It’s time to say Goodbye

Das hat es lange nicht gegeben: Eine langjährige Mitarbeiterin geht in den Ruhestand, und die Firma schmeißt eine Riesen-Party. 120 Gäste hat Riani in die Sansibar im ersten Stock von Breuninger in Düsseldorf eingeladen, um Martina Hübner, die elf Jahre bei Riani den Vertrieb für Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland gemacht hat, zu verabschieden. Händler, Freunde und Kollegen kamen und feierten. Selbst Karl Lagerfeld (alias Joachim Klüner, Hagemeyer, Minden) ließ es sich nicht nehmen, sich persönlich zu verabschieden…

 

Back to Blazer

Lange Jahre galten Blazer ungefähr als so cool wie ein Wochenende im Harz oder in der Rhön. In Zeiten von Casual und Lässig-Look sind T-Shirts, Sweats und Strick die perfekten Begleiter. Das ist auch gut so und wird auch weiterhin so bleiben.

Doch parallel baut sich der Blazer als Modethema auf. Auf den Designerschauen war er von Mailand bis Paris der Shooting-Star – und durfte in fast keiner Show fehlen. Ob Raf Simons in seiner ersten Kollektion für Calvin Klein, Victoria Beckham, Dries van Noten oder Maria Grazia Chiuri für Dior – sie alle haben den Blazer wiederentdeckt, wahlweise zur schmalen Hose oder auch gerne zum Midi- Rock. Ob letzteres so wirklich das neue Dream-Team im Verkauf wird, ist zu bezweifeln. Und auch der Hosenanzug wird kommerziell sicher nicht durch die Decke gehen. Dennoch sollte der Anteil an Konfektion vielleicht nochmal bei dem oder anderen Einkäufer überdacht werden, denn er begegnet einem derzeit in vielen Modezeitschriften, auf den Instagram-Accounts diverser Influencer. Vogue.de stellt aktuell die besten Business-Looks mit Olivia Palermo vor – und die sind sehr oft in Kombination mit einem Blazer, und auch der Newsletter von Zara vergangene Woche widmete sich dem Blazer.

Leicht verarbeitet, feminin geschnitten, mit betonter Schulter und Taille könnte er kommerziell möglicherweise wieder an den Erfolg alter Zeiten anknüpfen. Letztlich passt er auch gut in unsere aktuelle Zeit: Es geht wieder darum Haltung zu zeigen, und das kann man in einem Blazer definitiv besser als in einem Hoodie.

Foto: Zara2417675600_2_1_1.jpg

Die Runway-Top Ten

 

Mailand, Paris, London, New York – die Schauen sind gelaufen. Was kommt? Was bleibt? Es bleibt mehr als was neu kommt. Saisonale Trends haben wir schon lange nicht mehr, dafür das Spiel mit Kontrasten. Tendenz steigend: Das Mix & Match-Prinzip erlebt für kommenden Herbst/Winter 2017/18 einen neuen Höhenflug. Utility trifft Dekoration. Schneiderkunst trifft Sportivität. Streetstyle trifft Romantik. Modern ist, die Trends nach Lust und Tageslaune wie eine Collage zusammenzustellen mit dem Anspruch, möglichst individuell zu sein.

Diese Collage baut sich aus folgenden Themen zusammen:

