schon vor einigen Saisons auf die veränderten Kaufgewohnheiten reagiert und einige exklusive Teile von der Show direkt im Anschluss bei Stylebop bzw. Netaporter verkauft. Die Internet-Plattform Moda Operandi hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt und bietet seit 2010 Entwürfe u.a. von Marc Jacobs und Dolce & Gabbana eine Woche nach der Show online zur Vorbestellung an.
Insofern ist die Entscheidung von Bailey, die komplette Burberry-Kollektion direkt nach der Show in den Verkauf zu geben, nur ein konsequenter Schritt, auf einen gravierenden Strukturwandel, in dem sich die Modebranche befindet, zu reagieren.
Auch die Sorge, dass mit dem Blick auf den Konsumenten die Kollektionen Gefahr laufen, nur noch das zu zeigen, was sich gut verkauft, ist unbegründet. Christopher Bailey und auch Tom Ford, Tommy Hilfiger oder Proenza Schouler, die bereits angekündigt haben, dem Beispiel Burberry zu folgen, wissen durchaus, dass Modenschauen als Marketingtool unverzichtbar sind – und werden sicher nicht nur den Standard-Trenchcoat über den Laufsteg schicken. Den lassen sie ohnehin seit Jahren in den Pre-Kollektionen produzieren und verdienen damit ein Großteil ihres Geldes. Daran wird sich auch weiter nichts ändern.
Am interessantesten ist der Aspekt des Saisontimings, das damit eine Wende nehmen könnte. Seit Jahren stimmen die Rhythmen nicht mehr. In Zeiten der weltweiten Klimaveränderung und der Tatsache, dass immer weniger Länder noch einen richtigen Winter bzw. Sommer haben, macht die Einteilung in Saisons nach Jahreszeiten nur noch wenig Sinn. Der “Ready-to-wear-Gedanke” wird nicht erst seit gestern regelmäßig diskutiert, wenn es um die Themen Kollektionsaufbau und Lieferrhythmen geht.
Ehrlich gesagt braucht kein Mensch im Juni eine neue Daunenjacke und im November das hochsommerliche Seidenkleid mit offenen Sandalen. Eine Tatsache, die die Branche seit Jahren moniert. Doch keiner traut sich den ersten Schritt zu machen. Insofern ist es möglicherweise ein Segen, dass Christopher Bailey in seiner Position als Kreativ-Chef und Geschäftsführer die Macht und die Weitsicht hat, das tradierte System in Frage zu stellen und zu verändern.
Ob es funktioniert, werden wir sehen. Vielleicht dreht er das Rad in einem Jahr auch wieder zurück. Vielleicht werden seinem Beispiel weitere folgen. Für seinen Mut verdient er jetzt schon meinen Respekt.
New York Fashion Week Herbst/Winter 2016/2017 Derek Lam
New York Fashion Week Herbst/Winter 2016/2017 The Row by Ahsley & Mary-Kate Olsen
Die New York Fashion Week hat meine Meinung wieder einmal bestätigt, dass aus Manhattan meist nur abgekupferte Trends aus Europa kommen. Was in den letzten Tagen in der US-Metropole zu sehen war, erinnert an einen lauwarmen Aufguss der letzten Schauen in Mailand, London und Paris.
Neue Proportionen und Längenspiele, Layering, fließende Hosen, Taillenbetonung, mehr Farbe und Dekoration – das sind Key Items aus New York – und Themen, die sogar bei kommerziellen Kollektionen schon für Herbst/Winter 2016 zu sehen oder geordert sind.
New York ist allenfalls eine Bestätigung, dass eine neue Weichheit und Auflockerung in die Mode kommt. Selbst Jason Wu verleiht der von Sachlichkeit geprägten Boss-Handschrift mehr Weiblichkeit und Fragilität, indem er Schößchen, Chiffon und Blüten-Applikationen dezent interpretiert. Michael Kors spielt den Preppy Look mit Schluppenblusen-Kombinationen. Calvin Klein Collection bricht die minimalistische Handschrift auf, indem Kreativchef Francisco Costa mit Bändern, Kontrastnähten, Schmucksteinen aus seiner brasilianischen Heimat sowie mit Luchs- und Stacheltier-Mustern mit architektonischen Formen zusammenbringt. Tory Burch zeigt eine verspielte, mädchenhafte Seite mit Anklängen aus dem Reitsport.
