Mode trifft Medien in München

Wenn der GermanFashion-Verband in München einlädt, dann wird der ModeMedienAbend gefeiert.„Austausch, Networking und ein offenes Wort auf Augenhöhe ist das, was meine Branchenkollegen und ich an diesem besonderen Get-Together so schätzen. Ohne unsere Medien ist die Modebranche nichts, gemeinsam sind wir viel mehr als nur Unternehmen und Medien, wir sind Fashion“, sagt Gerd Oliver Seidensticker (Seidensticker), Präsident von GermanFashion.
Vizepräsidentin Martina Buckenmaier (RIANI) fügt hinzu: „Unser Abend hat sich in München als exklusiver Branchentreff etabliert und neben sehr guten Gesprächen stehen hochwertige kulinarische Genüsse, beste musikalische Unterhaltung und wie immer ausgelassene Partylaune auf dem Programm.“
Traditionell findet der ModeMedienAbend des deutschen Modeverbandes GermanFashion in der Münchner In-Location „Zum Goldenen Kalb“ mit rund 90 Gästen statt.

Duftpremiere bei Luisa Cerano

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Übersicht Luisa Cerano Duftpräsentation in München am 14.03.2019. Agency People Image (c) Jessica Kassner

Duft-Launch bei Luisa Cerano: Im Münchner Flagship-Store feierten Luisa Cerano-Chef Jürgen Leuthe mit dem renommierten Parfümeur Gesa Schön die Premiere des ersten eigenen Dufts.  Schön gilt als einer der einflussreichsten Parfümeure und das nicht nur in Deutschland. Zu den Gästen zählten rund 100 geladene Gäste, darunter unter anderem Markus Höhn und Elke Riehl von Lodenfrey, Dr. Daniel Terberger von der Katag sowie  Stephanie Stumph, Aglaia Szyszkowitz, Annika Blendl, Mersiha Husagic, Swantje und Annette Weber.

All Shades of Brown

 

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“Wir bekommen eine Zeitenwende”, sagt Trendforscherin Li Edelkoort auf der Munich Fabric Start. “Mein neues Trendbook Herbst/Winter 2020/21 beschäftigt sich mit allen Abstufungen von Braun. Wahrscheinlich bin ich verrückt, ich weiß, für wie schwierig diese Farbe gilt, aber mein Gefühl sagt mir, wir gehen auf eine Ära von Brauntönen zu, so wie wir sie zuletzt in den 1970er Jahren hatten.” Die Rede ist von Nougat über Caramel bis Schokoladen- und Schwarzbraun.

Tatsächlich liegt mit den vielen Camel- und Sandtönen schon ein Hauch von Braun in der Luft. Und jede Farbe sieht in Kombination mit Braun sehr viel moderner aus als mit Schwarz, da sind sich die Designer einig, die sich nach dem Vortrag zusammenfinden und darüber diskutieren, wie kommerziell Braun sein kann. Tenor: Wir haben alle Lust auf Braun. Das ist doch schon mal ein Anfang. Und vielleicht erleben wir mit Braun eine ähnliche Entwicklung wie mit Gelb. Diese Farbe galt Jahre lang auch als inakzeptabel für deutsche Frauen.

 

Die Modethemen aus Düsseldorf

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Nach Berlin geht der Spaß erst richtig los. Ab Mitte Januar wird geordert, und da spielt Düsseldorf eine zentrale Rolle. Das haben die letzten Tage gezeigt. Hier werden die Termine abgearbeitet, aber gestöbert oder herumgeschaut – diese Zeiten sind leider vorbei.

Düsseldorf hat die Modethemen von Berlin noch einmal bestätigt. Farbe bleibt ein wichtiger Motor, und man kann nur wünschen, dass größere Häuser ihr Farbkonzept schon gemacht haben, um der Flut an verschiedenen Farbrichtungen Herr zu werden. Von Rot- und Pinknuancen über Orange, Kürbis und Gelbvarianten bis hin zu satten, kräftigen Grüntönen reicht die Farbskala der Saison. Nicht zu vergessen alle mittleren Blautöne und erstaunlich viel Lila, was in sehr modischen Kollektionen wie Essentiel Antwerp und skandinavischen Labels sogar noch mit Nougat- und Cameltönen gespielt wird. Alles rund um Camel und Braun ist mit Sicherheit die neueste Farbschiene.

