Gracias Miuccia!

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Prada. Frühjahr/Sommer 2016
Prada. Frühjahr/Sommer 2016

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Gracias Miuccia, dass sie wieder einmal die Modewelt überrascht. Gerade noch wurde sie während der Damenschauen in Mailand für ihre neue Auffassung von Konfektion in süßen Bonbonfarben bejubelt. Nur wenige Wochen später sendet die Kreative im Rahmen der Menswear-Schauen in Mailand für Frühjahr 2016 schon wieder ganz andere Signale. Sie schichtet Lagen, verschiedene Farben und vor allem Drucke kompromisslos und konträr miteinander.

Miuccia Prada ist bekannt dafür, gängige Schönheitsideale infrage zu stellen, zu ironisieren, um sie dann in ihrer ganz eigenen Ästhetik neu zu definieren. Die aktuellen Drucke – startende Raketen, Hasenmotive und Rennautos, die sie immer wieder mit Streifen zusammenbringt, sind wieder einmal eine ironische Odysee nach Schönheitsidealen.

In jedem Fall verbindet die Italienerin virtuos unterschiedlichste Stilkomponenten – wie etwa die Cardigan-Strickjacke überm sportiven Zipper-Oberteil zum knielangen Pencil Skirt und Paillettenmantel. Streifen als Kontrastpaspel bei Faltenröcken zum sportiven Zipper-Strick mit Ringelarm. Quer- und Längsstreifen mit Bunny-Motiven – immer perfekt in Styling und Farbharmonie.

Die Braut, die sich traut…

…selbstbewusst in ein Brautmodengeschäft zu gehen, Kleider anzufassen, die nicht aussehen, als ob man sich in ein weißes Tüllmonster verwandeln möchte, einfach Spaß haben bei der Vorbereitung auf “den schönsten Tag des Lebens”, darüber hat die FAZ-Redakteurin Jennifer Wiebking einen sehr schönen Beitrag in der FAS von gestern geschrieben. Denn die Bastion der traditionellen Brautmode-Geschäfte wird gestürmt von einer neuen Generation von Modefrauen, die darauf keine Lust mehr haben und frischen Wind in diese Spezialeinheit bringen. Eine davon ist Susannah Carey-Seulen, TW-Redakteurin, die sich mit “Celia’s Dresses” in Frankfurt selbstständig gemacht hat (siehe Artikel).

Das Pendant in München ist das Geschäft Hey Love im Lehel, fünf Minuten vom Marienplatz entfernt. Mit exklusiven, außergewöhnlichen Brautkleidern aus Dänemark, Neuseeland, Spanien und Deutschland machen die drei Inhaberinnen Maren Beil, Maren Wesp und Viola Mazza (Ehefrau von Moderator Alexander Mazza) Schluss mit dem Vorurteil vom miefigen Brautmoden-Image.

In dem Laden mit unkomplizierter Atmosphäre können sich angehende Bräute fallen lassen und wohlfühlen. So viele Freundinnen mitbringen, wie sie möchten, die Kleider anfassen, anprobieren, Spaß haben. Der Termin ist so exklusiv wie die Kleider, denn der Concept-Store richtet seine Öffnungszeiten nach dem Kalender seiner Kundinnen. Auf Wunsch wird auch individuelles Wedding-Planning angeboten.

Sommer, Sonne & Spaghetti-Träger

Endlich ist der Sommer da, und wir können wieder Spaghetti-Träger tragen. Zugegeben Spaghetti-Träger ist nicht gerade ein schönes Wort. Aber warum eigentlich? Mit Spaghetti assoziiert fast jeder Italien, la Dolce Vita und wundervolles Essen – da kann vegan und glutenfrei noch so sehr im Trend liegen. Spaghetti alle vongole, Spaghetti-Eis, und jetzt auch noch Spaghetti-Träger.