Bleibt abzuwarten, was London zu bieten hat. Dort gehen heute die Modenschauen an den Start.
Endlich mal eine Fernsehdokumentation aus Deutschland, die glaubwürdig über Mode berichtet. Wozu brauchen wir sie? Was sagt sie über die gesellschaftlichen Verhältnisse aus? Wie viel Wirtschaftskraft steckt dahinter? Eine sechsteilige Reihe auf ARD-alpha beschäftigt sich ab dem 13. Februar (ARD alpha 22 Uhr) mit Stilfragen, Kleiderregeln, Geschlechterrollen sowie Modelabels und Modemärkten. Mit dabei: Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, Adrian Runhof und Johnny Talbot von Talbot Runhof, Dorothee Schumacher, Chanel-Modedirektor Bruno Pavlovsky, der Wiener Kulturforscher Bernhard Hainzelmeier, Anna dello Russo – und ich hatte auch die Gelegenheit, etwas dazu zu sagen.
Weitere Infos gibt’s hier.
“In den letzten Jahren hatten wir eine starke Cucinellisierung in der Mode, jetzt kommt eine Guccisierung auf uns zu” – mit diesem Satz hat TW-Chefredakteur Michael Werner die Orderinfo in Düsseldorf eröffnet – und besser kann man die modische Situation nicht auf den Punkt bringen.
Es wird farbenfroher, reicher, dekorativer und damit vielseitiger. Der Spaß kommt in die Mode und wird sich zum Sommer 2017 sicher noch stärker aufbauen. Die Tendenz war schon in Berlin zu erkennen und hat sich in Düsseldorf manifestiert.
Es gibt wunderbare satte, neue Farbkombinationen, denen man auch eine Chance geben sollte – etwa Nougat, Schoko und Caramel mit Lila oder Bordeaux, aber auch die Safran- und Currytöne sollte man nicht gleich verteufeln. Wie meinte TW-Ressortleiterin Gudrun Allstädt auf der Orderinfo: “Vielen Modethemen, die früher nicht funktioniert haben, muss man heute eine Chance geben. Diese alten Muster greifen nicht mehr.”
Es gibt viele Musterkombinationen – von floral bis grafisch – auch hier kann man neue Bilder schaffen. Gerade in Verbindung mit den neuen Längen und Proportionen besteht die Möglichkeit, für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Modebilder zu schaffen und damit endlich mal auf dem modischen Einheitsbrei quer durch alle Genrestufen auszubrechen.
“Wir müssen uns alle mehr anstrengen”, so der allgemeine Tenor. Und das haben sich auch die Hersteller zu Herzen genommen. Riani etwa hat sich für mehr Frequenz am POS die Aktion “You are unique” für seine Kunden einfallen lassen. Dafür wurde exklusiv eine Strickjacke entworfen, die von der Verbraucherin individuell mit ihren Initialen oder einem Motto bestickt werden lassen kann. In den Geschäften kann sie Farben und Motive aussuchen, zwei Wochen später ihre “persönliche” Jacke dort abholen. “Unser Ziel ist es, damit Frequenz in die Geschäfte zu bringen”, erklärt Geschäftsführerin Martina Cruse das Modell. Für sofort hat Riani nochmal eine Culotte aufgelegt, die es in zwei verschiedenen Farben und Qualitäten (Baumwolle oder Leinen) für die aktuelle Saison ab Lager gibt. EK-Preis: 58 bzw. 66 Euro.
81 hours hat ein Shopmodul, eine Art Schrankwand, entwickelt. Mit der Herbst/Wintersaison können drei Basic-Strickformen in sieben Farben und verschiedene T-Shirts als Never-Out-of-Stock-System geordert werden. Dazu werden pro Saison drei Imagefilme geliefert, die auf einem Monitor abgespielt werden können. Die Nachbestellungen werden wöchentlich fakturiert.
