Die Modethemen aus Düsseldorf

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Nach Berlin und jetzt Düsseldorf ist klar, wo die Reise modisch hingeht bzw. welchen Themen die Einkäufer am meisten Beachtung schenken. In Sachen Mode gibt es nichts zu meckern. Es gibt so viele Themen, die je nach Zielgruppe unterschiedlich zusammengestellt und gespielt werden können. Die Bandbreite reicht von feminin bis sportiv, von dekorativ bis maskulin, von casual bis klassisch. Muster treffen Muster, Animal treffen Blumen, Karos treffen Sternchen, Graphics treffen Multicolor-Streifen. Man muss durchaus sortieren, denn sonst kann es schnell ein bisschen zu viel werden. Aber der Spannungsbogen war selten so groß. Ihre modische Strahlkraft haben Dorothee Schumacher und Odeeh wieder einmal bewiesen, jede Kollektion auf die ihre ganz unverwechselbare Weise.

Hier die wichtigsten Themen im Überblick:

  1. Farbe und Drucke sind der Motor der Saison und werden in unterschiedlichster Ausprägung geordert. Von Rot bis Orange, von Gelb bis Grün, von Petrol bis Türkis – es gibt nichts, was es nicht gibt. Selbst Flieder und Lila bekommen eine Chance, wenngleich die Meinungen hier auseinander gehen. Interessant: Vor allem jüngere Einkäufer begrüßen diese neue Farbrichtung, während ältere mit ihrem “Erfahrungsgefängnis” zu kämpfen haben. Gut also, wenn im Team unterschiedliche Generationen sind!
  2. Die Pole bewegen sich zwischen Sport und Dekoration, zwischen Tailoring und Activewear – nur nichts in Reinkultur ist die Devise. Die Bluse zur Joggingpant, das Sweat zum Midi-Rock, der Blazer überm Midikleid für die modische Spitze, das ist das neue Mix & Match-Prinzip mit sehr viel Streetwear-Attitüde.
  3. Apropos Blazer… Er ist unbestritten das modische Key-Piece und der absolute Aufsteiger. Für progressive und modische Sortimente ein Muss, im breiten Markt noch umstritten. Schließlich haben es sich die meisten Frauen gerade mit lässigen Outfits kuschelig gemacht. Gut besprochen werden längere Modelle mit Schulterbetonung, die aber nicht zu boyfriend-like geschnitten sind. Von Uni bis gemustert, vorrangig in Karo, Hahnentritt und Pepita.
  4. Check mal die Lage… Karos spielen neben floralen Mustern die Hauptrolle in diesem Winter. Für Blazer, Sakkos, Hosen und Mäntel. Einig sind sich jedoch alle: Es darf nicht zu maskulin und auch nicht zu Retro aussehen, damit wird die Zielgruppe zu sehr eingeschränkt.
  5. Outdoor und Mäntel…Daune oder Wolle? Das ist nicht länger die Frage. Denn es ist völlig klar, dass beides sein muss. Wollmäntel bekommen über Farbe, langhaarige Flausche und Plüsch neuen Input, nicht zu vergessen über Lammfell und Lammfellimitat, die Luxus lässig interpretieren. Daune läuft zu neuer Größe auf – mit Oversized-Formen und neuen Farben. Für weite, übergroße Jacken bis zum Daunenmantel!
  6. Oh, endlich Oversized...immer wieder war es nur ein Thema für modisch Informierte, und siehe da, auf einmal macht es klick und Oversized wird groß. Vor allem für Strick, Jacken und Mäntel wird mit neuem Volumen gespielt. Gut so, denn das bringt ganz viel Modernität in die Looks.
  7. Kleider laufen heiter weiter…und es kommt femininer denn je daher. In fließenden Qualitäten, mit Rüschen, Volants, Bänder oder Schleifen. Modisch geht kein Weg an der neuen Midi-Länge vorbei. Zusammen mit Booties oder Stiefeln ist das definitiv ein neuer, supermoderner Look, der mit lässiger Strickjacke genauso funktioniert wie mit dem Blazer.
  8. Neue Masche…Strick erlebt einen neuen Höhenflug. Durch die neuen Farben und Oversized-Formen und Strukturen wie Rauten und Strick. Aber auch Dekoration setzt Akzente. Multicolour-Streifen, Jacquards und Intarsien machen ihn definitiv zum Statement-Pullover.