  1. Klasse, Mann: Lange verpönt, jetzt das Thema der Saison. Klassik ist wieder zurück. Auf einmal tragen Frauen Blazer oder sogar einen lässig geschnittenen Hosenanzug. Im Fokus: eine ausgearbeitete Schulter und Taille. Wenn es nach den internationalen Designern geht, tragen wir im Herbst einen maskulin geschnittenen Blazer zum Midi-Rock oder zur Herrenhose. Leider vergessen sie dabei, dass dieser Look allenfalls an Models in Größe 32 mit null Oberweite gut aussieht, aber nicht an einer Frau im echten Leben. Die hat vermutlich mehr Spaß an einem soft verarbeiteten, femininen Blazer mit akzentuierter Schulter. In den neuen maskulinen Stoffen wie Glencheck oder Hahnentritt aber definitiv ein Aufsteiger mit Potenzial.
  2.  Deko-Maniac:  Er hat es wieder getan, auch wenn sich immer mehr fragen, wie lange er das noch durchziehen mag. Alessandro Michele von Gucci scheint sich zumindest im Moment noch keinen Kopf darüber zu machen. Seine Show in Mailand war eine muntere Fortführung seines kunterbunten, überdekorativen Stils. Sage und schreibe 120 Looks schickte er über den Laufsteg, das war die bisher höchste Zahl in einer Kollektion! Und noch diverser und kleinteiliger als jemals zuvor, wie immer gespickt mit unzähligen Elementen und Symbolen: Gerüschte überdekorierte Hippie-Kleider, 80ies-Blazer mit Glitzerleggings, Frottee-Stirnbänder mit Gucci-Print und Midi-Mäntel zeigen eindeutige Referenzen an die 70er Jahre. Und auch andere Designer wie Miuccia Prada oder Dries van Noten spielen das Thema Dekoration weiter – mit Prints, neuen Farbkombinationen, Blütenapplikationen, Federn und Perlen, Spitze, Stick und anderen Spielereien vom Minimalismus Lichtjahre entfernt.
  3. Eighties: Dallas- und Denver Clan-Fans können sich freuen. Wer mag, kann kommenden Herbst wieder als “Sue Ellen” oder “Krystle” durch die Lande ziehen.Blazer mit breiten Schultern, Clochard-Hosen, Jacquard-Pullover, Glitzerkleider, asymmetrische Säume und Hochglanzblusen sind wieder zurück. Interpretationsspielraum: von hübsch bis hässlich. Im jungen Markt sicher ein gutes Thema. Für alle, die den Déjà-Vu-Effekt vermeiden möchten, sind sicher Jacquard-Pullover der neuen Generation und Blazer mit abgemilderte Power-Schulter die bessere Lösung.
  4. Hardcore Romantik: Von wegen Mädchen-Romantik mit weißem Schimmel auf einer Blumenwiese! Romantik zeigt sich von einer neuen, ganz unerwartet taffen Seite. Rüschen, Schleifen und Bänder werden aufgemischt. Zum Beispiel mit Leder, Lack oder Wolle mit Stand. Das ergibt eine reizvollen Kontrast frei nach dem Motto “auch böse Mädchen kommen in den Himmel”.
  5. Instagram-Look:  Die Straße gibt schon länger modische Impulse vor. Inzwischen ist sie schon Inspirationsvorlage für den Runway. Vetements gibt hier die Steilvorlage. Aber auch Marken wie Balenciaga, Off-White, Maison Margiela und Chloé thematisieren Hoodies, Sweats und Denim in ihren Kollektionen. Es sind nicht nur die Produkte, sondern auch die Zusammenstellung der Looks, die Lässigkeit bringen – und nebenbei garantiert Instagram- und Snapchat-tauglich sind.
  6. Von wegen kleinkariert: Auf Streifen folgt Karo, das überrascht nicht sonderlich. Neu sind maskuline Muster wie Glencheck, Pepita und Hahnentritt, die in Kombination mit Tailoring, etwa für einen Blazer – in neuen Kontext gebracht, um dann wieder mit femininen Elementen zusammengefügt zu werden. Etwa einen scharf geschnittenen Blazer zum Kleid. Ganz schön scharf, Mann oh Mann!
  7. Weich gebettet: Im realen Leben sind sie nie weg gewesen, in der High Fashion kehren sie in rasender Geschwindigkeit zurück. Daune ist wieder hip. Und damit auch wieder Stepp. Miuccia Prada hat schon letzten Winter farbige Steppüberwürfe gezeigt. Vetements hat Volumen in die Sache gebracht. Jetzt gibt es viele neue Ideen, Daune anders aussehen zu lassen. Trendsetter suchen jetzt schon bei Uniqlo und H & M modische Stepp- bzw. Daunenjacken. Also der Appell an alle Hersteller: Bitte machen – nicht nur die langweilige Nummer Sicher-Daunenjacke!
  8. Think Big: Wer denkt schon im Kleinen, wenn es um die ganz große Sache geht, haben sich die Kreativen von Mailand bis Paris gedacht. Extrem weite Mäntel, extrem lange Ärmel, extrem breite Schultern – Hauptsache Volumen! Das kann allerdings schon in Größe 38 nicht charmant aussehen. Runtergebrochen im Detail bringt es aber Spannung ins Spiel. Zum Beispiel als leicht überschnittener Cardigan.
  9. Mach mal halblang: Wer auf Miniröcke steht, muss nächsten Winter mal eine Pause machen und auf Hosen umsteigen. Zumindest wenn es nach den internationalen Designern geht, tragen fast alle Frauen Midi-Länge. Valentino hat es vorgemacht, indem Pierpaolo Piccioli konsequent Kleider in Mitte Wadenlänge über den Laufsteg schickt. Keine leichte Länge, mögen Einkäufer jetzt denken. Stimmt. Aber in puncto Modernität aktuell nicht zu toppen und deshalb ein Muss für die nächste Saison! Also am besten sich mit dem Kollegen für den Schuheinkauf gleich zusammentun.
  10. Blau machen: Auch die Designer können nicht mehr ohne: Denim war schon letzte Saison deren Lieblingsmaterial, und auch jetzt ist kein Ende in Sicht.Ob für Hosen oder allover als Overall, Jacke oder Hemd, ohne Jeans geht nichts. Kein Wunder. Denim macht jeden Look tiefenentspannt. Fotos: Studio Martin Veit