Sei es eine Hommage an die Spice Girls oder an die 90er Jahre: Das Top mit den schmalen Trägern ist nach langer Zeit wieder zurück und der perfekte Sparringpartner zu den weiten Hosen, die ebenfalls die modische Bühne betreten. Schulter und Schlüsselbein rücken in den Blickpunkt. Auch Kleider mit Spaghetti-Trägern sieht man wieder häufiger. Aber immer edel und anspruchsvoll. In Seide oder Chiffon sind sie nicht mehr mit den Billigversionen aus den 90ern zu vergleichen – schon allein deshalb sollte man diesen Trend nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Drunter und Drüber

Schichtarbeit: Layering kehrt zurück, und zwar vom feinsten. Bei dem launischen, wechselhaften Wetter nicht das Schlechteste. Nicht nur die internationalen Designer haben den Zwiebellook wieder entdeckt, auch H & M spielt in diesem Sommer mit verschiedenen Längen für Chasubles, lange Blusen und Kleider zu lässigen, luftigen Hosen.

Besonders interessant vor dem Hintergrund ist die Kombination Bluse-Blazer über Hose, die die Anzug-Idee spielerisch einbringt, ohne sie gleich zu streng aussehen zu lassen. Durch die hervorblitzende Bluse transportiert der Look eine gewisse Lässigkeit.

Und es gibt noch einen anderen Vorteil:  Dank der verschiedenen Schichten lassen sich selbst Problemzonen mühelos kaschieren. Insofern könnten mit dem Three-in-One-Look gleich zwei Dinge erreicht werden: höhere Bons und eine hoffentlich glückliche Kundin. Das wären doch mal rosige Aussichten. Endlich mal ein Trend, der allen Wetterkapriolen etwas entgegenzusetzen hat.

Alle halbe Jahre wieder

„New In“ – mit diesen Worten ploppen in diesen Tagen die Newsletter der Luxusonline-Portale Mytheresa und Stylebop in den Email-Accounts auf. Die erste neue Herbstware ist da, hurra, und der Sommer hat noch nicht begonnen. In München regnet es und hat 12 Grad. Viele Frauen hatten bislang keine Möglichkeit, ihre Sommergarderobe auszuführen, noch mehr sind gar nicht los, um sich ein neues Sommerkleid oder ein paar Sandalen zu kaufen. Warum auch? In wenigen Tagen beginnt sowieso der Sale, bei einigen hat er schon angefangen. Bei P & C in Köln etwa sind die ersten Sommerteile von Marken wie Marc Cain, Luisa Cerano oder Strenesse schon reduziert. H & M lockt für limitierte Zeit mit 30 % Rabatt auf das komplette Online-Sortiment. Bei mytheresa läuft derzeit die  Aktion “Daily Candy”, für die man sich per Email anmelden muss – dafür werden täglich 15 Produkte vorgestellt, die man genau an diesem Tag mit 30 Prozent Rabatt kaufen kann.

Die Debatte um Saisontiming und Reduzierungen ist noch älter als die Diskussion, ob Germany’s Next Topmodel endlich abgesetzt werden soll. Immer wieder sagen Branchenexperten, es müsse sich was Grundlegendes ändern, alle sprechen von saisongerechter Lieferung, also Ware im Juni, die man gleich anziehen kann, oder am besten gleich auf Ganzjahresmode ausweichen, da auf das Wetter in Deutschland kein Verlass mehr ist.

Das Ergebnis: Noch immer gibt es ab Mai die ersten Wintermäntel und Pelzjäckchen, und im November liegen hochsommerliche Seidenkleider in den Geschäften.

Profi-Shopper warten mittlerweile ohnehin auf die ersten Sales-Aktionen, um dann gezielt zuzuschlagen. Unter gut situierten Frauen gilt es immer öfter als Sport, die Designer-Tasche zum Schnäppchenpreis zu schießen. Oder bei Kollektionsverkäufen oder Private-Sales ein neues Lieblingsteil zu ergattern.

Und die Masse der Menschen hat sowieso kein Interesse an Mode. Laut GfK geben die Deutschen 1,8 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Bekleidung aus. Im Jahr 2000 war es noch doppelt so viel.