Es bewegt sich nicht nur modisch was. Die Vielfalt ist so groß, dass es wirklich Spaß macht. Hier nochmal einige Bilder aus Düsseldorf.
…wenn Väter in der Biker-Jacke in ihre Familienkutsche steigen, unter den lässigen Beanies Geheimratsecken stecken, Saint Laurent mit seinem minderjährigen Rockstar-Chic eine ganze Branche inspiriert – dann stellt sich nicht nur Carl Tillessen beim Fashion.Day Spring/Summer 2017 des DMI die Frage, wie es modisch weitergeht.
“Die ganze falsche Jugendlichkeit fliegt uns jetzt um die Ohren”, lautet sein Appell. “Sex sells funktioniert nicht mehr.” Dr. Ulla Ertelt untermauert diese These mit Marktdaten, die besagen, dass die 20-39 Jährigen sich bevorzugt wieder angezogen kleiden. So sind in dieser Altersgruppe Mäntel und Kleider auf dem Vormarsch, während die 40-59 Jährigen weiterhin auf dem Casual-Trip sind und die Produkte Jeans, Strick und Shirt in fünf Jahren nochmals um vier Prozent gewachsen sind.
Die jungen Frauen tragen hochgeschlossene Blusen mit Perlenkette. Oder adrette Hemdblusenkleider. Spießigkeit ist laut Tillessen die Antwort, wenn man mit nichts mehr provozieren kann.
Was heißt das für die Mode? Es ist ja nicht so, dass nicht auch bei den über 39-Jährigen ein neuer Wunsch nach mehr Chic, mehr Klasse, mehr Angezogenheit besteht. Zumindest bei denen, die modisch interessiert sind, stehen Wollmäntel, Hosen, Röcke und Kleider hoch im Kurs. Das ist in erster Linie eine große Veränderung, die viele Chancen birgt. An der Spitze des Marktes steht derzeit ein Paradigmenwechsel ins Haus. Wie sagte Gerd Müller-Thomkins so schön: “Auf die Emanzipation der Verbraucher folgt jetzt die Emanzipation des Designs.” Will heißen: die Eigenständigkeit der Kollektionen. Mehr Profil. Mehr Besonderheit. Das gilt in gleichem Maße übrigens auch für die Sortimente.
“Sei anders, aber bleib authentisch” – mit diesem Satz eröffnet das DMI die neue Saison Frühjahr/Sommer 2017, die für die Kreativen schon wieder losgeht. Schön gesagt. Nicht nur für die Designer. Wir müssen alle neue Rollen finden.
Nach fünf Tagen Messen, Modenschauen und diversen Veranstaltungen an der Spree hat sich meine Meinung bestätigt: Berlin ist eine Reise wert und hat es nicht verdient, länger Schelte zu bekommen. Beide große Messen, die Panorama und die Premium, waren an allen drei Tagen gut besucht. Der Berliner Salon hat am Mittwoch in vier Stunden 1000 Besucher angezogen. Die Seek wurde gut besprochen. Und auch bei den Schauen gab es überzeugende Präsentationen. Marc Cain überraschte mit ungewöhnlichen Farb- und Druckkombinationen für eine insgesamt jüngere Handschrift, ohne die Zielgruppe aus den Augen zu verlieren. Bedruckte Hosen, Blusen und Pullover kombiniert Chefdesignerin Karin Veit mit Funny Fur-Mänteln und Wollcoats in warmen Neutrals.
Nicht nur auf dem Laufsteg, auch auf der Panorama wartet Marc Cain mit einer Neuheit auf: Erstmals präsentiert das Label aus Bodelshausen eine Taschen- und Schuhkollektion, die gute Chancen hat, sich auf dem Markt zu etablieren. Speziell bei den Schuhen sind alle modisch relevanten Themen abgedeckt, die zur Zeit angesagt sind. Gut gemacht, ein moderner Look, moderate Preise, wenn jetzt noch der Leisten passt, wird das gut funktionieren. Und auch die Taschen dürften mit Preislagen zwischen 179 und 379 Euro im VK ihre Fangemeinde finden.
