Wat nu, Berlin?

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Schon im Vorfeld war viel über Berlin diskutiert worden, manche haben schon Wochen davor geschimpft – nicht zu unrecht wegen der unnötig in die Länge gezogenen Fashion Week.

In Berlin selbst war die Stimmung wieder gut, alle waren im üblichen Party-Modus an der Spree und klar, es gab gute Gespräche, und Berlin wurde wieder als Kick-Off-Veranstaltung für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 bejubelt. Selbst der Berliner Salon, der unter Beschuss stand wegen des späten Termins am Freitag, machte nicht den Eindruck, als ob er unter Besuchermangel litt.

Doch all das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Berlin unverändert im Findungsprozess ist und sich am Ende von vier Tagen Messe- und Event-Marathon die Frage stellen muss, wie die Zukunft von Berlin als Mode-Hauptstadt aussehen kann, um im internationalen Kontext langfristig eine Zukunft zu haben. Im Moment ähnelt das Schicksal der Berlin Fashion Week dem der Stadt Berlin: Hip, aber das Geld wird woanders verdient.

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Messen weniger besucht waren und nach wie vor internationale Einkäufer zu wenig vertreten sind. Klar, für kleinere Labels oder Marken, die sich neu ausrichten, sind die Messen unverzichtbar. Doch in der Regel müssen gerade diese Firmen jeden Euro umdrehen und haben nicht endlosen finanziellen Spielraum für Marketing-Investitionen, wozu auch eine Messeteilnahme gehört. Größere Marken stellen sich indes immer häufiger die Frage, wie lange sie noch in einen teuren Messestand investieren, wenn Saison um Saison nur Bestandskunden auf den Stand kommen zum Hallo sagen und dann in Düsseldorf die Order schreiben.

Gleiches gilt für den Berliner Salon, eine Initiative von Nowadays-Gründer Marcus Kurz und Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp, die sich in wenigen Saisons zu einem Treffpunkt und einer fulminanten kreativen Bühne für die Crème de la Crème deutschen Designs entwickelt hat. Auch mit der Gründung des German Fashion Councils ist ein Meilenstein für die deutsche Mode getan, und dazu kann man den Veranstaltern nur gratulieren. Dennoch ist der Berliner Salon jetzt an einem Punkt, an dem er ein Stück weiter gedreht werden muss in Richtung Verkauf, und da hat der Freitag-Termin nicht das gefördert, was diese Veranstaltung am dringendsten braucht: Einkäufer, die die Marken nicht nur anschauen und ihren Machern freundliche Komplimente machen, sondern sie auch kaufen. Die meisten Premium-Händler waren indes schon wieder abgereist oder erst gar nicht gekommen.

Auch das ist ein Gesetz des Marktes: In diesen Zeiten bleibt kein Einzelhändler extra eine Nacht länger, auch nicht wegen des Berliner Salons. Und noch brutaler: Den meisten Einkäufern ist es schlichtweg egal, ob sie ihre Ware in Berlin, Mailand oder Paris finden.

Sicher ist eines: Ohne mehr Präsenz am POS wird es für die meisten der Marken auf Dauer eng. Dessen müssen sich die Organisatoren bewusst sein, und umso mehr sollte der Blick auf die Einkäufer geschärft sein.

Vor dem Hintergrund, dass Mercedes Benz sich nach zehn Jahren aus Berlin als Sponsor verabschiedet und damit die Frage offen bleibt, was das für die Fashion Week für Konsequenzen hat, sollte allen Veranstalter in Berlin klar sein, dass es nur gemeinsam mit einem gebündelten Angebot möglich sein wird, an der Attraktivität des Standorts Berlins zu feilen – und sich an die zu wenden, um die es geht: an diejenigen, die entscheiden, was vom Laufsteg oder Showroom zum Kunden kommt – und das sind nunmal die Einzelhändler.

Berlin hat einen großen Vorteil: Der Standort hat bei fast allen einen Stein im Brett. Es wäre schade, sich diesen Bonus zu verscherzen.

 

 

Mach mal halblang!

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Marc Cain

Er versucht es schon lange. Aber immer wieder scheitert er an der starken Konkurrenz Hose und Kleid: Doch für nächstes Frühjahr/Sommer 2018 scheint es, als könne es doch noch was werden mit dem Rock. Und wie sogar! Denn wenn es nach den Kreativen geht, kommt der Midi-Rock zurück, und sie tun alles dafür, den schlechten Ruf dieser Rocklänge zu widerlegen und damit die Kritik, er lasse selbst eine 20-Jährige aussehen wie ihre Großmutter und sei so sexy wie Tante Erna.