Reduzierungen können keine Antwort sein auf die fehlende Bereitschaft, für Mode Geld auszugeben. Es müssen neue Anreize geschaffen werden. Warum nicht mit Food oder Beauty? Der Inhaber eines DOB-Labels hat neulich spontan in einem seiner Läden eine Aktion mit der angesagten Naturkosmetikmarke L:A Bruket durchgeführt, dazu gab’s Champagner für die Kundinnen – am Ende haben die Frauen nicht nur mit einer Handcreme, sondern auch mit einer Lederjacke den Laden verlassen.

Mehr Weitsicht bitte

In meinem letzten Beitrag habe ich schon ein Plädoyer für die weite Hose gehalten. Das möchte ich gleich nochmal tun. Diese Jersey-Kombination von Zara ist ein wunderbares Beispiel, wie gut eine Hose mit Schlag aussehen kann – ohne gleich als nostalgischer Hippie-Freak abgestempelt zu werden. Zusammen mit dem Top und den Gladiatoren-Sandalen ist das ein schöner, moderner Sommerlook,  dem keine Unverkäuflichkeit nachgesagt werden kann. Der  Schlag ist moderat – und macht ehrlich gesagt allemal ein schöneres Bein als jede Skinny. Hand aufs Herz: Wie viele Beine stecken in unseren Fußgängerzonen so eng in der Röhre fest, dass man sich nicht nur für die Trägerinnen etwas mehr Beinfreiheit wünschen möchte?!

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Zara

Mit Schlagkraft nach vorn

Schlaghosen, Denim-Flared mit hohem Bund und goldenen Knöpfen im Marine-Look – ein Blick zu Zara und es steht fest: Das Monopol der Skinny bröckelt gewaltig. Jeans mit ausgestelltem Bein sind die Hose der Saison – zumindest aus modischer Sicht. Dazu passen perfekt die unzähligen weißen Bohemian-Blusen mit Stickerei und Spitze, die es ebenfalls in den Sortimenten der Vertikalen zu sehen gibt. Die Seventies sind in den Sortimenten angekommen. Alle Skeptiker werden jetzt wieder sagen: Klar, modisch vielleicht relevant, aber kommerziell?

Ich glaube ja! Natürlich werden nicht alle Frauen ihre Skinny schlagartig gegen eine weite Hose austauschen. Das Monopol der Röhre ist viel zu vertraut, warum also voreilig den verlässlichen Partner für einen heiße Affäre verlassen?! Aber flirten kann man ja. “Ich trage seit Jahren nichts anderes als Skinny, aber irgendwie bekomme ich zunehmend Lust auf eine neue Silhouette” sagte kürzlich eine Freundin, die nicht aus der Modebranche kommt, “ich weiß nur noch nicht so richtig, wie ich eine weite Hose kombinieren soll.”

So geht es vielen. Die Skinny-Jeans ist zur Uniform für Heerscharen von Teenagern geworden, für Mütter, die sich damit genauso sexy fühlen wie ihre Töchter, für Best Ager-Frauen, die stolz darauf sind, trotz fortgeschrittenen Alters noch mit ihren jüngeren Geschlechtsgenossinnen mithalten zu können.  Die Designerin Isabel Marant hat die Kombination aus knöchellanger Röhre, High Heels und lässiger Tweed-Jacke zum Signature-Look der coolen Pariserin gemacht.

Die schmale Hose steht symbolisch für Lässigkeit und Jugendlichkeit. Seit mehr als zehn Jahren. Insofern ist es durchaus an der Zeit,  ihre Monopolstellung anzuzweifeln – und die ein oder andere Alternative anzubieten. Natürlich ist die weite Hose komplizierter, man könnte auch sagen: kapriziöser.  Sie ist auffälliger und anspruchsvoller im Kombinieren. Mehr von der Kategorie “Red Carpet” als “Büro”. Wer weite Hosen trägt, signalisiert: Seht her, hier bin ich! Das erfordert Mut und eine gewisse Größe – oder zumindest die richtigen Schuhe dazu.

Trotzdem ist es nach all den Jahren an der Zeit, dass es Alternativen gibt. Insofern ist es unverzichtbar, im Einkauf auf ein breiteres Hosenspektrum zu setzen. Nicht für jede Zielgruppe und jede Figur, aber um modische Kompetenz zu demonstrieren. Schließlich leben wir schon lange in eklektischen Zeiten. Heute Jeans und Pullover, morgen Bleistiftrock und Bluse – die meisten Frauen lassen sich nicht mehr in ein Bekleidungsmuster pressen. Warum also nicht heute Skinny und morgen Flared?