Bags to watch: Zoé Lu

Wer kennt das nicht? Ausgerechnet die Visitenkarten hat man beim Umpacken der Tasche in der anderen vergessen…Den “Nie-wieder-umpacken-nie-wieder-morgens-was-Wichtiges-vergessen-“Wunsch wollten sich die drei Münchner Taschendesignerinnen Ulrike Heintz, Larissa Walter und Jennifer Rüggeberg erfüllen, alle drei keine Unbekannten im Taschenmarkt. “Wir wollten Spaß an den Taschen haben und haben mit unseren gemeinsamen Erfahrungen darüber nachgedacht, wie ein spielerisches, nachhaltiges Produkt aussehen könnte, das sich in unsere vielseitigen Alltagssituationen anpasst und nicht gleich ein Vermögen kostet.” Rüggeberg hat unter anderem bei Marc O’Polo, Bree, Joop! und Closed als Taschendesignerin gearbeitet, Walter war bei Görtz und Heintz bei einer Werbeagentur.

Das Ergebnis: “Style your bag”. Es gibt einen Saddlebag-Korpus, der mittels einem Zip mit unterschiedlichen Wechselklappen bestückt werden kann. Eine Tasche mit vielen Gesichtern sozusagen. Die Flaps gibt es in Uni, mit Lederpatch-Varianten, gemustert oder mit Fun-Motiven. Den Taschenkörper gibt es aktuell in Schwarz und ab Ende Februar in Taupe. So kann man morgens entscheiden, wonach einem ist…nach bunt oder Schwarz, nach Uni oder gemustert. Ganz nach Tagesform sozusagen – und das mit nur einmal Reißverschluss zippen.

Der Taschenkörper kostet im VK 149,95 Euro, die Flaps liegen zwischen 89 und 129,95 Euro und sind über den Online-Shop zu kaufen. Auch Schulterriemen sind variabel, von Kettengliedern aus Metall bis Lederriemen. Für die Klappen-Module gibt es einen Klappenaufhänger.

Für das Münchner Luxuslabel Maison Common hat Zoé Lu zum zweiten Mal eine Limited Edition entworfen, die auf die Mode mit Leo-Prints, starken Farben, Blüten und Paradiesvögeln abgestimmt ist. Da diese besonders aufwändig sind, kosten die Wechselklappen bei der Limited Edition zwischen 320 und 390 Euro im VK.

Berlin in Bildern

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Berlin in Bildern…die absoluten Highlights, die schönsten Inszenierungen, die besten Bilder, die neuesten Modethemen.

Mehr Modemut tut gut

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Riani

Berlin steht vor der Tür, und in wenigen Fragen werden sich Einkäufer und Verkauf die Fragen stellen, wie viel Mode sie für Herbst/Winter 2018/19 einkaufen werden, wie die Gewichtung von Mode und Basics sein wird, wie viel Farbe, Muster und Dekoration verkäuflich ist – und was das jetzt mit dem Blazer wieder auf sich hat. Hat der unter kommerziellen Aspekten doch gerade auf breiter Linie versagt, und jetzt soll er wieder kommen?

Traut Euch, mehr Mode zu kaufen – so lautet der Appell zum Neuen Jahr. Denn schon der Herbst hat gezeigt, dass es vor allem die modischen Teile waren, die die Kundinnen begeistert und zum Kauf animiert haben. Ob es Kleider mit neuen Drucken waren, farbiger Strick, Sweats und Hoodies als Aufsteigerthema, das Thema Karo oder Blazer im progressiven und hochmodischen Segment, es sind die neuen Dinge, die vom Hocker reißen.