Camel wird erstaunlich gut bewertet. Auch hier scheinen alte Vorurteile überwunden zu sein. Das mag auch daran liegen, dass diese Farbe mit Rot, Electric Blue, Grün oder Gelb kombiniert werden kann und damit ein anderer, moderner Look entsteht. Edel bleibt der Klassiker mit Schwarz und Weiß. Das passt gut vor dem Hintergrund, dass Li Edelkoort auf der Munich Fabric Start einen exklusiven Ausblick für die Farben Herbst/Winter 2020/21 gegeben – und Braun als neue Trendfarbe ausgerufen hat. Von Schwarzbraun über Schokobraun bis Nougat und Caramel. Auf den ersten Blick nicht einfach, aber auf den zweiten Blick sehr viel moderner als Farbe in Kombination mit Schwarz.

Auch Drucke und Dessins spielen im kommenden Herbst/Winter eine Schlüsselrolle. Angesichts der vielen Animalmuster in allen Produktgruppen und Ausführungen, von klassisch bis abstrahiert, von Leo, Schlange bis Zebra, von authentisch bis in Farbe, fragt man sich schon, wer um Himmels Willen all diese Animalprints noch anziehen soll bzw. möchte, wo es doch schon in diesem Herbst und auch in der aktuellen Frühjahrssaison so viel von dem tierischen Muster gibt.

Gleiches gilt für Karo, das weiterläuft. Auch bei diesem Trend muss man darauf achten, dass das Karo neu und nicht gehabt aussieht.

Und sonst so?… spielen Kleider nach wie vor eine Hauptrolle, aber Midiröcke sichern sich zumindest eine kleine Rolle in den Sortimenten. Bei Hosen kommen neue Proportionen ins Spiel, lässig und moderat weit. Blazer funktionieren, wenn sie leicht und unkompliziert verarbeitet sind. Mäntel laufen weiter zu Hochform auf. Überhaupt kann Outdoor dem Himmel jeden Tag dafür danken, dass im Januar Schnee und kalte  Temperaturen das Jacken-Desaster noch in letzter Minute verhindert haben. Allerdings stellt man sich angesichts der vielen Puffa Jackets, die im Umlauf sind, durchaus die Frage, wie viele deutsche Frauen sich in die übergroßen Daunenjacken schmeißen werden. Da gilt es das richtige Maß zu finden, wobei man sagen muss, dass die neuen Proportionen und das Spiel mit Weite Modernität in das Thema bringen. Genauso wie bei Strick, das dank der vielen Farben und neuen Silhouetten – von Oversized bis zur Opa-Strickjacke – ein Glanzlicht bei der Order bildet.

 

 

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…

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BERLIN, GERMANY – JANUARY 16: A model walks the runway at the Riani show during the Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 at ewerk on January 16, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by John Phillips/Getty Images for Riani)

Im Vorfeld war schon so viel spekuliert worden darüber, ob Berlin noch relevant ist, wie viele Einkäufer überhaupt nach Berlin fahren, wie die Saison werden wird nach dem schlechten 2018. Und dann noch die angekündigten Streiks an acht deutschen Flughäfen für Dienstag. Es waren so viele Unwägbarkeiten.

Und dann waren die Messen am ersten Tag voll, sowohl Premium wie Panorama, die Stimmung war grundsätzlich positiv, und die Händler aus München und Stuttgart kamen trotz Flughafenstreik an. Alles wie immer! Könnte man meinen.