Leicht und spielerisch geht auch Dorothee Schumacher mit Farben und den für sie immer wichtigem Thema Muster um. Die Überraschung der Woche war William Fan mit seiner Kollektion, die man kurz unter opulentem Minimalismus zusammenfassen kann. Aufsteiger der Saison dürfte Nobi Talai sein, die mit ihrer vom Nomadentum inspirierten Linie eine neue Generation von Folklore zeigt, für einen Look, sophisticated und modern, der Stylebop-Inhaber Mario Eimuth schon letzte Saison direkt überzeugt hat, so dass er die junge Designerin mit persischen Wurzeln ab sofort in seinem Online-Portal verkauft.
Sich neu definiert hat auch das Cashmere-Label Antonia Zander. Zum zweiten Mal zeigt die Münchner Designerin eine Hinwendung zu einem eklektischen Mix von starken Farben und Mustern, der durchaus einen folkloristischen Ansatz erkennen lässt. Ein Schritt, der sich in jedem Fall gelohnt hat und der Stricklinie mehr Eigenständigkeit und Profil verleiht.
Überhaupt ist die neue Saison geprägt von neuen Farb- und Musterkombinationen. Nicht einfach, aber neu und sehr modern, wenn es richtig eingekauft und kombiniert wird. Und auch die neuen Längen und das Spiel mit Proportionen bietet großes Potenzial.
Auf der Premium fallen die mustergültigen Präsentationen von L’Essentiel Antwerp und Day Birger et Mikkelsen ins Auge. Schöne Farb- und Musterkombinationen zeigen auch die Kollektionen von Herzensangelegenheit und 0039 Italy – und das zu kommerziell interessanten Preisen. Einen coolen, reduzierten Look aus nachhaltigen Materialien und das zu einem wirklich guten Preis-Leistungsverhältnis präsentiert das dänische Label Fonnesbech, das jetzt auf dem deutschen Markt durchstarten will (über Best of 19). Besonders überzeugend sind die Wollmäntel, die im EK zirka 250 Euro kosten.
Cashmere zu guten Preisen (zwischen 120 und 199 Euro im EK) bietet Sarazul (über Gabrielli Fashion Consulting). Die Blusenlinie 7 Chic Avenue (über Mimi the Agency) hat ihr Spektrum um einige Qualitäten erweitert und bietet ausgesuchte Modelle für sofort in verschiedenen Farben an. Interessant sind auch die Mäntel von 22 Fashion – vier verschiedene Mantelformen aus Doubleface in vier verschiedenen Farben, die im EK zwischen 169 und 189 Euro kosten.
Noch mehr über Labels und interessante Kollektionen gibt es dann nach Düsseldorf und München.
Berlin steht wieder vor der Tür, und ich mag das Gejammer gar nicht mehr hören, ob es sich überhaupt noch lohnt, in die Stadt an der Spree zu fahren. Das steht für mich außer Frage. Gerade in schwierigen Zeiten sollte man jede Möglichkeit nutzen, noch mehr als bisher über seinen Tellerrand hinauszuschauen, sich neuen Kollektionen und Modethemen zu öffnen und möglichst viel Input zu bekommen.
Allein auf der Premium warten 1000 Marken mit 1800 Kollektionen auf 33000m² entdeckt zu werden. Insgesamt zeigen in Berlin 2800 Labels ihre neuen Herbst-/Winterkollektionen. Der Berliner Salon im Kronprinzenpalais ist mit 40 Ausstellern eine exquisite Plattform für anspruchsvolle Mode und der Beweis, wie viel kreative Kraft aus Deutschland kommt. Und ist allein in Sachen Präsentation und Merchandising einen Besuch wert. Auf der Konferenz Mode & Stil des Zeitmagazins sind unter anderem Justin O’Shea von mytheresa und Dorothee Schumacher Gesprächspartner.