Wir müssen mit Mode wieder Emotionen wecken. Vorbei sind die Zeiten, wo Basics in minimalen Abwandlungen über Saisons immer und immer wieder aufgelegt wurden. Das zehnte Ringelshirt braucht keiner. Genauso wenig die Standard-Daunenjacke. Vielleicht aber doch, wenn eine neue Farbe oder ein innovatives Detail ins Spiel kommt. Das kann eine sportive Paspel sein, ein Volantabschluss, ein Bändchen oder eine kleine Rüsche. Basics reloaded sozusagen.

Anstatt darüber zu lamentieren, sollten wir uns darüber freuen, dass die Kunden so offen für Mode sind wie lange nicht. Dass sie Farbe annehmen und sogar Farbe mit Farbe kombinieren, dass sie Spaß an dem freien Kombinieren gefunden haben, an dem eklektischen Mix, an spannungsreichen Looks, die Feminines und Sportives oder Dekoratives mit Maskulinem verbinden.

Modische Frauen haben schon in diesem Herbst Kleider zum maskulinen Blazer kombiniert. Das geht weiter. Der Karomantel zum Blümchenkleid, die Lammfelljacke mit Strick und Midi-Rock, der Blazer zur Samthose. Der Blazer gibt vielen Looks einen neuen Dreh – aber er darf nicht gehabt und auf gar keinen Fall spießig aussehen, sondern lässig und selbstverständlich. Länger geschnitten und nicht zu schmal. Karos kommen mit aller Macht, von Glencheck bis Hahnentritt, von Heringbone bis Vichy, von Schottenkaro bis Multicheck.

Lila ist die neue Aufsteigerfarbe, der man Chancen geben sollte. Denn es gibt sie in zahlreichen Nuancen – von Purple bis Pflaume bis Ultraviolett. Und daneben bleiben Rottöne als starke Farbfamilie wichtig.

Denken Sie daran: “Ich bin viele” ist das Motto vieler Frauen – und das gilt auch für die Saison!

 

Acht modische Appelle für 2018

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René Lezard

Die Mode ist experimentierfreudig wie lange nicht. Die Kundinnen haben Spaß an neuen, ungewöhnlichen Kombinationen: Erst war es die Offshoulder-Bluse, die mit ihrem kommerziellen Erfolg überrascht hat. Dann war es Samt, der besser als erwartet ankam. Nicht zu vergessen Curry- und Safrangelb, Farbtöne, die als megaschwierig galten und in den letzten Wochen zu den Bestsellern zählten…

Diese Erfahrungen sollten dazu animieren, mit mehr Modemut in die Orderrunde zu gehen – und Erfahrungen aus den letzten Jahren einfach mal beiseite zu schieben. Deshalb gibt es zum Jahresende nochmal acht Appelle für 2018…

Trauen Sie sich an die Wadenlänge. Das Kleid braucht Erneuerung – und dank neuen Längen entstehen neuen Proportionen. Mit Stiefeln und Booties geht das gut.

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Marc Cain

Geben Sie Lila eine Chance. Ultraviolett ist nicht umsonst von Pantone zur Farbe des Jahres 2018 gekürt worden. Lila in all seinen Schattierungen – von Flieder bis Pflaume – meldet sich zurück. Nach Jahren. Hat sicher kaum mehr eine Kundin im Kleiderschrank.

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Triangle

Seien Sie offen für Konfektion. Klar, der Blazer hat bei fast allen einen Dämpfer bekommen. Jetzt meldet er sich zurück. In neuer Länge, mit markanter Schulter, oft in Karo, ist er durchaus eine ernst zunehmende Option für modische Sortimente.

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    Riani

    Kombinieren Sie Muster mit Muster. Blumen mit Karo, Animal mit Streifen, Paisley mit Glencheck. Da geht was, richtig viel sogar.