Nun kann man sagen, dass dies der typische Saisonverlauf ist. In Berlin wird geguckt und gefeiert, da geht es noch nicht um Orderbudgets, und deshalb sind Handel und Industrie meist froh gestimmt – und tauschen sich aus, wofür in den kommenden Wochen kein Raum mehr ist, wenn es um Limite, Konditionen und Warensteuerung geht. Auch dass Kommunikation in schwierigen Zeiten noch wichtiger wird, hat Berlin erneut ganz deutlich vor Augen geführt. Schon allein deshalb ist und bleibt Berlin ein relevanter Branchentreff.

Berlin ist in der Womenswear der perfekte Kick-Off in die Saison. Wo sonst bekommt man in kurzer Zeit einen so schnellen Überblick über Kollektionen und Trends – und kann nebenbei auch noch die Stadt genießen?!

Vor diesem Hintergrund hat Berlin seine Position bestätigt. Beide Messen haben an ihrem Auftritt gearbeitet. Davon haben beide profitiert. Das muss man anerkennend sagen. Wohingegen Der Berliner Salon, bis dato unangefochten das kreative Sahnehäubchen in Berlin, durch den Location-Wechsel vom Kronprinzenpalais in die Elisabethkirche, an Glanz und Glamour und damit Relevanz verloren hat. Sehr zum Leidwesen der Aussteller, die in dieser Saison erstmals in einer von der VOGUE kuratierten Gemeinschaftsfläche präsentiert wurden, was mitunter dazu führte, dass der ein oder andere mit zwei oder drei Teilen vertreten war – die namentlich nicht zu erkennen waren, plus zwei Puppen, die jeder Aussteller zusätzlich am Rand aufgestellt bekam.

Es war ein dichtes Gedränge, die Aussteller standen wie Studenten vor ihren Puppen, und es war schwierig, die Kulisse der Elisabethkirche und die Inszenierung auf sich wirken zu lassen, geschweige denn, irgendeine Idee in puncto Merchandising oder Warenpräsentation mitzunehmen. Am Ende blieb die Frage offen, was es dem Besucher in dieser Form bringt.

Da überzeugen Formate wie die neue Nachhaltigkeitsmesse NEONYT im Kraftwerk mehr (früher Green Showroom und Ethical Fashion Show), die durch Events und das Kongressprogramm des Zeit Magazins flankiert wurde.

Modisch kann man sagen: Farbe läuft weiter, und zwar in allen Schattierungen. Das Farbkonzept für Herbst 2019 zu bauen, könnte vor allem für größere Häuser eine Herausforderung werden. Denn es gibt so viele unterschiedliche Farben, dass einem schwindlig werden kann – und ganz nebenbei auch noch viele bekannte. Camel und Braun sind die großen Aufsteigerthemen, verbunden mit Karo und einem Comeback von Klassik. Daneben bleiben Gelb, Rot, Pink und Grün relevant. Lila ist vor allem bei skandinavischen Labels massiv vertreten. Schwarz meldet sich zurück, flankiert von Offwhite. Hier muss man zum einen aufpassen, dass es nicht zu viel Farbe wird. Es wird sicher auch Kunden geben, die nicht mehr so viel Lust auf Farbe haben werden. Die Braun- und Cognactöne kippen schnell in Retro, was ab einem gewissen Alter auch nicht schöner macht. Und in billig sehen diese Farben auch nicht zwangsläufig schön aus.

Das gilt auch für die vielen Karo-Varianten für Mäntel, Blazer, Kleider, etc. Genauso wie Animal. So viel Animal, Leo, Schlange, Zebra! Beide Dessins – Karo und Animal – sieht man schon jetzt stark im Handel. Insofern bleibt die Frage nach der richtigen Gewichtung wichtiger denn je.

Das gilt auch für die Flut an Puffa-Jackets und Plüschmänteln. Beides ein Trend bei Outdoor, ok, aber wie viele davon braucht es tatsächlich? Wie viele Durchschnittskundinnen werfen sich in diese XL-Jacken und -Mäntel?

Modisch war das Angebot in Berlin sehr gehabt. Dieselben Themen, die schon in diesem Winter gespielt werden. Das führt noch einmal mehr vor Augen, dass der Rhythmus der Branche unverändert eine der großen Herausforderungen für Multilabel-Sortimente ist. Budget für kurzfristige Ware wäre nicht schlecht.