Zugegeben: Die Länge, die in der Mitte der Wade und damit an der dicksten Stelle endet, ist nichts für modische Anfängerinnen, geschweige denn für stramme Waden. Aber wenn man einige Styling-Regeln wie etwa die richtigen Schuhe dazu beachtet, kann aus dem Außenseiter ein Aufsteiger werden. Spätestens seit Valentino die neue Saumlänge für Röcke und Kleider populär gemacht hat, setzen sich auch andere Kollektionen mit der neuen Länge auseinander – und jetzt eben auch verstärkt für den Rock, der sicher in Berlin in zahlreichen Kollektionen für Frühjahr 2018 zu sehen sein wird.

Wenn man sich einmal mit dem Rock beschäftigt, ist klar, dass der Rock eigentlich gute Aussichten hat. Denn er ist tatsächlich vielseitiger zu kombinieren als ein Kleid. Allein durch die Oberteil-Variationsmöglichkeiten – von Shirt, Hoodie, Sweat oder Bluse – zeigt er ganz unterschiedliche Gesichter.

Und wenn man der Theorie Glauben schenken mag, dass die Rocklänge ein Symbol für die aktuelle Wirtschaftslage ist, können wir beruhigt sein. Es heißt nämlich, je schwieriger die Zeiten, desto kürzer die Röcke. Dann gehen wir nicht nur rockigen, sondern auch glänzenden Zeiten entgegen.

Dress for success (5): Ivi Collection

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Minuszahlen im Handel, Dauerbrenner Reduzierungen, angespannte Stimmung in der Modebranche. Doch es gibt Firmen, die in diesen schwierigen Zeiten gute Umsätze erzielen. Meist sind es Firmen, die mit einem klaren Produkt eine Nische besetzen. Teil 5 unserer unregelmäßigen Serie von Erfolgsbeispielen auf spielerweekly ist dieses Mal Ivi Collection aus Köln. 

Wer denkt, Köln könne nur Karneval, irrt: Ivonne Beneke-Eidmann und Corinna Lindemann-Berk von Ivi Collection sind ein Beispiel dafür, dass man auch als junges Modelabel in schwierigen Zeiten erfolgreich sein kann. Mit ihrem Label, das über Birgit Wissemann vertrieben wird, mischen sie seit 2009 den Markt auf, weil sie auf verständliche Mode zu bezahlbaren Preisen setzen. Blusen kosten zwischen 200 und 300 Euro (VK), Kleider 300 bis 400 Euro.

Corinna Lindemann-Berk (47 Jahre) hat an der Modeschule Schloss Eller in Düsseldorf Modedesign studiert und arbeitete nach ihrem Studium zunächst bei Elena Grunert und für die BIBA Gruppe. Ivonne Beneke-Eidmann (44 Jahre) hat an der Universität Essen Kommunikation, Soziologie und Philosophie studiert und ist die Marketing-Expertin.

Vor der Gründung von Ivi Collection war sie in verschiedenen internationalen Unternehmen im Bereich Marketing und Vertrieb tätig. Die beiden Frauen kennen sich seit über 20 Jahren aus Ihrer Heimatstadt Wuppertal.

Das Besondere an den Teilen ist die Liebe zum Detail. Im Fokus stehen Drucke und Seide. Tragbar und doch besonders so könnte man die Kollektion in wenigen Worten beschreiben. Die Schnitte sind lässig und zeitlos – und sehen auch noch an Frauen in Konfektionsgröße 44 gut aus.

Angefangen hat alles mit Beachwear, und weil die bedruckten Seiden-Tuniken so gut ankamen, haben sich die beiden Kölnerinnen darauf konzentriert. Inzwischen gibt es jedoch längst nicht nur Drucke für Blusen und Kleider, sondern auch Hosen, Mäntel und sogar Pullover – und funktioniert solo genauso wie im Total-Look.

 

 

Ich bin viele

 

 

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Die neue Einkaufstour steht vor der Tür. Es geht um Trends für Frühjahr/Sommer 2018. Die großen Pole sind Farbe & Dekoration auf der einen Seite und auf der anderen Seite Sport, aber niemals 1:1 umgesetzt.