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    Luisa Cerano

    Hosen dürfen doch mal weiter sein. Auch bei den Hosen lockert sich die Silhouette. Durch die Trackpants kam Weite ins Spiel. Alle weich fließende Modelle sind zumindest für modisch Informierte ein Muss.

  3. _ZZZ4733Mixen Sie Brüche. Klassik mit Sport. Dekoration mit Casual. Muster mit Muster. Es gibt kein Tabu mehr. Je mehr Bruch, umso modischer der Look. Maximale Stilbrüche sind angesagt. Nicht nur in einem Look, sondern sogar in einem Teil.
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    Laurèl

    Farbe bleibt. Sie ist gerade so schön in Fahrt gekommen und sollte nicht zu früh abgewürgt werden. Farbe ist und bleibt ein wichtiger Motor…alles rund um Rot geht weiter. Gelb zeigt mit Safran und Curry seine winterliche Seite. Lila kommt. Und Azurblau, Petrol und Eclectic Blue machen weiter stark in Blau.

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    Gestuz

    Dekoration 2.0. Alles rund um Stickerei und Applikationen geht weiter. Nicht mehr so laut, sondern etwas dezenter. Federn, tonige Steine, rockige Nieten sind neue Elemente für Dekoration 2.0.

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    Riani

Auftakt Herbst 2018

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Kaum ist der Winter ausgebrochen, steht die nächste Orderrunde für Herbst 2018 schon wieder an. Modisch spitzt sich alles rund um Stilbrüche zu. Sport trifft Klassik, Casual trifft Feminin, Farbe trifft Farbe, gerne ein bisschen schräg kombiniert. Neu kommt das Thema Klassik hinzu, aber nie in Reinkultur interpretiert. Je unperfekter der Look, desto modischer. Streetwear-Einflüsse sind allgegenwärtig. Eklektizismus vom feinsten.

Anbei einige Eindrücke, wohin die modische Reise geht.

 

Klassik reloaded

Dekoration & Farbe, Sport & Casual. Jetzt kommt zu den großen Trends ein neuer hinzu: Wir haben ein Comeback von Klassik. Ob bei internationalen Designern wie Dries van Noten oder Offwhite, Hermès oder Christophe Lemaire, Stella McCartney oder Céline – das Spiel mit maskulinen Stoffen wie Karos, Glenchcheck und Hahnentritt sowie Tailoring ist allgegenwärtig. Eine neue Generation von Klassik meldet sich zurück. Aber bitte nicht bieder und brav. Auch hier geht es um eine Verschmelzung von unterschiedlichen Brüchen. Und es muss immer lässig sein.

Dass Tailoring ausgerechnet jetzt wieder aufpoppt, ist nicht weiter verwunderlich: Es geht bei diesem Trend auch um Haltung. Haltung ist in unserer Zeit, die stark von Verunsicherung geprägt ist, mehr denn je gefragt, und dieses Phänomen passt zu den politisch gefärbten und gesellschaftskritischen Botschaften, die zahlreiche Designer in den letzten Wochen gesendet haben. Ein neuer Konservatismus macht sich in unserer Gesellschaft breit. Die Menschen investieren lieber in Gold als in Aktien. Wir haben unsichere Verhältnisse und damit geht ein Rechtsruck in Europa einher – von den USA ganz zu schweigen.

War es in früheren Jahrzehnten populär, mit Massendemonstrationen, Hausbesetzungen oder Uni-Streiks gegen die bestehenden Verhältnisse zu rebellieren, so steht die heutige Jugend in der Mitte der Gesellschaft. Weil die Welt als unberechenbarer wahrgenommen wird, sucht sie vor allem nach einem: nach Halt. Eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt, dass 95 Prozent der unter 30-Jährigen „Respekt“ für etwas Gutes halten. 91 Prozent empfinden Stabilität als positiv.