 

 

 

Frohe Weihnachten

2018 war voller Überraschungen. Ein Jahrhundertsommer, gut für Schwimmbäder, Eisdielen und Biergärten, schlecht für die Mode. Wieder einmal war das Wetter für die Misere schuld. Zum wie vielten Male haben wir festgestellt, dass es im August und September wieder mal viel zu warm für neue Herbstware war? Dass im August keiner einen Wintermantel kaufen möchte? Dass wir mehr Ready-to-Wear brauchen? Dass wir im Juli noch schöne Sommerkleider zu regulären Preisen verkaufen können bzw. müssen? Dass alte Denkmuster nicht mehr funktionieren? Man denke nur an die Farbe Gelb. “Gelb und deutsche Frauen geht nicht”, diese These stimmt genauso wenig wie “Cord ist Mord”.

Was lernen wir daraus? Wir müssen neue Wege gehen. Mehr Mut haben und dabei nicht den Kopf verlieren. Das Erfahrungsgefängnis im Kopf abstellen und trotzdem aus Erfahrungen die richtigen Schlüsse ziehen. Es war kein einfaches Jahr, und es wird kein einfaches Neues Jahr für die Modebranche. Doch Angst wird keinem weiterhelfen. Mut beim Einkauf wird belohnt, das hat dieses Jahr schon gezeigt. Nur mit neuen Dingen kann man die Kunden derzeit begeistern. Dinge, die innovativ und gleichzeitig verständlich sind. Nicht zu abgehoben und kompliziert, sonst steigen die Kunden aus. Aber auch nicht zu langweilig und gehabt. Dann steigen sie erst gar nicht ein. Denn die Verbraucher sind heute sehr viel anspruchsvoller und besser informiert.

Deshalb sollte man ihnen auf Augenhöhe begegnen. Das gilt auch fürs Personal. Eine Mitarbeiterin, die auf einer Premium-Fläche einen Lammfellmantel nicht von einem Fake Fur unterscheiden kann, ist nicht länger akzeptabel. Genauso wenig, dass eine Verkäuferin nicht weiß, welche Marken im Haus geführt werden. Dann kann der Kunde gleich online shoppen. Gut geschultes, motiviertes Personal ist heute eine Herausforderung. Und das kriegt man nicht, indem man auf Umsatzrückgang mit weniger Personal reagiert.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten, besinnliche Tage und einen guten Start in ein hoffentlich glückliches und erfolgreiches Neues Jahr! Mit neuen Ideen, Konzepten und Mut.

 

Auftakt Herbst 2019

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Laurèl Pre Fall 2019

Noch hat der Winter nicht richtig angefangen, ist die Order für Herbst/Winter 2019/20 schon wieder in vollem Gang. Nicht unbedingt sinnvoll, aber seit Jahren wird das so gemacht, und deshalb stellt es auch niemand in der Branche in Frage – bzw. will keiner ran, das zu ändern. Denn dass der Rhythmus in der Modebranche nicht mehr stimmt, ist schon lange kein Geheimnis mehr.

Aber anstelle dass sich alle mal zusammen an einen Tisch setzen und überlegen, wie man auf klimatische Veränderungen und verändertes Verbraucherverhalten reagieren kann, geht es munter weiter wie bisher. Na ja, immerhin gibt es in den ersten Lieferterminen für Herbst, die im Mai in die Läden kommen, jetzt so gut wie keine dicken Wintermäntel mehr. Wie viele davon überhaupt noch gekauft werden für nächste Saison, ist ohnehin die Frage. Denn bis jetzt sind die Abverkäufe mit Outdoor und dickem Strick – eben den typischen Winterteilen – nicht rosig – und die Reduzierungswelle läuft seit Black Friday unbarmherzig weiter. Warum aber selbst Accessoires und kleinere Geschenkartikel jetzt schon reduziert verkauft werden müssen, bleibt trotzdem die große Frage. Ich habe neulich selbst für 20 Prozent Nachlass diversen sehr hübschen Krimskrams gekauft. Zusammen mit einer Freundin. Nur so nebenbei: Wir hätten es auch regulär gekauft.