Hess Natur organisiert mit Alfons Kaiser von der FAZ und Eike Wenzel vom Institut für Trend- und Zukunftsforschung eine Diskussion über Slow Fashion – Zukunft oder Utopie? Frauke Gembalies, früher Designerin bei Akris, Lanvin und Rena Lange, präsentiert ihr Label in ihrem “Salon Privé”. Ebenso The Mercer N.Y., die hochwertige Marke der Katag, die es nur exklusiv in Berlin in einem Penthouse nahe des Quartier 206 zu sehen gibt. Nicht zu vergessen die großen Modenschauen von Dorothee Schumacher, Marc Cain, Riani und Laurèl. Nicht zu vergessen die unzähligen kleinen…und natürlich die neue Mode mit ihren vielseitigen Silhouetten, neuen Längen und Proportionen.
Jeder sollte das Angebot für sich nutzen. Die neue Einkaufsrunde wird alles andere als einfach, darüber muss man erst gar nicht anfangen zu lamentieren. Pure Zeitverschwendung! Besser der neuen Saison eine Chance geben. In den neuen Modethemen steckt definitiv Potenzial. Das muss man aber auch nutzen – und nicht wieder mit Blick auf die Abverkaufslisten das “Neue” den Vertikalen überlassen.
Weite Hosen, schmale Oberteile, Spiel mit Längen und Proportionen: 2016 wird das Jahr der neuen Silhouetten (siehe letzte Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung). Und das ist großartig, möchte man allen Einzelhändlern und Herstellern zurufen. Denn darin steckt eine Riesenchance, dass Mode bei den Verbraucherinnen endlich mal wieder an Attraktivität gewinnt – und dadurch die Umsätze nach langer Durststrecke in die Höhe gehen könnten.
Der Modehandel könnte es gut gebrauchen. Wenn man bedenkt, dass 2015 laut Statistischem Bundesamt das stärkste Geschäftsjahr im deutschen Einzelhandel war, fragt man sich, weshalb der Modehandel davon nicht profitiert hat. Laut TW-Testclub hat die Branche das Jahr 2015 mit einem Pari abgeschlossen, und es gibt sicherlich mehr als genug, die im Minus gelandet sind.
Klar, wir wissen alle, dass Mode nicht mehr den Stellenwert hat wie früher – die Bundesbürger geben im Schnitt nur noch 1,6 Prozent ihres Nettoeinkommens für Bekleidung aus, so die GFK. Stattdessen boomen Reisen, Wellness-Trips, elektronische Geräte, Essen/Gastronomie, Kosmetik, etc.
Umso wichtiger ist es jetzt, die Botschaft zu transportieren, dass in der Mode etwas passiert. Den Frauen klar zu machen, dass sie in diesem Jahr eine weitere Hose brauchen – und damit auch ein schmales Oberteil, einen anderen Schuh und eine andere Jacke.
Mit den veränderten Silhouetten ist es mit einem neuen Teil nicht mehr getan. Der ganze Look wird neu zusammengestellt. Wir haben die X-Silhouette mit einem Comeback der Taille. Wir haben die H-Silhouette mit einer schmeichelnden, lässig gerade geschnittenen Linie. Wir haben die O-Sihouette mit Eggshape und Hüllen. Wir haben die moderate A-Silhouette, und die Y-Silhouette mit langen Oberteilen zu schmalen Hosen läuft weiter.
Insofern stehen alle Zeichen auf rosarot. Es gibt wirklich so viele Möglichkeiten, Proportionen neu zu interpretieren. Vorausgesetzt, dass die neuen Themen auch in den Geschäften zu sehen sind. Dass sie entsprechend gemerchandist werden, auf den Flächen dekoriert, von Verkaufspersonal selbst getragen und erklärt werden.
Auf weniger Umsatz mit weniger Personal zu reagieren, ist der denkbar schlechteste Weg. Gerade jetzt hat der stationäre Handel die einmalige Chance, mit gut geschultem Personal und einem modischen Gespür die Kunden abzuholen, zu erreichen, zu motivieren. Denn die vielen Silhouetten sind beratungsintensiv.
Wann immer modisch etwas Neues beginnt, braucht es Zeit, die Mainstream-Kundin zu erreichen. Doch weiterhin ausschließlich an Vertrautem festzuhalten, ist sicher der falsche Weg. Insofern wünsche ich allen ein glückliches modisches Händchen und auch sonst alles Gute für 2016.