Bei der Generation 20 plus ist Heiraten wieder in, und zwar nicht erst mit Mitte 30, wenn es an die Familienplanung geht. Und wenn möglich, steht vor der Hochzeit noch die Verlobung an. In meinem Umfeld war es umgekehrt. Da heiratete man, wenn ein Kind im Anmarsch war.

Eine Entwicklung, die sicher auch zum Teil der Tatsache geschuldet ist, dass viele der heute 20-Jährigen aufwärts schon in den Genuss von Patchwork-Familien gekommen sind.

Wir befinden uns in einer extremen Zeit des Wandels, nicht nur im Hinblick auf unsere Kleidung, sondern auch auf unsere Gesellschaft. Das hinterlässt logischerweise Spuren auf unser Bekleidungsverhalten. Vor dieser Hintergrund überrascht nicht, dass sich eine neue Form von Klassik zurückmeldet – gepaart mit sportiven oder dekorativen Einflüssen entstehen dadurch neue Looks. Zum Beispiel der Karo-Mantel überm Blumenkleid, der Blazer zur Jeans, der Anzug zum Sneaker. Wichtig auch hier: niemals ein Trend in Reinkultur. Denn der Stilbruch macht es erst wieder interessant.

 

 

Flieder – bitte wieder!

“Lila, der letzte Versuch” oder “Flieder,  nie wieder” sind Sprüche, die jeder aus der Modebranche kennt, der länger als zehn Jahre in dem Business arbeitet. So lange ist es mindestens her, dass diese beiden als kommerziell schwierig geltenden Farben dran waren. Doch inzwischen haben wir alle Schattierungen von Rot durch, Pink und Rosé ebenfalls, Gelb und Orange und Grün.

Und nachdem auf einmal sogar Rot mit Pink als neuer Hoffnungsträger dran ist, könnte es sogar auch mit Flieder und Lila was werden. Flieder vielleicht eher fürs Frühjahr und Lila für den Herbst. Man muss ja nicht gleich komplett im Uni-Look in dieser Farbe herumlaufen. Aber nachdem zur Zeit schräge, eklektische Farbkombinationen und Looks den Kundinnen am meisten Spaß machen, ist vielleicht die Zeit reif, diesen beiden Farbtönen eine neue Chance zu geben. Die Vertikalen machen es vor. In Cashmere oder Wolle machen Lila & Co. eine richtig gute Figur! Und Flieder mit Schwarz und Weiß als Muster könnte sogar kommerziell ein Hoffnungsträger werden.

“Raus aus dem Erfahrungsgefängnis” möchte man all denen zurufen, bei denen jetzt sofort die Aberkaufs-Penner der Vergangenheit im Kopf aufpoppen.  Samt ist ein aktuelles Beispiel, das zeigt, dass alte Erfahrungswerte nicht mehr zwangsläufig funktionieren. In vielen Kollektionen hat es das Material nicht einmal beim eigenen Vertrieb geschafft zu überzeugen und ist hochkant rausgeflogen – mit dem Ergebnis, dass es jetzt ganz gut läuft im Handel. Und diejenigen sich ärgern, die das Thema stornieren mussten.

Nicht anders war es mit dem Offshoulder-Pullover im letzten Winter. Ein schulterfreier Pulli, wenn es draußen schneit? Unmöglich, sagten seine Kritiker. Am Ende war das eines der Teile, das am schnellsten ausverkauft war bei denen, die dem Thema eine Chance gegeben haben.

So könnte es auch Flieder und Lila ergehen. Denn diese Farben waren bestimmt zehn Jahre nicht mehr im Rennen. Und die Frauen haben zur Zeit Lust auf Neues und sie trauen sich auch immer mehr. Deshalb bitte Flieder wieder! Und Lila als neuer statt letzter Versuch! Nur mit Innovationen kann man derzeit die Frauen für Mode begeistern.