Ludwig Beck in München hat auf den Black Friday mit 100 Highlights auf allen Etagen reagiert – und nur selektiv reduzierte Ware angeboten. Auch so kann Einzelhandel sein. Die Schnäppchen-Variante alleine ist es jedenfalls nicht.  Stationärer Einzelhandel muss wieder emotionaler werden. Mit tiptop Personal – daran sollte man als letztes sparen!

Eine sehr erfolgreiche Einzelhändlerin erzählte mir, dass sie gezielt in Mitarbeitercoaching investiere. Zitat: “Wenn an einem Nachmittag nur zwei Kundinnen kommen, müssen die wenigstens kaufen.” Die meisten Verkaufsgespräche werden viel zu früh beendet. Warum einer Kundin, die eine Tasche kaufen möchte, nicht noch das passende Portemonnaie zeigen? Nicht immer, aber in vielen Fällen funktioniert es.

Man muss sich einfach viel mehr anstrengen. Jammern ist sicher der schlechteste Ratgeber. Gutes Personal, perfektes Merchandising, kuratierte Sortimente. Und Ware, die zu den Auslieferungsmonaten passt. Zumindest in dieser Hinsicht hat sich in den Pre Kollektionen der Premium-Lieferanten einiges getan. Das ist ja schon mal ein Anfang. Sehen Sie selbst.

 

Mach mal halblang

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Mit den ersten Lieferungen für Frühjahr 2019 und auch den neuen Pre Fall-Kollektionen deutscher Premium-Anbieter steht endgültig fest: Midi ist ein Muss. Die neue Länge für Röcke und Kleider setzt sich immer stärker durch. Mit Sneakern, Stiefeletten oder Stiefeln ist das auch wirklich ein moderner Look. Meist schwingend, manchmal auch mit asymmetrischem Saum und fast immer in fließenden Qualitäten. Mit Strick lässig und angesagt im Stilbruch – und damit auch bei kälteren Tagen schon einsetzbar.

 

 

Schau…Braun!

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Mango

Braun, Camel und Nougat? “Schwierig”, seufzen erfahrene Einkäufer hierzulande in der Diskussion, wie kommerziell diese Farbskala ist. Die Stoffmessen waren voll davon, und ein Blick in die Sortimente von Zara, Mango und Konsorten macht deutlich: Bei den Vertikalen ist es jetzt schon die Farbschiene der Saison. Camel, Caramel, Sandtöne, Nougat, Erdnuss, Schokobraun – für Blazer, Wollmäntel, Hosen, Kleider, Röcke – wohin das Auge reicht, und besonders Modische tragen das zusammen mit Animal-Drucken, Rot, Orange, Kürbis und Currygelb. Wer es lieber etwas dezenter mag, kommt in Kombination mit Schwarz und Offwhite voll auf seine Kosten.

Insofern kann man diese Farbschiene durchaus so kombinieren, dass sie nicht zu Retro wirkt. Zusammen mit Rot, satten Orangetönen oder eben Schwarz ist das eine sehr edle Farbschiene, die man auf jeden Fall im Auge behalten sollte. Denn, wenn uns die jüngste Vergangenheit eines gelehrt hat: “Das hat noch nie funktioniert” funktioniert nicht mehr.

Gelb? Galt lange als schwierig, und plötzlich lieben deutsche Frauen Gelb. Samt und Cord? Cord ist Mord. Auch falsch. Die beiden Materialien wurden unterschätzt und fehlen jetzt im Verkauf. Wer es hat, sind die Vertikalen! Also bitte nicht alle modischen Themen den Vertikalen überlassen. Mut wird belohnt, gerade in schwierigen Zeiten!