Klasse, Mann!

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In den Trend-Dschungel zwischen Sportivität und Romantik, Dekoration und Statement-Hype mischt sich ein weiterer dazu: Tailoring und maskuline Klassik sind für nächsten Herbst/Winter 2017/18 eine neue wichtige Komponente.

Ob bei Dries van Noten oder Offwhite, Hermès oder Christophe Lemaire, Stella McCartney oder Céline – das Spiel mit maskulinen Stoffen wie Karos, Glenchcheck und Hahnentritt sowie Tailoring ist omnipräsent, zumindest wenn es nach den internationalen Designern geht. Der Blazer ist wieder da, ob streng kombiniert oder im Mix zu femininen Kleidern und Röcken, ob knackig oder oversized geschnitten. Selbst Hosenanzüge mit lässigen Herrenhosen tauchen wieder verstärkt auf den internationalen Laufstegen auf.

Der Trend zu Tailoring und einer neuen Generation von Klassik passt in unsere Zeit, die von starker Verunsicherung geprägt ist. Er passt auch zu den politisch gefärbten und gesellschaftskritischen Botschaften, die zahlreiche Designer in den letzten Wochen gesendet haben. Haltung ist wieder gefragt. Ob in Kombination mit dekorativen, romantischen oder sportiven Anleihen – oder gant klassisch – bleibt jedem selbst überlassen. Klassik in Reinkultur wird es sicher nicht schaffen. Das entspricht einfach nicht dem Mix- und Match-Gedanken, den wir seit längerem in der Mode spielen. In der Mixtur liegt sicher das größte Potenzial.

Fotos: Studio Martin Veit

Donald Trump, Alice Schwarzer und die rosaroten Pussy Hats

Dass es im Jahre 2017 zu einer Neuauflage des Feminismus kommen würde, hätte Alice Schwarzer vermutlich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen zu hoffen gewagt. Wann hat es das zuletzt gegeben…unmittelbar nach Amtseinführung des US-Präsidenten Donald Trump haben über drei Millionen Frauen gegen den frauenfeindlichen Amerikaner protestiert. Nach jahrelanger Politikverdrossenheit spüren die weiblichen Vertreterinnen von Generation Y und Generation Millennium, dass sich etwas verändert und sie das, was ihre Großmütter und Mütter an Gleichberechtigung und Rechten erarbeitet haben, sich nicht von alten weißen Männern wieder nehmen lassen möchten.

„Die aktuelle politische Lage ist schrecklich und hoffnungsvoll zugleich. Schrecklich, dass so jemand wie Donald Trump als mächtigster Mann der Welt regiert. Hoffnungsvoll, dass wir aufwachen und wieder unser politisches Gewissen entdecken”, sagte Trend-Forscherin Li Edelkoort auf der Munich Fabric Start, die vor zwei Jahren mit der Aussage “Fashion is dead” sehr viel Debatten ausgelöst hat, inwiefern die Mode noch eine Zukunft hat.