Smart & Sizeless

Nach 16 Jahren Escada startet Daniel Wingate sein eigenes Projekt: Wingate. Cosy und casual. Easy und luxuriös. Klar und selbstverständlich. Und vor allem sizeless. Das ist das Interessante: Die Kollektion bietet ein Größenspektrum von 34 bis 48, ist aber in Skala 0 bis 3 eingeteilt. Das heißt: Eine Null entspricht Konfektionsgröße 34/36, eine Eins 38/40, eine Zwei 42/44 und eine Drei 46/48. Da gibt es den Doubleface-Mantel in Offwhite genauso wie das Seidenhemdblusenkleid. Den Cashmere-Rippenpullover mit seitlichen Baumwolleinsätzen genauso wie die Tunika zur weiten, fließenden Hose. Der Durchschnitts-EK liegt bei 236 Euro.

“Ich möchte eine Kollektion für alle Frauen machen und nicht irgendjemanden ausschließen”, so Daniel Wingate, “ich möchte das Thema Konfektionsgröße aber nicht thematisieren. Deshalb die Idee mit den Größen 0-3.”

Dank seiner langjährigen Escada-Kontakte in die USA startet der Wahl-Münchner mit Neiman Marcus und einem Pop-up-Shop in Miami. In Deutschland ist die Kollektion ab sofort im Ruffini-Haus in München zu sehen. Hierzulande mit Trunk-Shows zu starten, könnte für Wingate auch eine Option sein, den Fuß in die hochwertigen Geschäfte zu bekommen.

Aber bitte mit Störfaktor!

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„Wir nehmen die ikonischsten Marken der jeweiligen Produktkategorien und bringen sie zusammen, um die perfekte Garderobe zu kreieren. Das ist die einzige und alleinige Idee“, äußerte sich kürzlich Vetements-CEO Guram Gvasalia in der US-Vogue. Das ist durchaus ungewöhnlich für den Chef einer Modemarke. Aber sie zeigt die gravierenden Veränderungen unserer Branche und damit auch der Mode und Art und Weise, wie man sie kombiniert und interpretiert. Denn durch unsere Selfie-Kultur und den Einfluss von Instagram und Pinterest werden Trends und Looks anders zusammengestellt. Vor allem  die Herangehensweise, das Kombinieren ist das Spannende. Wer heute im perfekt aufeinander abgestimmten Total-Look von Kopf bis Fuß aus dem Haus geht, ist so richtungsweisend wie Dieter Bohlen im Entertainment.

Das Unperfekte wird zum neuen Statussymbol. Es geht um die Verbindung von vermeintlichen Gegensätzen. Perfekte Ästhetik ist ein Auslaufmodell. Streetwear-Einflüsse sind größer denn je. Wenn die Designerschauen etwas gezeigt haben, dann das:

Alles muss instagramable sein. Allein die Art und Weise, wie Kollektionen und Looks zusammengestellt werden, hat nichts mehr mit dem vor ein paar Jahren zu tun. Es geht darum, die Kraft der Straße zu nutzen, um modische Botschaften zu kommunizieren und Regeln zu brechen.

Für die Industrie steckt die Herausforderung darin, die Kollektionen nicht mehr so zu aufzubauen und im Showroom zu hängen wie seit 30 Jahren. Für den Handel ist es nicht anders. Die Präsentation am POS muss heute anders aussehen als noch vor fünf Jahren. Es braucht stilistische Brüche in einem Look, Farben und Muster, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Söckchen in die High Heels, Adiletten zum Hosenanzug, Hoodie überm Kleid.

Das Neue ist wirklich der freie, ungewöhnliche Umgang mit den Themen, das bewusste Einsetzen von Störfaktoren in den Outfits. Denn das Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung bringt nicht nur mehr Freiheit mit sich, sondern fordert uns alle auf, alte Strukturen und Prozesse zu hinterfragen. Das alles fordert größte Aufmerksamkeit voraus. Aber darin stecken auch richtig gute neue Chancen.