 

Paris in Aufruhr

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Dior. Foto: Studio Martin Veit

Die Schauen sind schon lange an Exaltiertheit nicht mehr zu toppen. Gesehen und gesehen werden, alles für das schnelle Foto, Selbstoptimierung und -inszenierung allerorten. Dass bei einer Show 80 Prozent der Zuschauer mehr mit ihrem Handy als mit der Show beschäftigt sind, bemerkt schon keiner mehr. Geschweige denn, dass es irgendjemand moniert.

Doch in dieser Saison hat es tatsächlich einer geschafft, Paris in Aufruhr zu versetzen. Schon im Vorfeld wurde über nichts anderes spekuliert als darüber, was Hedi Slimane aus Celine machen wird. Die Tatsache, dass er in seiner ersten Amtshandlung den Akzent bei Céline auf dem “e” wegnehmen hat lassen, gab schon eine Vorahnung, dass hier einer keinen Stein auf dem anderen lassen wird.

Das Ganze war groß aufgezogen: Die Einladungen zur Show kamen in leinengebundenen Büchern. Vor der Show gab es Moët-Champagner aus der Flasche mit eigens kreierten Celine-Etiketten, und in der Halle wurde vor der goldenen Kuppel des Invalidendoms ein Zelt aufgebaut, und zu Beginn der Schau von den Musikern der Nationalgarde getrommelt.

Das Celine-Spektakel hat sicher mehr gekostet als jede Show der langjährigen Celine-Designerin Phoebe Philo. Diese dürfte sich bei Slimanes Premiere nicht nur gefragt haben, was ihre bisherigen Kundinnen künftig anziehen sollen, sondern auch, wie viel Hedi Slimanes Interpretation der Marke noch mit Celine zu tun hat.

Antwort: Nichts. Der lässige Chic, den Philo so perfekt beherrschte und der eine erwachsene Kundin ansprach, die gut angezogen, aber nicht verkleidet sein wollte, ist dem für Slimane typischen Rock Style Glamour gewichen, der die Generation der Millennials begeistert und den Umsatz bei Saint Laurent verdreifachen ließ.

In der Hoffnung, dass die Minikleider mit Pailletten und betonter Schulter jetzt bei Celine ebenfalls den Umsatz in die Höhe schießen lassen, durfte Slimane auch gleich noch eine Männerkollektion für die Marke präsentieren, auch diese unverwechselbar in Slim-Fit geschnitten.

Am Ende bleiben viele Fragen: Ist das kreativ, wenn man exakt dieselben Entwürfe zeigt wie vor ein paar Saisons bei Saint Laurent? Wenn einem so gar keine Weiterentwicklung des eigenen Stils für den neuen Arbeitgeber einfällt? Ist es Arroganz, Unvermögen oder Hybris? Oder beides? Was denkt sich LVMH? Warum bekommt Slimane dann nicht gleich eine eigene Kollektion namens Slimane?

Michele Alessandro hat für Gucci auch die Welt auf den Kopf gestellt, aber mit einer neuen Idee, die auch hätte schief gehen können. Bei Slimanes Kollektion für Celine indes ist es nur ein müder Abklatsch seiner bisherigen, wenn auch zweifellos großartigen Arbeit für Saint Laurent.

Es wird sich zeigen, ob die Strategie von LMVH aufgeht. Im Moment sieht es eher aus wie ein verzweifelter Versuch, es dem Konkurrenten Kering nachzumachen und ein Hype-Label aufzubauen, denn in diesem Punkt hat Kering mit den Erfolgen von Gucci, Balenciaga und Saint Laurent in Sachen Coolness im Moment die Nase ganz klar vorn.

Modisch geht es wieder etwas ruhiger zu. Nach dem Eklektizismus der vergangenen Saisons gibt es eine Tendenz zu mehr monochromen Outfits. Der Trend zu Tailoring spielt in dem Zusammenhang eine wichtige Rolle, aber immer mit einem Augenzwinkern interpretiert. Und Sport bleibt ein Thema und sorgt weiterhin für Lässigkeit.

Fotos: Studio Martin Veit