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Die Top Ten vom Laufsteg

Mailand, New York, London und Paris sind gelaufen. Auch zum Herbst/Winter 2015/16 ist wieder mal Trend, dass es viele Trends nebeneinander gibt. Hier die Zusammenfassung der wichtigsten Tendenzen von den internationalen Catwalks.

1. Seventies: Schlaghosen, bodenlange Kleider und Mäntel, Redingote-Jacken, Schluppenblusen, Cord, Samt und jede Menge Paisley und Patchwork – die Lust an den Seventies ist ungebrochen. In unseren wirtschaftlich und politisch unruhigen Zeiten scheint es, als bestehe eine große Sehnsucht nach der Dekade von Frieden und freier Liebe. Das gilt für Silhouetten und Stoffe gleichermaßen. Nicht mehr zu ignorieren sind die Hosen mit Schlag, wie Zara und Konsorten sie jetzt schon in den Sortimenten haben. Aber auch lange, wehende Chiffonkleider wie bei Chloé mit Spitzeneinsätzen und lässige Seidenblusen mit Schluppe stehen für den Bohemian-Chic. Materialien wie Samt sowie Drucke wie Paisley und ungezügelter Materialpatch machen den Look komplett.

2. Blickpunkt Taille: Alle, die nichts mit Egg-Shape und Volumen anfangen können, dürfen aufatmen. Ab sofort ist Figur zeigen wieder erlaubt. Marni, Aufsteigerlabel MSGM, Jil Sander und Céline etwa setzen mit Gürtel beim Thema Mantel die Taille neu in Szene. Bei Isabel Marant gibt es nahezu kein Outfit ohne Gürtel. Stella McCartney und Prada gehen noch einen Schritt weiter und bringen die erhöhte Taille wieder ins Spiel. Damit dürfte jetzt schon klar sein, dass der Gürtel im Herbst zum Shooting-Star avanciert.

3. Lagenlook: Wie immer hat jeder Trend einen Gegentrend. Wer als Frau nicht so gerne seine Körpermitte betonen möchte, kann sich über die unzähligen Schichten freuen, die kommenden Herbst/Winter genauso angesagt sind wie taillenbetonte Silhouetten. Kollektionen wie Christophe Lemaire, Dries van Noten oder No21 spielen das Thema Lagenlook rauf und runter, mit Pelz als neuem spielerischen Element. Bei diesen exzessiven Umgang mit Materialien und Silhouetten kann der Winter getrost kommen. Keine Frau muss länger frieren.

4.  Materialexzesse: Karl Lagerfeld verarbeitet Pelz und Leder bei Fendi zu einer Art Schutzschild, dazwischen tragen die Models überdimensionale Daunenjacken. Consuelo Castiglione hat sich für Marni von einer wilden Wanderin inspirieren lassen – mit einem Marsch durch Materialien und Muster. Miuccia Prada macht das wieder auf ihre ganz eigene intellektuelle Art, indem sie Materialien oder Schmucksteine in einem Outfit zusammenbringt, die eigentlich gar nicht zusammenpassen oder an das jeweilige Kleidungsstück hingehören. Der exzessive Umgang mit Materialien und schmückenden Elementen ist ein Muss. Jacquard, Brokat, Samt und Seide, Wolle, Tweed, Pelz und Daune gehen ganz neue Verbindungen ein. Das ist Anspruch pur.

5. Mustergültig: Alle, die ein Faible für Farbe und Drucke haben, können sich freuen: Ob klein- oder großkariert, Paisley oder Blumen, Streifen oder aus der Folklore beheimatete Muster – die Vielfalt ist enorm und lässt einen großen Spannungsbogen zu. Durch den Einsatz von gedämpften Tönen wirkt alles wie mit einem Hauch Vintage überzogen. Muster mit Muster ist allerdings nur etwas für modisch Versierte. Die verständlichere Variante ist ein Dessin mit einem Uni-Teil zu kombinieren. Alles andere wird schnell zu viel.