„Ich bin viele“ ist das Motto der Saison. Das ist das Neue: Es geht um neue Kompositionen, neue Zusammenstellungen, die auch ein Stück weit überraschen. Eklektizismus ist das Schlüsselthema, das sich wie ein roter Faden durch die Kollektionen zieht.  Wir befinden uns in einer extremen Zeit des Wandels, nicht nur im Hinblick auf unsere Kleidung, sondern auch auf unsere Gesellschaft. Das hinterlässt logischerweise Spuren auf unser Bekleidungsverhalten.

Die Lebenserwartung von Frauen liegt heute bei 83 Jahren, Männer werden im Durchschnitt 78. Dieses lange Leben ermöglicht uns eine Vielzahl an Karrieren, Partnern und Auslebung der eigenen Persönlichkeit. Wir befinden uns eigentlich in einer ständigen Form des Übergangs. Wir legen uns weniger fest, experimentieren und entwickeln uns dadurch weiter. Das riesige Angebot an Stilen, die sich halbjährlich auf den Laufstegen und täglich auf den Straßen der Metropolen und auf den Social Media Accounts tummeln, ist mittlerweile so verschieden wie ihre Trägerinnen. Und kommen genauso verschieden zum Einsatz. Outfits werden ja nach Tageslaune zusammengestellt.

Es gibt kein Monopol mehr, was Trends anbelangt. Vorbei sind die Zeiten, als jeder Schlaghosen wie in den 70er Jahren trug. Wir haben heute Micro-Trends, die nicht mehr parallel nebeneinander existieren, sondern sich in einem Look verbinden.

Wir haben heute die maximale modische Freiheit. Heute Cashmere-Pullover und Jeans, morgen das bestickte Kleid. Je nach Tageslaune suchen wir uns unsere Outfits zusammen.

Multiple-Choice ist der Code unserer Zeit. Wir leben in einer Zeit, wo ständig alles multipliziert und mitgeteilt wird. Wir haben Konsum und Kommunikation ohne Grenzen. Das hat logischerweise Konsequenzen auf unsere Gesellschaft Wir müssen uns heute nicht mehr festlegen, weder in Beziehungen, denken Sie mal an Ihren Bekanntenkreis, wie viele da mit ihrem x-ten Partner zusammen sind, die gleiche Wechselhaftigkeit haben wir im Job und eben auch in der Mode.

Das Zukunftsinstitut in Frankfurt, das sich mit langfristigen Trends und Zeitgeistthemen beschäftigt, unterteilt die Kunden von morgen in Kategorien wie Sinn-Karrieristen und Mainstream-Stars, Super Daddies und Business Freestyler, Proll Professionals und Forever Youngsters – und es sind noch einige mehr. Klingen irgendwie ganz schön komisch, oder? Das Interessante ist dennoch die Botschaft, die dahinter steckt. „Die Menschen werden in ihrem Leben sechs bis zehn verschiedene Phasen durchlaufen“, so die Prognose des Instituts. Dieses hohe Maß an Individualität führt zur noch größeren modischen Freiheit. Es bleibt also definitiv spannend!

 

“Sie müssen Ihren eigenen Influencer im Laden haben”

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Zur 62. Cheftagung lud die Katag AG erneut im großen Stil Branche und Prominenz nach Bielefeld, um sich dem Thema “Zeit für Experimente – Think outside the box” zu widmen. Mit einem Spannungsbogen von Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der über die Zukunft Europas sprach, über Philipp Riederle zum Thema Generation Y,  bis hin zum Bloggerinnen-Talk mit Jessica Weiß von Journelles, Tamara Gräfin von Nayhauss von comtesse express, Annette Weber und Viktoria Rader von Glamometer ging es vor allem um die fortschreitende Digitalisierung und deren Folgen für den stationären Handel. Durch das Programm führte wie gewohnt souverän und amüsant Barbara Schöneberger. Und abends wurde im GlückundSeligkeit bis in den frühen Morgen getanzt und gefeiert.

Hier eine Zusammenfassung der prägnantesten Aussagen der Redner:

IMG_5713“Wenn es Italien und Frankreich nicht gelingt, ihre Wirtschaft rentabel zu machen, hat Europa ein Problem.” Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D.

“Russland und die Türkei sind bedeutende Handelspartner und Energielieferanten. Ohne die Zusammenarbeit mit diesen beiden Staaten gibt es langfristig keine Stabilität im Mittleren Osten und Afrika. Wir sollten verhindern, dass beide Länder Richtung Asien abdriften.” Gerhard Schröder

“Der Kontrollverlust des Flüchtlingsstroms darf nicht noch einmal passieren.”