Spätestens in dieser Saison haben die Modemarken die Niederländerin eines Besseren belehrt.Schon die Modenschau von Vetements im Januar war ein Appell für mehr Toleranz, und auch Talbot Runhof zeigte auf der Berlin Fashion Week eine Reihe von Shirts mit politischen Statements, darunter eines mit der Anzahl der Stimmen, die Hillary Clinton mehr als ihr Gegner hatte.

Und auch in New York, London oder Mailand ging es in den letzten Tagen nicht um den besten Instagram-Shot, die Blogger-Blase und ihre durchschaubare Selbstinszenierung, sondern darum, mit Mode Gesellschaftskritik zu üben und ein politisches Zeichen zu setzen. Endlich hat Mode wieder ein Stück weit die Rolle übernommen, als Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung zu agieren.

Angela Missoni etwa hat hunderte von pinkfarbenen Pussy-Hats mit Zickzack-Mustern im Vorfeld stricken lassen und in der Front Row verteilt. Nach der Show appelliert die Designerin für das gemeinsame sich stark machen für die Rechte der Frau.“

Donatella Versace schickt T-Shirts mit applizierten Botschaften wie “Courage”, “Loyalty” oder “Equality” über den Laufsteg. Miuccia Prada setzt dem maskuline Elemente entgegen, die sie mit Federn, Perlen und zarten Stoffen in ein reizvolles Zusammenspiel bringt. Und das sind nur einige Beispiele.

Dass man dieses Thema auch intelligent kommerziell nutzen kann, haben Glamour und Dorothee Schumacher gezeigt. Die Münchner Modezeitschrift hat ihre komplette März-Ausgabe dem Thema Feminismus gewidmet. Dorothee Schumacher hat eine kleine T-Shirt-Serie mit smarten Feminismus-Slogans wie “I want to marry a Feminist” oder “Believe in your female energy” entworfen, die es aktuell im Online-Shop von Dorothee Schumacher für 89 Euro zu kaufen gibt. Daraus lassen sich auch Kundenaktionen drehen, wie das Beispiel Sagmeister in Bregenz zeigt. So präsentiert sich in diesen Tagen das gesamte Sales-Team des Modeunternehmens Sagmeister in Bregenz auf dem firmeneigenen Instagram-Account mit dem Schumacher-Shirt. So sieht intelligente Frauen-Power aus, mit der sich sogar Geschäfte machen lassen kann.

 

 

 

 

Raf Simons Debüt für Calvin Klein

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Es ist geschafft, das Debüt von Raf Simons für Calvin Klein. Nachdem der Belgier im Herbst 2015 bei Dior nach dreieinhalb Jahren überraschend das Handtuch geworfen hatte, weil ihm der ganze Druck zu viel wurde, versucht er jetzt, der ins Stottern gekommenen Marketing-Maschine Calvin Klein mehr Profil zu verleihen.

In seiner Debüt-Kollektion, wo sich der Designer in der Regel noch an den Markenkern herantastet, hat Simons ein hoffnungsvolles Debüt gegeben. Auch wenn Simons sich stilistisch noch nicht festlegen möchte – was man in der ersten Kollektion auch nicht erwarten kann- gibt es einige Themen mit richtig Potenzial. Am meisten zur Calvin Klein-Handschrift passen die perfekt geschnittenen Anzüge, fließend leicht und deshalb so lässig, Mäntel in lackiertem Karo – eine neue Generation von Tailoring.

Ob es die Blumen à la Gucci braucht, sei dahin gestellt. Seine gerade geschnittenen Mäntel mit grafischen Mustern und Glencheck-Ärmel aber schon, denn sie verbinden Klassik, Handwerk und neue Stofflichkeit auf  leichte, moderne Weise.

Bei dem aktuellen Gucci-Deko-Wahn gibt es schon erste Stimmen, die nach einer neuen Form von Klassik rufen. Raf Simons hat definitiv einige interessante Ansätze in diese Richtung gezeigt. Mal schauen, wie es in den nächsten Tagen und Wochen bei den Designerschauen weitergeht.

 

 

Die besten Sätze der Li Edelkoort…

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Li Edelkoort auf der Munich Fabric Start, das war schon ein Highlight der ganz besonderen Art, das die Münchner Stoffmesse da zu bieten hatte. Offensichtlich ist die renommierte Trendforscherin immer noch in Sachen Mode unterwegs, trotz ihrer legendären Aussage “Fashion is dead” vor zwei Jahren.