6. New Suits: Mit dem Comeback von Wolle und mehr Schliff kommt ein neuer, alter Kombinationsgedanke zurück, der jedoch nichts mit dem verstaubten von einst zu tun hat. Konfektion erlebt ein Comeback. Und wer sieht, wie Miuccia Prada das umgesetzt hat, muss sich keine Gedanken machen, dass diese Outfits von gestern sind. Ihre Anzüge in Curry und Rosa mit zweireihigen Cabanjacken und verkürzten Hosen sind mindestens so richtungsweisend wie ihre Fischgrat-Anzüge mit bunten Fell-Patcheinsätzen. Stella McCartney schickt neue Dreiteiler über den Laufsteg. Dries van Noten ebenfalls, interessanterweise aus reiner Baumwolle. Clare Weight Keller entdeckt für Chloé die Weste zur Herrenhose und Schluppe. Es gibt eine ganze Generation von moderner Konfektion. Endlich!

7. Weite Hosen: Kein Schlag hat, wer behauptet, dass Hosen wieder weiter werden. Spätestens nach den Designerschauen steht fest, dass in puncto Hose alle Zeichen auf Volumen stehen. Von Schlaghosen bis zur Marlene – alles ist erlaubt. Die Skinny ist verbannt, zumindest aus Sicht der Kreativen. Der Realitäts-Check  in deutschen Straßen sieht (noch ?!) anders aus.

8. Bodenlange Mäntel: Mit dem Comeback von Wolle hat der Mantel eine Chance bekommen, eine ernstzunehmende Alternative zur Daunenjacke zu werden. Modische Frauen haben ihn schon in diesem Winter bevorzugt getragen. Jetzt gehen die Designer noch einen Schritt weiter – und zaubern bodenlange Mäntel aufs Modeparkett. Wie lässig sie aussehen zu weiten Hosen, langen Kleidern und Seidenblusen, sieht man zum Beispiel bei Chloé.

9. Kleid über Hose: Das ist wirklich mal eine neue Silhouette, wie sie Marni, Jil Sander oder Colangelo in Mailand zum Beispiel präsentiert haben. Die Outfitidee ist schon für diesen Sommer aufgetaucht und wird für Herbst/Winter 2015/16 weiterentwickelt. Wie marktfähig sie ist, wird sich zeigen. Allerdings handelt es sich dabei um einen echten Figurschmeichler, insofern dürfte der Look durchaus kommerzielle Chancen haben.

10. XXL-Accessoires: Dior zeigt Overknees, die bis in den Himmel ragen. Miuccia Prada setzt für ihre pastellfarbene Konfektion mit überlangen Handschuhen Akzente. Bei Stiefeln und Handschuhen gilt: je länger, desto besser. Wie viel davon wir im Straßenbild zu sehen bekommen, sei dahingestellt. Ein Hingucker ist es in jedem Fall.

Online, offline und 2025

„2025 – so arbeiten wir in der Zukunft“, so heißt der vielversprechende Titel der Berliner Gespräche, eine Veranstaltung, zu der die Bielefelder Unternehmensberatung Hachmeister + Partner rund 200 Fachleute aus Handel und Industrie ins Hotel Adlon nach Berlin eingeladen hat. Es dauert keine zwei Minuten, bis einem bei dem ersten Vortrag schonungslos vor Augen geführt wird, dass in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen bleibt und so ziemlich alles auf den Kopf gestellt wird. Auch wenn man das im Prinzip schon vorher wusste, wird einem doch in dem Vortrag von Trendforscher Sven Gábor Jánszky klar, dass die digitale Entwicklung wie ein TGV durch die Lande rast und dabei erst so richtig Fahrt aufnimmt. Tapeten, die leuchten. Fernbedienungen, in die man reinspricht statt zu zappen, Apps, die einem per Ampelsystem sagen, ob ein Produkt zu einem passt oder nicht. „Braucht keiner, kommt trotzdem“, so seine trockene Theorie.