“Dass Großbritannien die EU verlässt, ist Camerons höchstpersönliches Versagen.”

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“Mit unserem Mind-Set aus dem vorigen Jahrhundert kommen wir nicht mehr zurecht.” Christian Schuldt, Zukunftsinstitut

 

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“Sie sind die letzte analoge Generation, das muss Ihnen klar sein.” Philipp Riederle, Buchautor über die Generation Y

“45 Prozent meiner Generation nutzen für eine Konsumentscheidung im Schnitt zehn unterschiedliche Informationsquellen.”

“Meine Generation ist wahnsinnig bequem. Das ist der Erfolg von Amazon: Die Bestellung ist am anderen Tag da und es gibt keine Zicken beim Umtausch.”

“Warum sollten wir in einem Geschäft einkaufen, wo wir erst einmal in der Innenstadt einen Parkplatz suchen müssen, beim Betreten des Ladens das Gefühl haben, in die Privatsphäre der Verkäufer einzudringen und dann zehn Minuten warten müssen, bis der Verkäufer wieder aus dem Lager auftaucht, weil er verzweifelt die Schuhe in meiner Größe sucht.”

“Wenn wir zufrieden sind, erzählen wir es unseren 500 Facebook-Freunden. Wenn wir unzufrieden sind aber genauso. Das Internet verleiht uns eine noch nie dagewesene Macht.”

“Alle wichtigen Fragen beantwortet unser Freund Google.”

“Was macht das mit unserer Lebensqualität, wenn wir alle neun Minuten aufs Smartphone schauen? Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer öfters.”

62. KATAG-Cheftagung - Tagesveranstaltung in Bielefeld am 30.05.2017

“Die vier US-Unternehmen Apple, Amazon, Alphabet und Facebook sind größer als die 30 DAX- und 40 CAC-Unternehmen in Europa zusammen.” Alexander Kudlich, Rocket Internet

IMG_5737“Als Chef muss man einsehen, dass man von vielen Dingen und speziell von der Digitalisierung keine Ahnung hat. Wir haben dieses Thema einer ehemaligen Auszubildenden übertragen und damit sehr gute Erfahrungen gemacht.” Claus Wilhelm Vocke, Modehaus Ranck, Sulingen

62. KATAG-Cheftagung - Tagesveranstaltung in Bielefeld am 30.05.2017“Sie müssen Ihren eigenen Influencer im Laden haben.” Angelika Schindler-Obenhaus, Vorstand KATAG

IMG_5733“Wir erzeugen eindeutig Frequenz und Begehrlichkeit durch Instagram. Viele unserer Kunden kommen zu uns und sagen: Eigentlich haben wir gar kein Geld, aber der Look, den Ihr auf Instagram gepostet habt, müssen wir haben.” Sandra Lemmich, Mainglück, Würzburg

 

“Sich immer wieder neu erfinden”

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Es sei Zeit für etwas Neues gewesen, sagt Sabine Yousefy, die ihr Münchner Geschäft nicht nur von “Yousefy” in “The Store” umbenannt hat, sondern auch ab sofort ein Café im hinteren Teil des Ladens eröffnet, das nicht nur wegen der kleinen Terrasse schon jetzt eine kleine Fangemeinde hat. “Das Wesentliche im Leben ist, sich immer neu zu erfinden“, da hält Sabine Yousefy es wie Karl Lagerfeld. Pünktlich zum 10-jährigen Geschäftsjubiläum geht die Münchnerin deshalb in eine neue Etappe. Ein Stil-Leben mit leckerer Patisserie und einer zwanglosen Wohlfühl-Atmosphäre hat sich die Münchnerin gewünscht und von Innendesignerin Isabel Nonnenmacher sich die kleine Oase mitten in Münchens Innenstadt gestalten lassen.

Sabine Yousefy, die vor ihrer Selbstständigkeit bei Marion Heinrich, Theresa und Sarajo gearbeitet hat, führt in ihrem Multi-Label-Store u.a. Marken wie Maison Common, Sly 010, Piu Piu und Kisskate – allesamt Marken, die genauso lebensfroh sind wie sie.  “Unsere Lieblingskundin ist groß und klein, dick und dünn, und definiert sich nicht über ein Label, sondern zieht das an, was sie mag.“

 

Dress for Success (4): Juvia

Minuszahlen im Handel, Dauerbrenner Reduzierungen, angespannte Stimmung in der Modebranche. Doch es gibt Firmen, die in diesen schwierigen Zeiten gute Umsätze erzielen. Meist sind es Firmen, die mit einem klaren Produkt eine Nische besetzen. Teil 4 unserer unregelmäßigen Serie von Erfolgsbeispielen auf spielerweekly ist dieses Mal Juvia. 