Hier ihre markantesten Aussagen auf der Munich Fabric Start:

“Saisons are bullshit. Ein Trend dauert im Schnitt zehn Jahre.”

“Für Frühjahr/Sommer 2018 liegt der Fokus auf dem Ärmel.”

“Kreieren Sie ein neues Fashion-Vokabular.”

“Ich blicke zum ersten Mal in meinem Leben pessimistisch in die Zukunft. Ich denke, die  nächsten zehn bis fünfzehn Jahre werden eine große politische Herausforderung.”

“Die aktuelle politische Lage ist schrecklich und hoffnungsvoll zugleich. Das Hoffnungsvolle ist, dass wir wieder aufwachen und ein neues Interesse an Demokratie entdecken.”

“Die Generation Millennium interessiert sich nicht für Geschäfte, nicht für Mode, nicht für den Laufsteg, nicht für Marken. Sie wollen kein Auto, keine eigene Wohnung. Was zählt, sind Freundschaften und Poesie. Das hat Auswirkungen für die Gesellschaft auf allen Ebenen.”

“Männer und Frauen nähern sich immer mehr an. Es entsteht eine fließende Sexualität. Dadurch entsteht ein neues Modebild.”

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Vetements setzt politisches Zeichen

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Mit seinen Oversized-Hoodies, Mega-Sweats und Designer-Kooperationen ist der aktuelle Hype um Vetements nicht für jeden nachvollziehbar. Doch selbst seine schärfsten Kritiker müssen anerkennen, dass Vetements-Designer Demna Gvasalia neben Alessandro Michele von Gucci derzeit wie kein anderer die Mode beeinflusst.

Mit der jüngsten Show während der Haute Couture in Paris hat Vetements ein Signal gesetzt und demonstriert, dass Gvasalia etwas zu sagen hat. In seiner neuesten Kollektion arbeitet er mit Stereotypen und Klischees – und beweist, dass Mode immer ein Spiegel der Gesellschaft und politischen Entwicklung ist. Gvasalia schickt ältere Damen im Pelzmantel über den Laufsteg, Banker im Business-Outfit, junge Frauen im Streetwear-Grunge-Look aus den Vororten, Rapper in der Sport-Klamotte. Zusammen mit der Einladung zur Show gab der Designer eine Liste an Klassifizierungen heraus, darauf unter anderem: “Police Woman”, “Social Worker”, “Punk” oder “Broker”: ein Spiegel der Gesellschaft mit den unterschiedlichsten sozialen Gruppen und Schichten. Die aber keineswegs miteinander harmonieren.

Im Gegenteil! Die Models überholten sich gegenseitig, die Jüngeren zogen an den Schwächeren vorbei – quasi als Ausdruck unserer Ellbogengesellschaft und dem Wissen, dass sich jeder selbst der nächste ist.

In Anspielung an die Wahl in Frankreich im Mai ist das Vetements-Logo mit der französischen Nationalflagge auf Hoodies zu sehen. Frankreich ist nur Teil seiner Botschaft, es geht um die Zukunft Europas, um die Globalisierung und die Entwicklung der USA unter Trump, der permanent im Wechselbad der Gefühle zwischen Narzissmus und Aggression badet. In Anspielung an all diese Themen erhielt jeder Show-Gast als Einladung einen Ausweis einer fremden Nation, aufgeklebt auf einer Art offiziellem Dokument. Frei nach dem Motto: Vor dem Gesetz sind wir alle gleich.

Möglicherweise geht es Vetements auch um einen Appell für mehr Toleranz. Dazu würde passen, dass die Looks nicht nur Anti Fashion-Streetwear für Rihanna oder Kanye West sind, sondern auch Mode für die Oma, den spießigen Onkel oder die Grufti-Schwester bieten.

Ob diese Kollektion sich dann auch an so unterschiedliche Zielgruppen verkauft, ist offen. In puncto Zeitgeist jedoch kann das Signal nicht passender sein: nämlich zu zeigen, dass Mode heute viele Facetten hat und auch anders anders inszeniert wird. Das ist heute realistischer und tonangebener denn je – und schon allein deswegen hat diese Kollektion neue Signale gesetzt.