Auch wenn manche seiner Thesen extrem sind – zum Beispiel, dass in zehn Jahren die Menschen bei einer Kaufentscheidung nicht mehr dem Urteil anderer Menschen, sondern dem ihres Handys vertrauen, skizziert er doch ein nachvollziehbares Bild von der Zukunft. Sein Appell: „Ob man dies als Gefahr oder Chance sieht, liegt in Ihrem Kopf.“

Dass die digitale Entwicklung noch gravierende strukturelle und gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringt, ist jedem bewusst. Und doch wird an diesem Tag in Berlin nochmal deutlich, dass die Digitalisierung in all ihren Facetten und Folgen nicht ansatzweise greifbar ist.

Da sitzen alle im selben Boot, die stationären Geschäfte, die traditionellen Hersteller, die Modemagazine. So wie das Internet die Medienlandschaft und den stationären Einzelhandel verändert hat, hat das Netz schon längst Auswirkungen auf den gesamten Modeprozess: Der Einfluss eines Bloggers ist heute oft größer als der eines Modejournalisten, die Kraft einer Heidi Klum, die ein Versace-Kleid auf dem roten Teppich trägt, stärker als die eines Marketingbudgets in Millionenhöhe.

Dank des Internets kann sich jeder selbst zum Star ausrufen, oder sich mit seinen Vorbildern und Lieblingslabels via Facebook, Twitter und Instagram connecten. Die Schauspielerin Olivia Palermo und Bloggerin Miroslava Duma sind die neuen Stil-Ikonen, genauso aber auch der Serienstar Lena Dunham oder Herzogin Kate, deren neueste Looks innerhalb weniger Stunden über alle Plattformen und Social Media-Kanäle kommuniziert und entsprechend kopiert werden.

Auf den jüngsten Designerschauen hatte man mitunter den Eindruck, dass die Show vor oder nach der Show mindestens genauso wichtig ist. Justin O‘ Shea, Chefeinkäufer von mytheresa, und seine Freundin Veronika Heilbrunner legten nach der Valentino-Show ein Tänzchen in den Tuilerien hin. Mit ihren Posts auf Instagram erzielen sie regelmäßig über 1000 Likes. Das gehört heute zum Geschäft.

Und wenn Heilbrunner, bislang Stylistin bei Harper’s Bazaar und mytheresa, jetzt mit Ex-Vogue-Online-Redakteurin Julia Knolle ein neues Web-Magazin startet, stellt sich natürlich die Frage, wie das mit online und Print weitergeht. Wie viele Chefredakteurinnen der Print-Magazine in fünf Jahren noch in der ersten Reihe sitzen, wenn die Auflagen immer weiter verlieren? Haben dann diejenigen das Sagen, die den Erfolg einer Show an der Anzahl der Likes auf Instagram festmachen? Wie viele Marken sind dann überhaupt noch auf dem Markt? Wie viele Geschäfte müssen schließen, wenn Mode immer noch mehr im Netz gekauft wird?

Vermutlich werden die überleben, die sich mit dem auseinandersetzen, was die Kunden bzw ihre Leserinnen möchten.

Wenn man bedenkt, dass das britische Online-Portal Net-a-Porter ein hochwertiges Print-Magazin herausgibt, muss man über die Zukunft von Print keine Grundsatzdiskussion mehr führen. Das gilt auch für begehrliche Produkte: In den Chanel-Boutiquen in Paris ging es zu wie auf dem Rummelplatz. Dort wurden ohne mit der Wimper zu zucken 4000 Euro für eine Tasche mittleren Formats ausgegeben.

Was die Kunden möchten, das war und bleibt Dreh- und Angelpunkt des Geschäfts. Christoph Rosa, CBR-Chef hat auf den Berliner Gesprächen offen zugegeben: „Wir haben eine Zeit lang den Bezug zu unserer Kundin verloren. Die hat sich währenddessen weiterentwickelt.“ Der Unterschied zwischen Pure Playern und den traditionellen Anbietern besteht für ihn darin, dass Google, Amazon & Co permanent überlegen, wie sie ihren Kunden das Leben leichter machen können. „Wir denken darüber nach, wie wir unseren Kunden 8% mehr verkaufen können.“ Ein interessanter Ansatz, über den es sich lohnt nachzudenken.