Bekannt wurde sie als Gesicht für Air Berlin. Noch heute wird die Kölnerin darauf angesprochen. Dabei verdient Juvia-Macherin Judith Dommermuth längst ihr Geld mit etwas anderem: 2013 gestartet, hat sie mit ihrem Loungewear-Label Juvia in gerade mal vier Jahren einen Aufstieg hingelegt, wie es heute nur noch wenigen gelingt.

Juvia wird heute in über 400 Point of Sales in 14 Ländern verkauft. Zu den Top-Geschäften in Deutschland gehören Classico in Hamburg, Mohrmann in München, Donna in Hannover, Burresi in Wiesbaden und Jades in Düsseldorf.

Judith Dommermuth, die in zweiter Ehe mit dem Unternehmer Ralph Dommermuth verheiratet ist, legt Wert darauf, dass man ihre Sachen up- und downdressen kann  –  “from Couch to Clubbing”.

Erste Berührung in die Modewelt bekam sie durch ihren ersten Mann Bernd Berger, in dessen gleichnamigem Unternehmen Judith Dommersmuth als Model gearbeitet hat. Dort sammelte sie auch fundierte Einblicke in Produktion, Vertrieb, Marketing und Messen.

Die Idee zu ihrer Marke kam Dommermuth zuhause auf dem Sofa. “Ich ziehe mir abends gerne eine Jogginghose oder etwas Bequemes an”. erklärt die Unternehmerin, “so wollte ich mich auch tagsüber fühlen.”

Der Trend zu Casual und Athleisure hat der 40-Jährigen sicher in die Karten gespielt. Ihre Joggingpants, Sweats und Shirts sind bekannt für ihre besonders weichen Qualitäten, die die Sachen zu echten “Wohlfühl-Teilen” machen. Typisch sind Cashmere und Supima Baumwolle.

Jede Saison gibt es einen Animal- und einen weiteren Statement-Print. Passend zu diesen Drucken wird die Kollektion entworfen, die modische Basics genauso wie einige Highlight-Artikel umfasst. Absolute Bestseller sind bedruckte Sweats, die im EK zwischen 27 und 50 Euro kosten. Hosen liegen bei 37 bis 65 Euro, Strick bei 65 bis 99 Euro. In diesem Sommer ist zum ersten Mal eine “Active Sportswear“-Linie erhältlich.

 

 

Die perfekte Welle

Im letzten Sommer war es das Thema Off-Shoulder, in diesem ist es das Thema Volant. Ob als Saumabschluss oder Ärmel bei Shirts und Blusen, ob auf Jersey, Baumwolle, Viskose, Polyester oder Seide umgesetzt: Wer modisch etwas auf sich hält, hält derzeit nach einer Volant-Bluse oder einem Volant-Kleid Ausschau. Das Problem ist nur, dass es diesen Trend fast nur bei Zara, Mango & Konsorten zu kaufen gibt.

Wer immer im Moment eine Bluse oder ein Kleid mit Flatterrüschen trägt, hat es bei den Vertikalen gekauft. Beim klassischen Fachhandel  muss man schon sehr genau hinschauen, um fündig zu werden.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal die Problematik unserer Branche: das Thema Geschwindigkeit. Auf den Messen in Berlin und Düsseldorf werden viele schöne Volant-Beispiele zu sehen sein – allerdings für Frühjahr 2018. Das ist mit Sicherheit auch für viele Zielgruppen in Ordnung. Dennoch wäre es schön, wenn es das ein oder andere Label gäbe, dass dieses Modethema kurzfristig umsetzen würde – und der Handel dann auch noch Limit freiräumen würde.

Nur so wird es in Zukunft möglich sein, gegen die starke vertikale Konkurrenz zu bestehen. Oder man macht sein eigenes Ding, mit einem konsequenten Stil-Profil. Beides ist möglich. Aber immer nur hinterherzuhinken und ohne eigene Ideen wird die Luft immer dünner.

Foto: Zara